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Montag 14. September 2026

Ich wache am Morgen mit starken Schmerzen in meinem linken Fuß auf. Der Peiniger ist eine kleine Eiterblase, die sich über Nacht an meinem Fußballen gebildet hatte. Die Schmerzen sind so stark, dass ich nicht einmal meinen Fuß aufsetzten kann – da das meine Bewegungsfreiheit ziemlich einschränkt, beschließe ich, dass ich einen Arzt sehen müsste. Mit dem Dinghy fahren wir an Land. Dort wartet bereits Ahmed, Besitzer des Yachtclubs und unser Agent auf uns. Der Amerikaner guckt sich den Abszess an meinem Fuß kurz an und überzeugt mich, dass auch er mich von meinen Schmerzen befreien könnte. „Sowas haben die Locals hier ständig. Manchmal sind die Abszesse so groß wie ne Faust. Ich hab ne Sanitäterschulung.“ Keine zwei Minuten vergehen, bis er seinen Erste-Hilfe-Koffer rausgeholt hat und mit einem Skalpell meinen Fuß bearbeitet. Die Blase wird geöffnet, ausgedrückt, desinfiziert und verbunden. „Hier im Krankenhaus hätten die auch nichts anderes gemacht!“ Tatsächlich lassen die Schmerzen unmittelbar nach und so fahre ich anstatt ins Krankenhaus mit Mike und Tony zum Einkaufen in die Stadt. Als wir zurückkommen, wartet eine weitere Ladung Dieselkanister darauf an Bord verbracht zu werden. Den weiteren Nachmittag verbringen wir auf dem Boot. Am Abend lassen wir uns erneut in die Stadt fahren und suchen ein lokales Restaurant auf, welches uns Ahmed empfohlen hatte. Wir bitten unseren Fahrer uns in zwei Stunden wieder abzuholen und setzten uns dann in das Restaurant. Das Menü besteht aus zahlreichen Schüsseln mit verschiedenen lokalen Spezialitäten, durch die man sich durchprobiert. Sehr lecker! Als wir fertig sind, drängt Mike den Fahrer anzurufen, damit dieser uns abholt. „Der Fahrer kommt sowieso in einer Stunde. Sollen wir bis dahin nicht ein wenig die Straße erkunden?“ schlage ich vor. Mike hält davon nicht viel: „Was willst du hier erkunden? Motorrad-Werkstätten? Bettelnde Kinder, die dich nach Geld fragen?“. Die Diskussion geht noch ein wenig weiter, doch schließlich rufe ich zähneknirschend den Fahrer an. Ich verstehe Mike nicht. Seitdem wir in Indonesien angekommen waren, hatten wir nichts vom Land gesehen. Wir waren in einem KFC und in einem westlichen Hotel, auf dem Boot und auf dem Gelände des Yachtclubs gewesen und hatten uns ansonsten von einem Fahrer direkt zu allen unseren Erledigungen fahren lassen. Wo war der Reiz dabei? Warum segelte man um die Welt, wenn man doch scheinbar keinerlei Interesse hatte etwas von dieser zu sehen, sondern lieber – tagaus, tagein – auf dem Boot saß und Bier trank?!


Dienstag 15. September 2026

Eigentlich wollen wir direkt am Morgen lossegeln, doch wir haben ein Problem. Wir hatten unseren Gastank gestern Abend wieder einmal leer zurückbekommen, weil man diesen nicht hatte füllen können. Und unsere Gasreserve war inzwischen ziemlich leer. Also machen Mike und ich uns am frühen Morgen auf den Weg in die Stadt, kaufen einen indonesischen Gastank und die nötigen Verbindungen, um das Gas daraus in unseren amerikanischen Gastank umfüllen zu können. Entgegen allen Erwartungen finden wir die benötigten Teile recht zügig und können so dann doch noch pünktlich um zehn den Anker lichten und die Segel setzen. Auf nach Raja Ampat! Es ist kaum Wind, im Gegensatz zu unserer letzten Passage haben wir zumindest aber auch keinen Wellengang und keine gegen uns gerichtete Strömung – so Motoren wir kontinuierlich mit sechs Knoten vor uns hin. Passagen unter Motor sind ziemlich langweilig und so vertreiben Tony und ich uns die Zeit damit, Karten zu spielen. Zum Abendessen gibt es Pizza.


Mittwoch 16. September 2026

Ein weiterer Tag unter Motor, ein weiterer Tag Langeweile. Den Vormittag über verbringe ich in meinem Bett und schreibe an meinem Blog, gegen Mittag holt Mike dann seinen Sextanten raus. Wir wollen uns an klassischer Navigation probieren. Im Zeitalter von modernen Chartplottern, GPS, Autopiloten und Starlink ist die Kunst der astronomischen Navigation weitestgehend verschwunden. Selbst Mike, der tatsächlich noch mit Sextanten und Papierkarte navigieren gelernt hat, kann sich nur mit ChatGPTs Hilfe daran erinnern, wie man aus den Sichtungen unsere Koordinaten berechnet – und unser Endergebnis weicht am Ende immer noch um fast 100 Seemeilen von unseren tatsächlichen Koordinaten ab. Das überzeugt mich noch nicht!


Donnerstag 17. September 2026

Die Gasverbindung, die wir in Biak gekauft hatten, weist ein gravierendes Problem auf: An dem indonesischen Anschluss befindet sich ein integrierter Druckminderer. Während man diesen für alle normalen Anwendungen braucht, lässt sich mit diesem dazwischen das flüssige Propangas nicht einfach von einem Tank in den anderen umfüllen. Unser DIY-Adapter funktionierte also nicht! Und so treffen wir im Laufe des Tages die Entscheidung doch nicht direkt nach Raja Ampat zu segeln, sondern erst in Sorong, einer nahegelegenen großen Stadt zu stoppen. Wirklich zufrieden mit der Entscheidung bin ich nicht: Ursprünglich hatten wir von den Hermits aus direkt nach Sorong und von da nach Raja Ampat segeln wollen. Als unser Sprit knapp wurde hatten wir dann in Biak gestoppt und wollten dann von dort direkt nach Raja Ampat segeln – auch das klappte nun nicht! Meine Sorge war vor allem die Zeit: In drei Wochen mussten wir in Lombok sein und allein Raja Ampat wäre es bestimmt wert dort zwei Wochen zu bleiben – von den anderen zwei Nationalparks, die auf dem Weg nach Lombok lagen, mal ganz zu schweigen. „Dann stoppen wir in Sorong eben nur für eine Nacht, um das Gasproblem zu lösen.“ versucht mich Tony zu überzeugen, allerdings hatte ich aus der Erfahrung der letzten sechs Monate gelernt, dass jeder Stopp in einer Stadt länger wird als geplant. Doch so frustrierend es war, auch ich konnte nicht leugnen, dass wir dringend Gas brauchten und so ändern wir unseren Kurs in Richtung Sorong. Wir ankern am Abend im Windschatten einer kleinen Insel gegenüber der Stadt. Durch eine Unterhaltung über Singapur kommen wir beim Abendessen auf die Frage nach der Gerechtfertigkeit der Todesstrafe. Ich plädiere dagegen, Tony – unter bestimmten Bedingungen – dafür. Die Diskussion wird schnell energisch und tiefsinnig – zu einer Einigung kommen wir nicht!


Freitag 18. September 2026

Früh am Morgen wechseln wir von unserem Ankerplatz neben der kleinen Insel zu einem näher an der Stadt gelegenen Ankerplatz direkt im geschäftigen Hafen von Sorong. Unser Anker hat kaum den Grund berührt, schon ist das orange Diesel-Bunkerschiff, welches ich gestern per WhatsApp bestellt hatte, auf dem Weg zu uns. Hektisch holen wir unsere Fender raus und vertäuen das Schiff mit unserem Boot. Es wird ein dicker Schlauch rübergereicht und innerhalb von Minuten sind unsere leeren Tanks und Kanister allesamt wieder voll. Das nenn ich mal effizient! Anschließend machen wir uns auf den Weg in die Stadt und suchen dort nach einem Ort, wo wir unsere amerikanischen Gastanks auffüllen oder zumindest die richtigen Verbindungen für einen Adapter finden könnten. Nach zahlreichen Stopps werden wir gegen Mittag in der Werkstatt eines älteren amerikanischen Expats fündig – er könne unsere Gastanks füllen! Während wir darauf warten, besorgen wir uns unser Permit für Raja Ampat und gehen in einem leckeren Restaurant am Hafen essen. Nach dem Mittag gabelt uns Faris, ein kompetenter Taxifahrer, der gutes Englisch spricht, auf und wir holen unsere Gastanks ab, decken uns auf einem Markt mit frischem Obst ein und finden sogar noch die nötige Verbindung für unseren eigenen Gasadapter. Erst am späten Nachmittag kommen wir aufs Boot zurück. Es ist bereits zu spät, um heute noch nach Raja Ampat aufzubrechen, aber nach dem produktiven Tag steht unserer Abfahrt morgen früh nichts mehr im Wege. Nachdem wir uns ein wenig ausgeruht haben, liebäugelt Tony mit der Idee noch einmal loszuziehen und das Nachtleben Sorongs zu erkunden. Mike ist müde und so ziehen Tony und ich allein los. „Das fühlt sich fast wie ein freier Abend an!“ zwinkert Tony mir zu, als wir uns auf den Weg machen – es war das erste Mal, das wir abends ausgingen und „der alte Mann“ nicht dabei war. Am Dock sammelt uns wieder Faris, unser Taxifahrer von heute Nachmittag, ein. Unser erster Stopp ist ein lebendiger Promenadenabschnitt, an dem wir uns Faris Empfehlungen folgend durch die Vielfalt indonesischen Streetfoods probieren. Es gibt Sukun Goreng (frittierte Brotfrucht), Pangsit (eine Art Knödel) und schließlich Cendol, ein sehr süßes Getränk aus Kokosmilch, Zuckersirup und grünem, aus Reismehl gemachten Wackelpudding. Nachdem unsere Mägen voll sind, machen wir uns auf die Suche nach einem Nachtclub. Der hat aber noch geschlossen und so lassen wir uns vorerst in einem Beer House nieder, an dem wir vorbeifahren. Tony singt dort begeistert Karaoke, ich unterhalte mich mit einem tschechischen Vater-Sohn-Gespann, das zum Tauchen hierhergekommen war. Die Zeit verfliegt, gegen Mitternacht verabschieden wir uns von Faris, der bis dahin noch mit uns unterwegs war und ziehen dann mit dem jüngeren der Tschechen weiter in den Club. Der Club ist leer, wir sind die einzigen Gäste, auf einer Bühne tanzen drei leichtbekleidete Mädels zur Musik. Nachdem sie mit ihrer Performance durch sind, setzten sie sich zu uns und wir beginnen uns – soweit das mit der Sprachbarriere möglich – zu unterhalten. Um drei Uhr verlassen wir den Club schließlich, finden auf der Straße irgendwen, der uns für kleines Geld nach Hause fährt und machen uns dann mit dem Dinghy auf den Rückweg zum Boot. „Komisch, es ist noch Licht an! Ist Mike noch wach?!“ stellt Tony fest, als wir uns dem Boot nähern. Tatsächlich ist Mike wach, kommt einen Augenblick später an Deck und berichtet uns, noch bevor wir aus dem Dinghy steigen können, was während unserer Abwesenheit passiert war. „Wir wurden ausgeraubt! Alles ist weg! Handys, Laptops, … schaut, selbst unsere Dieselkanister haben sie gestohlen!“ Mike hatte tief und fest geschlafen und war erst aufgewacht als die Diebe das Boot verließen. Adrenalin schießt in mein Blut. Ich stürze unter Deck und mache mir selbst ein Bild des Schadens: Meine Sachen sind durchwühlt, alle Schubladen stehen offen; mein Laptop, meine Powerbanks und mein Handy, welches ich hiergelassen hatte, da es leer gewesen war, sind weg. Das Adrenalin hält mich – obwohl ich eigentlich todmüde bin – noch lange wach. Plötzlich kreisen dutzende kleine Ein-Mann-Boote mit laut tuckernden Motoren um uns herum. Immer wieder fallen Lichtkegel auf unser Boot. Ich habe Angst, ich fühle mich hier nicht mehr sicher! Mit Macheten in der Hand stehen Tony und ich an Deck und versuchen den – ihren Angaben nach lediglich fischenden – Locals, zu erklären, dass sie doch bitte woanders fischen. Irgendwann gewinnt dann doch die Müdigkeit, ich gehe unter Deck, lege meinen Reisepass und mein GPS-Gerät – beides ist glücklicherweise noch da – unter mein Kopfkissen und schlafe ein.

   


Samstag 19. September 2026

Nach kaum zwei Stunden Schlaf, bin ich wieder wach. Das ganze Adrenalin von gestern Nacht war weg, nun konnte ich wieder klarer denken. Ich gehe zum Kühlschrank und will mir zum Frühstück einen Apfel daraus nehmen, doch stattdessen breche ich in Gelächter aus: „Ernsthaft?! Diese Bastarde haben unsere Äpfel geklaut!“ Wir hatten gestern bestimmt fünf Kilo Äpfel gekauft und nun war kein einziger mehr in unserem Kühlschrank. „Unsere Espressokanne haben sie auch mitgenommen!“ beschwert sich Mike. Die Bestandsaufnahme ergibt, dass noch so einige weitere Dinge fehlen: Tonys gesamte Tauchausrüstung war verschwunden (und er liebt seine Tauchausrüstung), die Drohne – inklusive aller Aufnahmen – fehlte, ebenso unsere Harpunen und Angeln sowie sämtliche auf diesem Boot befindliche Messer – die Macheten allerdings, hatte man liegen lassen. Ebenso überrascht uns das alles Bargeld noch da ist – selbst dort, wo es offen neben gestohlenen Dingen gelegen hatte. Am Vormittag machen Tony und ich uns auf den Weg zur Polizei, Faris begleitet uns. Es wird ohne Ende auf Indonesisch diskutiert – wir verstehen nur etwas, wenn Faris es für uns übersetzt oder wenn unsere Namen fallen. Es vergehen Stunden, wir wechseln zwischen dutzenden Büros hin und her, müssen immer und immer wieder erklären was passiert ist, was fehlte. Es fühlt sich unglaublich nutzlos an – was für eine Zeitverschwendung. Wie hoch wäre die Chance schon, dass die Polizei den Täter findet, ganz davon zu schweigen, dass wir unsere Sachen zurückbekämen?! Nachdem wir scheinbar jedes in Sorong existierende Polizei-Büro von innen gesehen haben, heißt es dann man müsse an Bord kommen und den Tatort begutachten. Wir versuchen die Polizisten erst davon abzubringen – wir wollten nicht noch mehr Zeit verschwenden – doch man besteht darauf und so fahren wir gegen Mittag auf einem Polizeiboot zu unserem Boot und bestimmt zehn verschiedene Polizisten, aus zwei verschiedenen Polizeiwachen, kommen zu uns an Bord. Man markiert die nun leeren Stellen, an denen einst unsere gestohlenen Dinge gelegen hatten, mit gelben Pfeilen, fotografiert alles, befragt Mike checkt unsere Bootspapiere und lässt uns dann endlich in Ruhe. Da wir uns an diesem Ankerplatz nicht mehr sicher fühlten, bringen wir das Boot anschließend in einem außerhalb der Stadt gelegene Marina. Dann holt Faris uns ab, wir fahren zu einer großen Shoppingmall und beginnen damit die gestohlenen Gegenstände zu ersetzten. Mike kauft ein neues MacBook, eine neue Drone, eine neue Bluetooth-Box, Ladekabel und Powerbanks, alles, was fehlte – ich kaufe mir erstmal nur ein günstiges Smartphone. In den vergangenen 20 Stunden hatte ich gemerkt, wie unglaublich abhängig ich von meinem Handy bin: Banking Apps (ich besitzt aktuell keine physische Kreditkarte), WhatsApp, Mails – alle meine Daten hatte ich zwar in einer Cloud gesichert, doch ohne ein Gerät, mit dem ich darauf zugreifen kann, hilft mir das auch nur sehr begrenzt. So verbringe ich den Abend, anstatt endlich mal ein wenig Schlaf nachzuholen, damit, mein neues Smartphone einzurichten.


Sonntag 20. September 2026

Auch der nächste Morgen startet früh. Um sieben wartet Faris an der Marina auf uns. Die Polizei hatte ihn als Übersetzter und Kontaktmann immer wieder angerufen und betont, dass man noch eine Unterschrift von mir bräuchte, ohne die man die Ermittlungen nicht starten könne. Warum ausgerechnet von mir, weiß keiner. Meine Motivation noch mehr Zeit bei der Polizei hält sich in sehr überschaubaren Grenzen, doch ich will Faris nicht in Probleme bringen und man hatte betont, dass es sich wirklich nur um eine Unterschrift handle. Daran hält man sich auch – nach weniger als fünf Minuten sind wir wieder aus der Polizeistation raus. Den weiteren Vormittag nutzten wir zum Shoppen und ersetzten nahezu alle Dinge, die uns gestohlen wurden. Wir kaufen eine neue Harpune – die gestohlene war erst drei Monate alt –, Flossen, Masken, eine neue Espressokanne, Kopflampen, Messer und nicht zuletzt Äpfel. Tauchausrüstung zu bekommen stellt sich in Sorong als schwer heraus, was fatal ist, da Raja Ampat eine der besten Gegenden zum Tauchen weltweit sein soll, und auch neue Kanister, die unseren Ansprüchen gerecht werden, sind nicht so einfach zu finden. Zum Mittagessen kehren wir in einem guten Pizzarestaurant ein und ruhen uns anschließend den Nachmittag über am Pool der Marina aus. Das Chaos der letzten 48 Stunden hatte uns sämtliche Energie geraubt, wir alle hatten ein riesiges Schlafdefizit und wollten nur aus Sorong raus. Zumal wir unter Zeitdruck standen: In 19 Tagen mussten wir in Lombok ein – und dahin waren es noch über 1000 Seemeilen! Immerhin hinderte uns nun nichts mehr an unserer Weiterfahrt: Wir hatten mit dem Überfall abgeschlossen, alle wichtigen Dinge hatten wir bereits ersetzt – morgen früh würden wir weitersegeln! Am Abend essen wir Nasi Goreng, gebratenen Reis. Mike und Tony legen sich in ihre Betten. Ich telefoniere noch mit meiner Familie. Es ist kurz vor zehn, als ich nach dem Telefonat aus der Vorpiek komme, Tony sitzt auf seinem Bett und fragt mich „Willst du was Lustiges hören?“. „Klar!“ antworte ich, ohne eine wirkliche Vorstellung davon, was jetzt kommt. „Faris hat mir gerade geschrieben. Die Polizei hat ihn angerufen und meinte sie hat alle Sachen gefunden. Wir sollen zur Wache kommen!“ Mir hängt die Kinnlade runter. Keine Viertelstunde später sitzen wir in Faris Auto auf dem Weg zur Polizeistation. Ich versuche meine Hoffnungen noch zu dämpfen, doch spätestens, als ich ein Bild der beschlagnahmten Dinge zu sehen bekomme, nimmt die Freude und Dankbarkeit überhand. An der Polizeistation erwartet man uns bereits. Feierlich führt man uns in den Raum, wo unsere Sachen liegen. Dankbar stürze ich mich auf meinen Laptop und mein Handy. Auf dem Boden an einer der Wände kniet, die Hände mit einem Kabelbinder gefesselt, ein junger Mann mit vernarbtem Gesicht. Einer der vermeintlichen Diebe. Insgesamt waren wohl fünf Männer beteiligt gewesen. Den Überfall hatte man nicht geplant, sondern aus dem Affekt begangen, nachdem man gesehen hatte, dass unser Dinghy nicht dort war. Mike – so heißt es von der Polizei – muss betrunken gewesen sein, damit er von all dem nichts mitbekam, leider kann ich mir das nur zu gut vorstellen. Tony guckt sich die gefundenen Dinge kaum an – seine Tauchausrüstung fehlt noch. Verbittert zeigt er einem der Beamten ein Foto von seinem Tarierjacket. Der Beamte nimmt sein Handy und zeigt dem Täter das Foto. Als dieser schweigt, beginnt der Beamte dem Täter mit seiner Faust ins Gesicht zu schlagen, bestimmt zehn Mal, direkt vor uns. Dann macht der Täter, mit dem wir nun fast etwas Mitleid haben, seinen Mund auf und dreißig Minuten später bekommen wir zu hören, dass Tonys Tauchausrüstung gefunden worden sei. So effizient sie sein mag, Polizeigewalt hat in keinem Rechtsstaat dieser Welt etwas verloren! Die Art und Weise, wie die Polizisten den Täter behandelten, ist erschreckend, abscheulich und unmenschlich. Unsere Sachen bekommen wir heute Abend leider noch nicht wieder. Da sie als Beweismittel dienen, müssen sie vorerst bei der Polizei bleiben. Man bittet uns morgen Mittag wiederzukommen … das Drama soll hier noch nicht zu Ende sein!


Die Formatierung des Blogbeitrags ist ungewohnt? Ich habe aktuell technische Probleme mit meiner Website und bin – um den Beitrag trotzdem posten zu können – vorerst auf eine Notlösung umgestiegen. 

Um uns herum liegen typisch asiatisch aussehende Holz-Fischkutter, vom Land weht der Geruch indonesischen Street-Foods herüber, man hört die Rufe eines Muezzins. Wir waren endlich in Asien!

Es ploppen gerade die ersten Bierdosen auf, als sich uns ein Motorboot nähert. In dem Boot stehen etwa fünf Männer. Wortlos und mit eisernen Mienen kommen sie immer näher und ziehen seitlich neben unser Boot.

Am Ufer, stehen kleine aus Schilf und Lehm gebaute Hütten, Töpfe brodeln auf offenen Feuerstellen, Fischer in Einbäumen ziehen ihre Netze durch das Wasser, Kinder winken aufgeregt, als sie unser Boot erblicken.

Tauch-Liveaboards kämen hier regelmäßig vorbei. Wir fragen, ob es hier keine Krokodile gäbe. Der ältere Mann nuschelt etwas vor sich hin und deutet auf die andere Seite der Lagune.

Minute um Minute zähle ich die Zeit herunter, bis endlich das Licht in Mikes Nasszelle angeht und baldige Erlösung verspricht. Just in dem Moment hört der Regen natürlich auf!

Das Wasser ist glasklar, die Lichtkegel unserer Lampen zeichnen sich in dem dunklen Wrack ab. In 30 Metern Tiefe treffen wir schließlich auf einen großen halboffenen Raum.

Lediglich ein kleiner Spalt unter der Felswand am Ufer fällt auf. „Das muss sie sein!“, freue ich mich.

Bald nach unserer Ankunft geht die Sonne unter und die glühende Lava zeichnet sich gegen den dunklen Nachthimmel ab.

Mit tuckerndem Motor verlassen wir die Bucht, Wind ist kaum. Wir haben es etwa sechs Seemeilen weit geschafft, als es aus unserem Motorraum plötzlich raucht.