Montag 07.07.2025
Im Laufe des Vormittags packe Ich meinen Rucksack und mache mich auf den Weg zur aus Paraguarí herausführenden Straße. Eine halbe Stunde vergeht, bis Ich in einen weißen Kleinlastwagen steige. Etwa 70 Kilometer fahren wir gemeinsam – während wir uns auf sehr vereinfachtem Spanisch unterhalten – bis zu einem Ort an der Autobahn. In einem Restaurant bestelle Ich mir einen Teller „Guiso de Arroz“ – Reis mit einer Fleischsoße – und lerne während Ich am Tisch sitze einen freundlichen Norweger kennen, der in dem Ort ein Waisenhaus betreibt. Zu Fuß stapfe Ich Anschluss einige Kilometer aus dem Ort heraus zu einer Kreuzung nahe der Mautstation. Hier probiere Ich an einem Straßenstand einen „Chipá“, ein im ganzen Land verbreitetes Gebäck aus Maniokstärke in Form eines Donuts, bevor Ich erneut meinen Daumen raustrecke und prompt von zwei Frauen mitgenommen werde. Nur zehn Minuten später erreichen wir San Bernadino, einen kleinen Ferienort am Ufer des Ypacaraí-Sees. Auf den Straßen des idyllischen Ortes ist es ruhig – bei den meisten Häusern, die hier stehen handelt es sich um Wochenendhäuser oder Ferienapartments. Trotzdem sieht man dem Ort an, dass hier vor allem die Schönen und Reichen Paraguays leben. Es gibt Shops vieler westlicher Marken – unter anderem einen Häagen-Dazs Eisgeschäft –, schicke Cafés und einige exklusive Restaurants. Den Nachmittag über spaziere Ich die mit vielen Sitzmöbeln bestückte Promenade den See entlang und lese in Ruhe ein Buch. Mein Zelt baue Ich gegen Abend an einem Strand am Rande der Stadt auf, wenige Meter von meinem Schlafplatz entfernt steht bereits ein spansicher Camper-Van.
Dienstag 08.07.2025
Kurz nach Sonnenaufgang baue Ich mein Zelt ab und laufe die Hauptstraße von San Bernadino hinab, bis Ich eine zum Trampen geeignete Stelle finde. Mein nächstes Ziel lag gerade einmal 10 Kilometer Luftlinie von meinen nächtlichen Schlafplatz entfernt – genau auf der anderen Seite des Sees. Schnell sammelt mich ein Pick-Up ein und bringt mich zur Autobahn, welcher Ich einige Kilometer ins nächste Dorf folge, wo Ich mir dann noch ein paar Empanadas zum Frühstück hole, bevor Ich erneut meinen Daumen rausstrecke. Wieder werde Ich sehr zügig mitgenommen und erreiche, nachdem Ich noch einige Kilometer gelaufen war um zehn Uhr das kleine Naturschutzgebiet „Cerro Koi“. Auf einem zwanzigminütigen Rundweg kann man hier ein geologisches Naturdenkmal, das es in dieser Form nur drei Mal auf unserem Planeten gibt, bestaunen: Achteckige Sandsteinfelsen. So cool die Gesteinsformationen aussehen – in Ruhe genießen kann Ich sie nicht, denn Ich bin damit beschäftigt, um mich zu schlagen. Noch nie habe Ich so viele Mücken an einem Ort gesehen, wie hier. Als Ich das Gelände verlasse, sind meine beiden Arme vollständig mit dutzenden kleinen juckenden Beulen übersät. Schnell bekomme Ich einen Lift, der mich zurück an die Autobahn bringt. Dort esse Ich in einem kleinen Restaurant erst etwas und versuche mich dann daran, die letzten nur noch etwa 30 Kilometer nach Asuncion zu trampen. Der Verkehr ist aufgrund der Nähe zur Großstadt schon ziemlich dicht – meine Erfolgschancen damit nicht wirklich hoch. Ich wäre ja bereit in einer der vielen Busse zu steigen – doch woher wüsste Ich welcher der mangelhaft beschrifteten Busse mich dahin bringt, wo Ich hinwill? Nachdem die Zeit immer weiter voranschreitet und niemand anhält, muss Ich es drauf ankommen lassen und steige in den nächstbesten Bus, dessen Destination irgendwie nach Stadtzentrum klingt. Eine knappe Stunde später, steige Ich tatsächlich nur zwei Straßen von meinem online gebuchten Hostel entfernt aus dem Stadtbus.
Mittwoch 09.07.2025
Der strahlend blaue Himmel motiviert mich, die Stadt zu erkunden. Eigentlich plane Ich dazu an einer der kostenlosen Stadtführungen der Tourist-Information teilzunehmen, doch als Ich an jener ankomme, entdecke Ich etwas viel Besseres: Mithilfe einer Karte kann man entlang von Infotafeln, die vor allen wichtigen Gebäuden stehen, selbstständig eine Tour durch den historischen Stadtkern machen. Meine Route führt mich neben dem „Panteón Nacional de los Héroes“, der städtischen Kathedrale und der „Casa de la Independencia“ auch zum „Palacio de López“, dem Amtssitz des paraguayischen Präsidenten. Dieser wird so streng bewacht wie kaum ein anderes Gebäude auf meiner Reise – schon als Ich mich dem großen Stahlzaun nähere, um ein Foto zu machen, werde Ich von einem der Soldaten zurückgepfiffen. Nachdem Ich in einem kleinen Restaurant in der Innenstadt zu Mittag gegessen habe, kehre Ich ins Hostel zurück und nehme von dort an der „Männerzeit“ meiner Rendsburger Heimatgemeinde teil. Während Ich vor mich hin telefoniere, tauchen zwei neue Leute im Hostel auf: Ein deutsches Pärchen, welches auf Motorrädern von Alaska nach Ushuaia gefahren war und nun auf dem Weg nach Venezuela war, wo ihre Overlanding-Reise durch die Amerikas enden soll. Durch meine Afrika-Etappe fühle Ich mich den „Overlandern“ immer noch sehr verbunden, und so tausche Ich mich nach dem Ende meines Videotelefonats einige Zeit mit den beiden Neuankömmlingen aus.
Donnerstag 10.07.2025
Ich hatte gehört, dass es in Asunción eine Bäckerei geben soll, die „richtiges“ deutsches Brot verkauft. Da das in den hiesigen Breitengraden eine absolute Rarität ist, besuche Ich die Bäckerei am Morgen und gönne mir zum Frühstück einen Leib „echtes“ Brot mit Erdbeermarmelade. Im Anschluss fahre Ich mit einem Bus zum Shoppingcenter „delSol“. Zwar ist dies bei weitem nicht so groß, wie die Malls in Ciudad del Este, trotzdem profitiert man hier aber von den geringen Einfuhrzöllen und Steuern. Ich hatte mich nach einigem Abwägen nämlich dafür entschieden in neue AirPods zu investieren. Gerade die Noice-Cancelling Funktion vermisste Ich bei den billigen kabelgebundenen USB-C Kopfhörern, die Ich mir übergangsweise angeschafft hatte, doch schon sehr – zumal diese sich nur mit meinem Laptop und nicht mit meinem Handy verbinden ließen. Nicht zuletzt bekäme Ich die AirPods nur solange Ich hier in Paraguay war so günstig – in den nächsten Ländern auf meiner Reiseroute würden die Kopfhörer oftmals das Doppelte kosten. Den Nachmittag verbringe Ich im Hostel und tippe fleißig an meinem Blog. Das Hostel, in dem Ich gelandet war entpuppte sich als wahrer Glücksgriff: Es beherbergte nur wenige Leute – so kannte man schon bald jeden in der Unterkunft –, war ruhig und dennoch zentral gelegen und hatte – neben allem, was ein Hostel sonst noch so braucht – eine kleine sonnige Terrasse, auf der man super sitzen konnte.
Freitag 11.07.2025
Noch immer flog in meinem Rucksack das Päckchen mit den Bohnen herum, welches Ich in Paraguarí gekauft hatte und so starte Ich nach dem Frühstück den Versuch die Bohnen in etwas Essbares zu verwandeln. Während Ich in der Küche umherhantiere, lerne Ich Joe kennen. Der junge Amerikaner war gestern Abend ins Hostel eingecheckt und erzählte mir im Laufe unseres Gesprächs von einigen Museen, welche er hier besuchen wollen würde. Da Ich für den Tag – außer Bohnen kochen – noch nichts weiter geplant habe, beschließe Ich mich ihm anzuschließen. Den Vormittag über schreibe Ich meinen Blog-Beitrag fertig und gehe danach in der Stadt etwas Essen, bevor Ich mich am frühen Nachmittag mit Joe treffe. Gemeinsam fahren wir mit dem Bus in Richtung des botanischen Gartens, in dessen Nähe sich das „Museo de Sillas“ befindet. Auf vier Etagen widmet sich das nichts geringem als Stühlen. Hunderte – vielleicht sogar tausende – Stühle in allen denkbaren Farben, Formen und Materialien stehen auf der weitläufigen Ausstellungsfläche. Eine Privatsammlung – erzählt uns eine ältere Frau, die sich zu freuen scheint, dass sich mal wieder zwei Touristen in ihr nur bei Bedarf öffnendes Museum verirrt haben, voller Stolz. Vom Stuhl-Museum laufen wir erst durch den botanischen Garten, den wir aufgrund zahlreicher Moskitos schnell wieder verlassen, und dann in Richtung des „Museo del Barro“, dem bekanntesten Museum der Stadt. In jenem gibt es in drei verschiedenen Ausstellungen Töpfereien, eine interessante indigene Kunstsammlung des Guaraní-Volkes, sowie eine zeitgenössische Kunstsammlung, die mich ein wenig an die ausgestellten „Kunstwerke“ auf den Fluren meiner einstigen Schule erinnert, zu sehen. Am frühen Abend kehren wir ins Hostel zurück und Ich koche meine Bohnen, die nun essbar – aber auch nicht viel mehr als das – geworden waren, fertig. Joe hatte unterwegs eine Flasche günstigen Rum mit Kokos-Note gekauft, aus welchem wir uns – zusammen mit einem Ananas-Softdrink – Piña Coladas mixen. Der Abend wird lang, die Rumflasche immer leerer – Joe, der gerade an einem Fantasy-Roman schreibt, hatte ein beneidenswertes Talent dafür tiefsinnige Fragen zu stellen, so dass wir den Smalltalk schon bald hinter uns lassen und immer tiefer ins Philosophische vordringen.
Samstag 12.07.2025
Spät wache Ich mit einem ein wenig vernebelten Kopf auf und schiebe mir einige Brötchen in den Mund. Als auch Joe wach ist, sprinten wir – das Brötchen noch halb im Mund – aus dem Hostel. „Boys, beer helps agaist hangovers!“ ruft uns eine nette ältere Südkoreanerin noch hinterher – wenn die wüsste, dass wir gerade auf dem Weg zu einem Whisky-Tasting waren! Einige Tage zuvor hatte Ich gesehen, dass eine Destillerie in der Innenstadt jeden Samstag um zehn Uhr eine Fabrik-Führung mit gratis Verkostung anbietet. Zwar habe Ich absolut keine Ahnung von Whisky, aber mit einem kostenlosen Event könne man nichts falsch machen. Drei Minuten vor Zehn erreichen wir die Destillerie und werden dort herzlich empfangen. Eine Stunde probieren wir uns dann durch verschiedene Whisky- und Caña-, einem aus fermentierten Zuckerrohr-Sirup hergestelltem lokalen Getränk, Sorten. Im Anschluss gibt es eine Führung durch die Destillerie. Meine Konzentrationsfähigkeit ist nicht mehr die Beste, aber, dass Ich nur Spanisch verstehe, wäre vermutlich auch nüchtern so – trotzdem ist die Tour durch die Fabrik ganz cool. Nachdem Ich mich ein wenig ausgeruht habe, überwinde Ich mich am späten Nachmittag zu einer Aufgabe, die Ich seit Tagen aufschob: Mein Zelt hatte nach dem vielen Regen vor einigen Wochen mal wieder zu schimmeln begonnen und musste gründlich gereinigt werden. Ich breite also das Zelt auf dem kleinen Innenhof aus, flute diesen dann mit Seifenwasser und schrubbe das Zelt einmal ordentlich durch. Nicht nur das Dreckwasser, sondern auch die nun wieder weiße Farbe des Zeltstoffs zeigen mir das meine Aktion erfolgreich war.
Sonntag 13.07.2025
Noch vor dem Frühstück breche Ich zu meiner wöchentlichen fünf Kilometer Laufrunde auf. Die Straßen sind in den frühen Morgenstunden des Sonntags wie leergefegt. Als Ich zurückkomme, gucke Ich erstaunt auf meine Laufzeit: Ich war deutlich schneller als die vergangenen Wochen – Ob das daran lag, dass Ich nun wieder mit Musik auf den Ohren laufen gehen konnte?! Am Vormittag flute Ich ein weiteres Mal den Innenhof – nun war meine Isomatte dran. Anders als bei meinem Zelt dient das Seifenwasser hier in erster Linie nicht zur Reinigung, sondern dazu etwaige Löcher in der Luftmatratze ausfindig zu machen. Doch obwohl die Isomatte jede Nacht Luft verliert, finde Ich keine. Der Luftverlust muss also an den Temperaturen liegen: Pustet man die Luftmatratze mit seiner Atemluft auf, so ist diese annähernd 30° warm, die Luft kühlt dann ab und verliert dabei an Volumen. In kühlen Nächten, in denen die Außentemperatur oft nur einstellig ist, reicht allein dieser Temperaturverlust, damit die Matte morgens nicht mehr so fest ist, wie noch beim Schlafengehen. Den restlichen Tag verbringe Ich damit meine vorläufige Route zu planen. Meine nächsten Reiseländer – Uruguay, Argentinien und Chile – wären nicht gerade günstig und so will dort möglichst wenig Zeit mit Recherche und Planung verbringen müssen. Ein wenig Sorge macht mir dabei der immer noch anhaltende Winter – bereits in einem knappen Monat wäre Ich in Patagonien und noch waren dort eisige -7° und es fiel Schnee. All die Wanderungen, auf die Ich seit Langem hin fieberte, lagen bei dem Wetter auf Eis – im wahrsten Sinne des Wortes. Am Abend spielen wir bei ein paar Dosen Bier mit einigen Leuten auf der Terrasse eine paraguayische Monopoly-Version, die Joe aus einem Schrank in dem Hostel ausgegraben hatte. Es macht unglaublich viel Spaß mal wieder ein Brettspiel zu spielen – auch wenn Ich gnadenlos bankrottgehe!
Jay, deutsches Brot am anderen Ende der Welt😍 Das habe ich auf unseren Reisen noch nicht erlebt und es gehört zu den Dingen, die mich nach einem Urlaub immer gerne nach Hause kommen lassen.
wie hat denn das Stück Heimat geschmeckt?
Es war mir ein Fest das kleine Bisschen Heimat zu essen. Konnte durchaus mit dem Brot in Deutschland mithalten 🙂