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Montag 26. Januar 2026

Noch immer fehlt mir jegliche Stimme und der Umstand, dass das nun bereits seit drei Tagen so war, macht mir ein wenig Sorgen. Alle Nachhilfestunden, die für den heutigen Tag geplant waren, hatte ich abgesagt – was blieb mir auch anderes übrig! Da einer meiner Schüler morgen eine wichtige Klausur schrieb, hatte ich mich bereiterklärt mit ihm die Stunde trotzdem zu machen – allerdings nur in einer stummen Variante: Wir kommunizieren ausschließlich über den Chat und mein Whiteboard. So wirklich zufriedenstellend klappt das allerdings nicht – wir schaffen nur einen Bruchteil von dem, was wir normal geschafft hätten. Gegen Mittag laufe ich nach „Casco Viejo“, dem Altstadtviertel von Panama City, und erkunde dort die historischen Kopfsteinpflasterstraßen, in denen sich Boutique-Hotels und kleine Cafés aneinanderreihen. Auch wenn hier das „ursprüngliche“ Panama City ist, wirkt der Stadtteil irgendwie künstlich – er passt nicht zum restlichen, von hohen Wolkenkratzern und großen mehrspurigen Schnellstraßen dominierten Stadtbild. Auch nicht ins Stadtbild passen – mich aber deutlich mehr begeistern – tut der auf meinem Weg gelegene Fischmarkt – die bunten im Wasser liegenden Holzboote bilden einen tollen Kontrast zu der hinter ihnen aufragenden Skyline. Zurück im Hostel widme ich mich meinem Blog, den ich die letzten Wochen aufgrund meines Unwohlseins ziemlich vernachlässigt hatte.

Dienstag 27. Januar 2026

Vorsichtig probiere ich am Morgen, ob aus meinem Mund wieder Töne kommen. Und tatsächlich – ein wenig Stimme habe ich! Trotzdem sage ich auch heute meine Nachhilfestunden ab. Keinesfalls wollte ich meine zaghafte Stimme zu früh belasten und so meine Genesung gefährden. Ich ruhe mich also einen weiteren Tag lang aus, trinke literweise Kamillentee, gucke – eine Folge nach der nächsten – eine Serie, die ich soeben auf YouTube entdeckt hatte, und schreibe fleißig weiter an meinem Blog.

Mittwoch 28. Januar 2026

Den Vormittag über sitze ich mit Seifenwasser, einer Flasche Isopropanol und meiner Isomatte auf dem Boden im Hostel. Wie schon das ein oder andere Mal auf dieser Reise hatten sich Schimmelpilze auf meiner Luftmatratze breitgemacht – dazu verlor sie Luft. Gegen Mittag schalte ich mich zur zuhause stattfindenden Männerzeit dazu. Außer Matthias und mir war allerdings niemand erschienen – macht nichts: Sich zu zweit mal ausführlich austauschen zu können ist auch schön! Dankbar bin ich zudem dafür, dass meine Stimme den zweieinhalbstündigen Videocall ohne weiteres durchhält – sie schien nun vollends zurückgekehrt zu sein! Den Nachmittag über setze ich meinen gestern begonnenen Serienmarathon fort, gönne meiner Matratze eine zweite Isopropanol-Behandlung und schreibe die zwei nächsten Blogposts fertig – ChatGPT ist ganz überfordert damit innerhalb weniger Stunden zwei fertige Posts Korrektur lesen zu müssen!

Donnerstag 29. Januar 2026

Zufrieden betrachte ich die sich durch kleine Blubberblasen verratende Stelle auf meiner mit Seifenwasser begossenen Isomatte – ich hatte das Loch gefunden! Wenig später klebt ein Flicken auf der Stelle – damit sollte meine Schlafunterlage nun nicht nur schimmelfrei, sondern auch dicht sein! Gegen Mittag gebe ich eine Nachhilfestunde und mache mich anschließend auf den Weg zu einem Waschsalon – meine Kleidung hatte es mal wieder bitter nötig! Später am Tag, auf dem Rückweg vom Supermarkt, nutze ich noch die Gelegenheit, um bei einem Copy-Shop einige „Crew available“-Poster auszudrucken, die ich in den kommenden Tagen in den Marinas verteilen wollte.

Freitag 30. Januar 2026

Zwar war ich erst seit etwa zwei Wochen in Panama, dennoch kam es mir inzwischen wie eine Ewigkeit vor – und zu meiner Hauptchallenge, eine Mitsegelgelegenheit über den Pazifik zu finden, war ich noch immer nicht gekommen. Doch nun war meine Stimme seit einigen Tagen endlich wieder vollends zurückgekehrt, die kräftezehrende Krankheitsphase der hinter mir liegenden Wochen schien überstanden! Da man mich aus der Shelter Bay Marina am Eingang des Panamakanals ja bereits verwiesen hatte, bevor ich überhaupt mit meiner Bootssuche starten konnte, musste ich nun auf alternative Häfen ausweichen, und so mache ich mich am Vormittag mit einem Uber zum „Punta Culebra“, einer der Stadt vorgelagerten Landzunge, auf welcher sich die zwei Marinas, die es in Panama City gibt, befinden. Leider muss ich relativ schnell feststellen, dass keine der beiden Marinas besonders gut zum Bootesuchen geeignet wäre. Mal ganz abgesehen davon, dass alles eingezäunt und videoüberwacht ist, liegen dort kaum Segel- sondern größtenteils Motorboote – und die fahren ganz sicher nicht über den Pazifik! Die Segelboote hingegen lagen in für mich unerreichbarer Weite nebenan in einer Bucht vor Anker. Ich verzichte schließlich sogar darauf meine „Crew available“-Poster aufzuhängen – das ist es das Papier nicht wert – und mache mich enttäuscht auf den Rückweg ins Hostel. Dort grüble ich über meine Optionen nach und komme bald zu einem Schluss: Ich musste zurück nach Shelter Bay – Rausschmiss hin oder her! Sollte ich dort in die Marina nicht mehr reingelassen werden, sah es ziemlich schlecht für meine Bootssuche aus. Später am Tag lerne ich im Hostel noch zwei Deutsche Mädels kennen, mit denen ich den Abend verbringe.

Samstag 31. Januar 2026

Wenn ich zeitnah die Marina in Shelter Bay besuchen wollte, dann heute! Denn zu Beginn der kommenden Woche standen zahlreiche Nachhilfestunden an und die wollte ich – nach meiner Erfahrung mit dem Internet in der Marina – ganz sicher nicht von dort aus geben müssen. Am späten Vormittag mache ich mich also auf den Weg zum Busterminal und fahre von dort mit einem Bus nach Colon. In Colon decke ich mich in einem Supermarkt mit Vorräten ein und trampe dann in Richtung Shelter Bay. Ein Lastwagen gibt mir einen Lift bis zur „Puente Altántico“, mit einem Bus gelange ich auf die andere Seite der Brücke und schließlich nimmt mich ein SUV das letzte Stück bis zu dem vor der Marina gelegenen Militärcheckpoint mit. Aus der reinen von Google Maps auf 1 Stunde und 20 Minuten kalkulierten Fahrzeit werden so etwas mehr als vier Stunden, die ich von Tür zu Tür brauche. Anstatt auf direktem Weg in die Marina zu laufen, laufe ich durch den Dschungel zuerst zu der verlassenen Militärbasis, lege dort meinen Rucksack ab, ziehe mir meine besten Klamotten an und kämme mir die Haare – möglichst wenig nach Backpacker aussehen! Nur so hätte ich eine Chance noch einmal in die Marina zu kommen. Mit klopfendem Herzen laufe ich wenig später an dem Security-Häuschen vorbei zu den Docks. Als allererstes hänge ich dort mein Poster an die Pinwand, dann beginne ich direkt damit die Stege abzulaufen und jede Person, die ich traf, zu fragen, ob sie von jemandem wüsste, der Crew für eine Pazifiküberquerung braucht. Beim dritten Boot angekommen erhalte ich eine vielversprechende Antwort „Bist du schon in der WhatsApp-Gruppe der Marina drin? Da hat gestern jemand gepostet, dass er noch zwei Kabinen frei hat“ Man gibt mir die Nummer, der für die WhatsApp-Gruppe zuständigen Person, und zeigt mir ein paar weitere Angebote in dem Chat – gleich eine Handvoll Boote hatten dort in den letzten Tagen Crewgesuche reingestellt. Ich bedanke mich und bitte unmittelbar die mir gegebene Nummer darum mich zur Gruppe hinzuzufügen. Schnell bekomme ich eine Antwort: Da ich kein Segler sei, könne man mich nicht zur Gruppe hinzufügen, aber man würde mein Poster in meinem Namen in die Gruppe stellen. Zufrieden laufe ich auch noch die restlichen Stege ab und treffe dabei auf einige Segler, die ich bereits vor zwei Wochen beim Warten auf die Kanaldurchquerung hier kennengelernt hatte – auch sie weisen mich auf ein englisches Boot hin, von dem eines der Angebote in der Chatgruppe stammte. Leider ist die entsprechende Seglerin gerade nicht da und so kehre ich schon am frühen Abend zu meinem Camp in der verlassenen Militärbasis zurück, koche mir gemütlich etwas zum Abendessen und schlafe dann von Affengebrülle und Grillenzirpen umgeben ein.

Sonntag 01. Februar 2026

Ich wache auf einer platten Isomatte auf. Mist! Entweder hatte ich bei meinen Flickversuchen ein Loch übersehen oder der Schimmel hatte die Isomatte irreversibel ruiniert. Trotzdem starte ich gut gelaunt in den Tag – die Tatsache, dass es in der Marina scheinbar tatsächlich einige aktiv Crew suchende Boote gab, dass ich überhaupt wieder in die Marina reingekommen war und dass mich mehrere Leute auf ein und dasselbe Boot hingewiesen hatte, stimmte mich überaus positiv! Ich mache mir zum Frühstück ein wenig Instant-Oatmeal, steige wieder in meine guten – das heißt lochfreien – Klamotten und laufe dann wieder in die Marina. Auf dem englischen Boot, auf das mich mehrere Leute hingewiesen hatten, treffe ich wieder keinen an, also setze ich mich ein wenig in die Sitzecke vor dem Marina-Shop und warte. Als sich mein Handy mit dem Marina-WLAN verbindet, ploppt eine Nachricht auf. Eine portugiesische Nummer: „Hi Felix, still interested in crewing a boat to Polynesia? I have a place for you.“ – ich frage nach weiteren Details. Bis zum späten Vormittag bleibe ich noch in Shelter Bay und hoffe darauf die englische Seglerin anzutreffen, mit der ich sprechen wollte, doch sie taucht nicht auf. Per Anhalter mache ich mich also auf den Weg zurück nach Colon und von dort mit dem Bus schließlich wieder nach Panama City, wo ich in mein bisheriges Hostel zurückkehre. Am Nachmittag erhalte ich dann eine Antwort von dem portugiesischen Segler: Es handelte sich um ein Pärchen, das seit drei Jahren auf ihrem 40ft (12,2m) Katamaran lebte und mit ihm um die Welt segelte. Sie suchten nach Crew für die Transpazifik-Passage bis zu den Marquesas-Inseln, der ersten Inselgruppe in Französisch-Polynesien. Am 20. Februar solle es losgehen! In meinen Augen klang das alles sehr gut und so vereinbarten wir, dass wir uns am Mittwoch in Shelter Bay treffen würden, um uns kennenzulernen und ich sie Anfang der folgenden Woche auf dem Weg durch den Panamakanal unterstützen würde. Den gesamten restlichen Tag grinse ich wie ein Honigkuchenpferd – ich hatte nach nur zwei Tagen Suche ein Boot über den Pazifik gefunden! Wow! Als ich am Abend im Bett liege, kann ich nicht einschlafen, so aufgeregt bin ich. Bis nach Mitternacht gucke ich mir die Karte an, google Dinge über Marquesas und gucke mir Bilder des Katamaran-Modells an.

Achtung Spoiler!

Wir sind gestern (20.02.) in See gestochen. Einen Livetracker des Boots findest du hier: https://www.predictwind.com/tracking/Lazysail. Darüber hinaus verfügt das Boot über Starlink-Internet und so freue ich mich euch weiterhin wöchentlich mit neuen Blogposts versorgen zu dürfen :)︎

1 Kommentar
  1. Toni sagte:

    Hallo Felix,

    Es ist immer schön ueber deinen blog (bis soweit 1.Feb. 2026) von dir zu hoeren. Danke. Es freut mich sehr dass du dich „hoffentlich“ gut erholen konntest. Wenn ich richtig verstehe, bist du auf der naechsten Etappe uebers weite Wasser des Pazifik. Ich hoffe und bete dass ihr ein gutes miteinander habt. Ist ja nicht so einfach auf langer Fahrt und engem beieinander.

    Kapstadt laesst dich ganz lieb gruessen.

    Toni
    .

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