Montag 06. April 2026
Für heute steht Tauchen auf dem Plan. An einer Landzunge am Rande der Ankerbucht hatten wir einen natürlichen Felsbogen gesehen, unter dem sich unseren Informationen nach ein erstklassiger Tauchplatz befinden soll. Mikes Ohren sind verstopft und so bietet er Toni und mir an, uns mit dem Dinghy zum Tauchplatz zu fahren – das macht die Logistik deutlich einfacher. Als wir aus dem Dinghy springen, ist unter uns kein Grund erkenntlich. Lediglich eine Steilwand führt zu unserer Linken in die blaue Tiefe. Langsam tauchen wir ab und lassen uns immer tiefer fallen. Auf 25 Metern taucht schließlich Boden unter uns auf und wir folgen der Steilwand. Es dauert nicht lange, bis wir finden, wonach wir suchen. Genau dort, wo sich über Wasser der große Steinbogen befindet, befindet sich Unterwasser eine Kaverne. Ein Lichtstrahl fällt durch eine runde Öffnung in der Decke in die kleine Höhle. Die auch in dieser Tiefe noch zu vernehmende Bewegung der gegen die Felswand krachenden Wellen lässt Tonys Tauchcomputer verrücktspielen. Nachdem wir jeden Zentimeter der Kaverne erkundet haben, folgen wir weiter der Steilwand, in der sich unzählige aus kleinen Löchern hervorlugende Muränen und stachelige schwarze Seeigel eingenistet haben. Nach 35 Minuten neigt sich unser Luftvorrat dem Ende und wir kehren an die Oberfläche zurück, wo Mike bereits mit dem Dinghy auf uns wartet. Als ich gegen Mittag die Treppe hoch in Cockpit gehe, schreie ich plötzlich schmerzerfüllt auf. Seit Tagen flogen riesige Hornissen um unser Boot und nun war es so gekommen, wie es kommen musste: Eine Hornisse hatte sich auf dem Handlauf der Treppe niedergelassen und ich hatte genau dort hingegriffen um mich festzuhalten. Der Stich ist schmerzhaft, doch dank schneller Behandlung mit einem Insektenstichheiler schwillt er nur ein wenig an und der Schmerz lässt bald nach. Am Nachmittag gelüstet es uns nach einem zweiten Tauchgang und wir beschließen diesmal die andere Seite der Bucht zu erkunden. Hier ist es deutlich flacher. Anstatt einer Steilwand fällt das Ufer langsam ab und beherbergt einen Korallengarten. Viel Fisch sehen wir allerdings nicht und auch die Korallen sind recht bleich. Gegen Mitte des Tauchgangs – wir sind gerade etwas vom Ufer weg auf eine Sandfläche geschwommen – taucht plötzlich ein Mantarochen auf, nähert sich uns auf zehn Meter und dreht dann wieder ab. Es bleibt bei der kurzen Begegnung und wir drehen um. Knappe zehn Minuten später kommt erneut ein Mantarochen vorbei und schwimmt zielstrebig auf uns zu. Erst direkt vor uns dreht das riesige Tier mit einer Spannweite von über drei Meter ab verschwindet kurz und kommt dann wieder. Eine ganze Weile spielen wir so mit dem Manta, der keinerlei Scheu zeigt. Schon bald kommt ein zweiter Manta dazu, doch irgendwann geht unsere Luft aus und wir müssen auftauchen. Was für ein cooles Erlebnis!
Dienstag 07. April 2026
Am frühen Morgen gehen wir in den kleinen aber gut ausgestatteten Supermarkt im Dorf einkaufen und decken uns mit Vorräten für die anstehende Passage ein. Es war an der Zeit den Marquesas-Inseln den Rücken zu kehren und uns der nächsten größeren Inselgruppe zu widmen: Den Tuamotu-Atollen. Bevor es am Nachmittag losgeht, stellen wir noch den nächsten Blogpost für Mikes Blog fertig. Auch wenn der Blog „Captain’s Log“ heißt, hat Mike das Erstellen der Posts auf seine Crew ausgelagert – Toni und ich wechseln uns mit Video schneiden und Text schreiben ab. Den Blog findet ihr unter sailingsong.com/blog (Achtung Spoilergefahr! Mike‘s Blog hängt weniger hinterher als ich hier). Gegen Mittag setzen wir schließlich die Segel – knappe 400 nautische Meilen (740 km) sind es bis nach Raroia, dem ersten Atoll, welches wir anlaufen wollen. Stabiler schräg von hinten kommendem Wind macht das Segeln einfach, unser Gennaker bringt uns etwas mehr als sechs Knoten ein.
Mittwoch 08. April 2026
Um 01:55 klingelt mein Wecker und alarmiert mich zu meiner ersten Nachtschicht auf der SONG. Zeitlich ähnelt diese meinen Nachtschichten auf der Pazifiküberquerung. Da wir hier an Bord allerdings nur zu dritt sind, gehen die Schichten jeweils vier anstelle von drei Stunden – und die letzte Stunde zieht sich! Den Vormittag über schreibe ich ein wenig an meinem eigenen Blog. Am frühen Nachmittag passieren wir dann einige Squalls. Ich stehe währenddessen mit Shampoo an Deck und nutze die Chance, um eine rare Süßwasserdusche zu bekommen. Zum Abendessen kreiere ich feinstes französisches Cassoulet. Okay, nicht ganz … ich kippe eigentlich nur zwei der Fertig-Cassoulet-Dosen, die wir auf einer der Inseln bekommen hatten, in einen Topf und wärme sie auf.
Donnerstag 09. April 2026
Über Nacht hatte der Wind etwas nachgelassen, so dass wir nun ein wenig mit dem Motor nachhelfen müssen, um es pünktlich (dazu später mehr) zum Atoll zu schaffen. Um unsere Langeweile zu unterdrücken bringt Toni mir Poker bei – wenig später sitzen wir zu dritt im Cockpit und pokern mit einem Sammelsurium aus Restmünzen verschiedenster Währungen. Wir spielen, bis der erste Pleite ist – und das dauert eine ganze Weile: Als das Spiel vorbei ist, gucke ich auf die Uhr und staune nicht schlecht, als ich realisiere, dass wir fünf Stunden am Stück miteinander gepokert hatten. Am Nachmittag sende ich Nachrichten an alle meine Nachhilfeschüler, die ich über die Plattform unterrichtete: Ich würde meine Tätigkeit nach den nun endenden Osterferien einstellen. Ausschlaggebender Grund dafür war die Zeitverschiebung – sobald wir morgen ankämen, wären es nach Deutschland -12 Stunden Zeitdifferenz. Damit blieb täglich, selbst wenn ich früh aufstand nur noch ein zweistündiger Zeitslot, in dem ich überhaupt Einheiten geben könnte – das machte die Terminfindung zunehmend schwierig! Hinzu kommt, dass ich für meine Crewposition auf der SONG bezahlt werde und dadurch finanziell nicht mehr auf die Nachhilfestunden angewiesen bin. Den letzten Bund mit der Plattform, über die ich die vergangenen 2,5 Jahre größtenteils unterrichtet hatte zu kappen fühlt sich befreiend an, ist aber zugleich auch mit ein wenig Wehmut verbunden. Mein Profil ist beim Verlassen der Plattform mit 5,0 Sternen bewertet und loggt mehr als 500 gegebene Nachhilfestunden. Meine Privatschüler behalte ich vorerst.
Freitag 10. April 2026
Als zum Ende meiner Nachtschicht die Morgendämmerung einsetzt zeichnet sich am Horizont ein flacher grüner Streifen aus Palmen ab: Raroia. Zwei Stunden später befinden wir uns dann unmittelbar vor dem Passe Ngarue, jenem schmalen Durchlass, der den offenen Pazifik mit der Lagune im inneren des Atolls verbindet. Die Strömung in diesen Pässen können extrem sein, es können sich stehende Wellen bilden und nicht zuletzt ist der Bereich, der tief genug ist um ihn zu passieren oft flach und schwer erkenntlich. Die vergangenen Tage hatten wir uns also zahlreiche Gedanken um diese herausfordernde Stelle gemacht, doch schlussendlich stellt sich der Pass als unspektakulär heraus und wir fahren, obwohl es noch eine Stunde vor Hochwasser ist ohne jegliche Probleme hindurch. In inneren der Lagune angekommen verschlägt es mir die Sprache. Das Wasser ist kristallklar und strahlt förmlich türkisblau. Wir Anker vor einer Siedlung direkt am Pass. Gemeinsam mit Tony erkunde ich unmittelbar das kleine Dorf. Während unserer Erkundungstour stoßen wir durch Zufall auf eine Perlenfarm am Rande des Ortes. Ein Arbeiter spricht uns an und bietet uns einen Deal an: Er würde ein paar Perlen für eine Flasche Whisky tauschen – Spirituosen sind auf den Atollen rar. Wir schlagen ein und kehren wenig später mit sechs echten schwarzen Perlen zurück aufs Boot. Den restlichen Tag verbringen wir damit um unseren Ankerplatz herum zu schnorcheln, bestaunen zahlreiche Rifffische und einige Schwarzspitzenriffhaie. Am Abend muss ich dann noch schnell fleißig in die Tasten hauen und meinen Blog rechtzeitig fertig zu bekommen.
Samstag 11. April 2026
Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg auf die Nordseite des Atolls. Da sich überall in der Lagune schwer sichtbare Korallenköpfe befinden, die vom Grund bis kurz unter die Oberfläche ragen klettert Tony auf den Mast, um besser sehen zu können. Doch der Weg lohnt sich: Der Ankerplatz auf der Nordseite ist genau das, was man sich unter der Südsee vorstellt. Traumhaftes klares Wasser, das in zahlreichen Blautönen schimmert, grüne Kokospalmen, weißer Sandstrand. Den Tag über verbringen wir an Land, machen ein Lagerfeuer und essen Kokosnüsse ohne Ende. Am Rande einer kleinen Lagune befindet sich zudem eine Ropeswing – ein an einer Palme befestiges Seil. Hier vergnügen Tony und ich uns einige Zeit und üben Rückwärtssaltos. Erst der Sonnenuntergang und die wenig später herauskommenden Sandfliegen bringen uns zurück aufs Boot.
Sonntag 12. April 2026
Nachdem langsam unsere Grillkohle ausging, hatten wir gestern den Versuch gewagt unseren kleinen Grill mit gesammeltem Holz zu betreiben. Mit Erfolg! Nicht nur erreiche der Grill so neue Temperaturrekorde auch schmeckte man dem Essen an, dass es über Holz gemacht wurde. So fahren wir am Morgen mit einer akkubetriebenen Säge an Land und machen einige Säcke voll Feuerholz. Am Nachmittag gehen wir an einem der Korallenköpfe unweit unseres Bootes tauchen. Die Korallen türmen sich unter Wasser förmlich zu Skulpturen aus, das Sonnenlicht glitzert dazwischen, ein paar Riffhaie ziehen ihre Kreise.





















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