Montag 20. April 2026
Den Vormittag über arbeiten wir an dem nächsten Post für Mikes Blog – diesmal war ich mit Schreiben dran. Wir müssen so oder so noch etwas Zeit überbrücken, denn erst gegen Mittag dreht sich die Strömung im Pass und macht von da an Tauchgänge möglich. Keine zehn Minuten nach Niedrigwasser, sitzen wir dann auch schon im Dinghy und fahren zum äußeren Ende des Passes. Ich bin aufgeregt! Der Tumakohua-Pass gilt als einer der besten Tauchspots der Welt. In der seichten Strömung des Kanals tummeln sich Unmengen von Haien – bis zu 700 Tiere haben Wissenschaftler hier an einem Tag gezählt. Am Einstiegsspot angekommen, heißt es für Tony und mich dann Flossen anziehen, mit einer Rückwärtsrolle von Dinghy herunter und negativ abtauchen. Mike hatte angeboten, für den ersten Tauchgang das Dinghy zu übernehmen – wir würden uns von nun an abwechseln, sodass jeder mal im Dinghy saß. Das Wasser ist so glasklar, dass wir den Grund knapp 30 Meter unter uns ohne Weiteres erkennen können. Während wir in die Tiefe sinken, tauchen dann auch schon die ersten Haie auf. Erst noch einzeln, verdichten sich die Haie schnell. Bald sind sie überall um uns herum. Scheu sind die grauen Raubfische nicht, oft drehen sie erst unmittelbar bevor sie mit einem zusammenstoßen würden, ab; von ihren Ausweichmanövern abgesehen wirken die Haie allerdings wenig interessiert und driften, ohne sich von den Tauchern stören zu lassen, in der seichten Strömung vor sich hin. Immer einem schmalen hellen Sandsteifen am Grund folgend, treiben wir so durch die Haifischsuppe und kommen aus dem Staunen kaum heraus. Hin und wieder lässt sich zwischen den dutzenden Haien auch der eine oder andere Napoleonfisch entdecken. Nach 40 Minuten treibt die Strömung uns am inneren Ende des Passes um eine Kurve und dann über ein flaches buntes Korallenriff. Während wir noch unseren Sicherheitsstopp machen, lässt sich an der Oberfläche bereits Mike erkennen, der im Dinghy auf uns wartet. Zurück auf dem Boot wechseln wir die Flaschen, machen eine kurze Mittagspause, dann fahren wir wieder raus: Diesmal ist Tony im Dinghy, Mike und ich gehen tauchen. Leider finden wir diesmal nicht den optimalen Einstiegpunkt und müssen erstmal eine Weile suchen, bis wir die mit Haien gefüllte Mitte des Passes finden. Auch ist die Strömung nun deutlich stärker als noch beim ersten Tauchgang und so sind wir nach knapp 25 Minuten schon bis zum vereinbaren Pick-Up-Point gedriftet. Am Abend gehen wir in einem kleinen lokalen Restaurant essen. Die Familie, die dieses betreibt, hatte für uns ein regelrechtes Festmahl aufgetischt: Drei Gegrillte Fische, zwei Platten Sashimi, dazu Unmengen von Reis, Nudeln und Salaten. Obwohl wir es als Challenge betrachten, alles aufzuessen, müssen wir bedingungslos kapitulieren.
Dienstag 21. April 2026
Den Vormittag über tuckert unser Kompressor vor sich hin und füllt gemächlich unsere Flaschen für zwei weitere Tauchgänge. Wir mussten so oder so wieder bis zum Niedrigwasser warten. Zwar ist es rein theoretisch auch möglich, bei auslaufender Strömung zu tauchen, doch aus Sicherheitsgründen lassen wir das lieber bleiben: Sollte man dann nämlich abtreiben, würde man, anstatt in die Lagune hineingetrieben zu werden, in den offenen Pazifik driften. Gegen Mittag laden wir dann schließlich Mikes und Tonys Ausrüstung ins Dinghy und fahren los – nun war ich mit dem Shuttle-Service an der Reihe. Schnell sind die beiden abgetaucht und ich verliere sie aus den Augen, ab dann heißt es: Warten! Warum fühlt sich die Zeit über Wasser so viel langsamer an?! Nach einer halben Stunde tauchen Mike und Tony schließlich vollkommen begeistert wieder auf: Es seien noch viel mehr Haie da als gestern schon, und zwei Adlerrochen haben sie auch noch gesehen „Das musst du unbedingt auch sehen!“. Schnell machen wir uns auf den Rückweg und wechseln die Flaschen. Nur eine halbe Stunde später sind wir schon wieder zurück am Einstiegspunkt, und ich springe gemeinsam mit Tony ins Wasser. Es dauert nicht lange, bis wir auf die „Wall of Sharks“ stoßen – und die macht heute ihrem Namen alle Ehre. Es wirkt förmlich, als müsste man die Haie zur Seite schieben, um vorwärtsschwimmen zu können, so viele sind es. Überall um einen herum befinden sich die grauen Raubfische und gucken einen mit ihren funkelnden Katzenaugen an. Absolut beeindruckend! Da wir bei den vergangenen Tauchgängen immer noch einiges an Luft übrighatten und die Strömung in Richtung unseres Ankerplatzes läuft, tauchen wir nicht wie gewohnt auf, nachdem wir auf das Riff stoßen, sondern driften noch eine knappe halbe Stunde über dieses weiter in Richtung unseres Bootes. Tatsächlich tauchen wir schließlich nur wenige hundert Meter von unserem Ankerplatz auf.
Mittwoch 22. April 2026
Von der „Wall of Sharks“ mal abgesehen, gab es auf der Südseite Fakaravas nicht viel und so machen wir uns am Vormittag auf den Weg zur Nordseite des Atolls, wo sich eine kleine Siedlung befinden sollte. Anders als die beiden letzten Atolle ist Fakarava zumindest zum Teil kartiert und so können wir, ohne Sorge um plötzlich auftauchende Hindernisse, einem schmalen kartierten Korridor folgen – das macht die Passage zwar sehr einfach und entspannt, aber irgendwie auch langweilig. Die Siedlung ist das Zivilisierteste, was wir seit den Marquesas Inseln gesehen haben: Das kleine Dorf hat eine Tankstelle, mehrere relativ normal wirkende, kleine Supermärkte, Bars und Restaurants. Auf der Suche nach einem Piña Colada landen wir in der Bar eines luxuriösen Beach-Resorts und verbringen dort den Nachmittag, bevor wir am Abend in einem kleinen lokalen Restaurant essen gehen.
Donnerstag 23. April 2026
Unser Tag startet mit einem Trip zur Tankstelle. Diese befindet sich praktischerweise an einer Kaimauer, so können wir direkt mit unserem Boot dort andocken. Der Wind war den vergangenen Monat über meist nur mäßig gewesen, und so schluckt das Boot eine ganze Menge. Als wir nach dem Tanken wieder ankern wollen, stoßen wir auf Probleme: Egal, wo wir unseren Anker ins Wasser lassen – er will einfach nicht halten. Dazu ist das Wasser in der Bucht recht milchig – wir können also auch nicht sehen, über was für einem Grund wir uns befinden, sondern müssen blind auf Sand hoffen. Drei Versuche braucht es, bis wir endlich nichtmehr abtreiben. Am Nachmittag schwimmen Tony und ich zu unserem Nachbarboot rüber. Dieses gehörte einem jungen amerikanischen Pärchen und war uns in den vergangenen Wochen öfter begegnet. Ein wesentliches Merkmal unterschied ihr Boot dabei, von nahezu allen anderen, die man hier sah: Es war winzig! Mit 31 Fuß (9,5 Metern) und einem Ruderboot als Dinghy sah es, verglichen mit dem einen oder anderen Boot, eher nach einem Spielzeug aus. Der Grund dahinter ist simpel: Ein kleines Boot kostet weniger: Bereits für vierstellige Beträge kann man in dieser Größenordnung immer mal wieder Angebote finden. Kein Außenborder, kein Watermaker und kein Starlink zu haben kürzt die Kosten weiter. Und trotzdem waren sie mit dem Boot ohne Probleme über den Pazifik gekommen – hatten während der Überfahrt sogar zu dritt an Bord gelebt. Reisen muss nicht teuer sein! Man muss sich keinen 1,2 Millionen Dollar teuren Katamaran bauen lassen, um um die Welt zu segeln! Am späten Nachmittag treffen wir uns mit einer Vielzahl anderer Segler aus der Bucht am Strand – jemand hatte zu einem Get-together eingeladen. Mit einem Bier in der Hand höre ich mir Geschichten über wochenlang anhaltende Stürme und Riesen-Schwertfische, die Löcher ins Boot rammen, an – ob Seemannsgarn oder nicht, lässt sich schwer sagen!
Freitag 24. April 2026
Tony und mir ist langweilig und so mieten wir uns am Vormittag zwei Fahrräder und erkunden damit die Insel. Der einzigen längeren Straße folgend, passieren wir den Flughafen – der besteht hier nur aus einem Zelt und einer Landebahn – und fahren dann einen Schotterweg entlang immer weiter ins nirgendwo, in der Hoffnung, irgendwann am Nord-Pass und damit dem Ende der Insel anzukommen. Auf dem Weg erkunden wir die Strände links und rechts und bedienen uns an den Kokosnüssen. Kurz bevor sich die Zeit dem Ende zuneigt und wir umdrehen müssen, kommen wir dann tatsächlich noch am Ufer des Passes an. Wir sind gerade zurück auf unserem Boot als zwei junge Damen in einem Dinghy vorbeikommen. Die beiden arbeiten auf einer der zur Oyster-World-Rally gehörenden Yachten und wir laden sie auf ein Bier aufs Boot ein. Am Abend grillen wir ein Hänchen, das so groß es, dass es beinahe nicht auf unseren kleinen Grill passt. Passenderweise kommt gerade in dem Moment das Pärchen von dem kleinen Nachbarboot vorbei, um sich unser Boot anzusehen, und so essen wir gemeinsam – schaffen tun wir das riesige Hänchen aber auch zu fünft nicht ganz!
Samstag 25. April 2026
So langsam hatten wir alle genug von den Atollen. Ja, türkises Wasser, weißer Strand und Kokospalmen sind traumhaft – aber wenn man drei Wochen nichts anderes gesehen hat, wird auch das irgendwann eintönig. Wir waren reif für Tahiti! Trotzdem entscheiden wir uns noch ein letztes Atoll zu besuchen und verlassen Fakarava so am Morgen. Zum Nachbaratoll, Toau, sind es nur gut 15 Seemeilen, doch die machen richtig Spaß: Zum ersten Mal seit langem haben wir wieder guten Wind. Wir können den Motor also, nachdem wir aus dem Pass von Fakarava raus sind, aus machen und segeln von da an mit Großsegel, Genoa und um die sieben Knoten nach Toau. Wir wagen es schließlich sogar durch den Pass hindurch und anschließend bis unmittelbar vor unseren Ankerplatz zu segeln.
Sonntag 26. April 2026
Am frühen Morgen telefoniere ich, wie jeden Sonntag, mit meiner Familie. Nachdem ich aufgelegt habe, hieven wir dann die Tauchausrüstung an Deck – Tony und ich wollten den verlockend klar aussehenden Pass betauchen. Mike fährt uns raus. Kaum sind unsere Köpfe unter Wasser reißt uns auch schon die Strömung mit sich und wir driften über einen bunten Korallengarten. Als wir nach 40 Minuten wieder an die Oberfläche kommen, staunen wir nicht schlecht: Wir waren unglaublich weit in die Lagune hineingetrieben. Bereits unter Wasser hatten wir gemerkt, dass die Strömung stark war. Doch damit, dass wir so weit treiben könnten, hatten wir nicht gerechnet. Wir versuchen mit Pfeifen, Rufen und unserer Boje Mike, den wir als kleinen Punkt am Horizont nach uns suchen sehen können, auf uns aufmerksam zu machen. Doch er hört uns nicht und so bleibt uns nichts anderes übrig als langsam in Richtung Land zu paddeln. In anderthalb Stunden würde die Strömung drehen und spätestens dorthin treiben – oder durch den Pass in den offenen Ozean. Wir sind inzwischen eine halbe Stunde am Paddeln und nur ein kleines Stück vorangekommen, als Mike irgendwie dann doch unsere Boje sieht und uns endlich einsammelt. Das war nicht witzig gewesen! Wir vereinbaren für zukünftige Strömungstauchgänge, dass wir vom ersten Moment des Tauchgangs an eine Boje setzen, so dass die Person im Dinghy den Tauchern durchgehend folgen könnte. Nachdem wir uns an Deck ein wenig von dem Schrecken erholt haben, taucht das kleine 31-Fuß-Boot und ankert einige hundert Meter entfernt. Am Abend treffen wir uns mit ihnen am Strand, machen dort ein Lagerfeuer, essen Kokosnüsse, trinken Bier und grillen Würstchen. Bald gesellt sich auch noch die Crew eines weiteren Bootes, das unser Feuer gesehen hatte, zu uns. Seit wir in den Tuamotus sind hatten wir ein Bonfire machen wollen – wie schön, dass daraus nun, am letzten Abend hier, noch etwas geworden war. Morgen geht es in Richtung Tahiti!















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