Montag 07. August 2026
Früh am Morgen setzen wir die Segel und verlassen das Atoll. Unser Ziel ist die etwa 870 Seemeilen (1614 km) entfernte indonesische Stadt Sorong. Es ist nicht viel Wind und der wenige Wind kommt fast direkt von vorne auf unseren Bug, segeln könnten wir so nicht. Auch die Strömung ist gegen uns gerichtet. Während wir normalerweise unter Motor um die sechseinhalb Knoten erreichen, kommen wir nun nur geradeso auf fünf Knoten. Aber die See ist ruhig und das Leben an Bord – abgesehen vom dauerhaften Lärm des Motors und dem Gefühl, nicht wirklich vorwärtszukommen – gut auszuhalten. Den Großteil des Tages über vertiefe ich mich in ein Buch.
Dienstag 08. August 2026
Am Vormittag widme ich mich meinem Blog und schreibe fleißig am nächsten Post. Dann verstecke ich mich wieder hinter meinem Buch. Wir machen deutlich weniger Fortschritt, als wir es uns erhofft hatten. Den direkten Gegenwind hatten wir zwar einkalkuliert, doch damit, dass die Strömung auch noch gegen uns ist, hatten wir nicht gerechnet, und so müssen wir bereits am zweiten Tag der Passage unser Ziel revidieren: Anstatt wie geplant auf direktem Wege nach Sorong zu segeln, würden wir auf halbem Weg, in Biak, dem ersten indonesischen Hafen, einklarieren, um dort Diesel aufzufüllen. Wenn die Bedingungen so blieben, dann würde selbst bis dahin unser Kraftstoff knapp werden – Sorong lag außerhalb jeglicher Reichweite.
Mittwoch 09. August 2026
Der Wind nimmt langsam zu, was – solange dieser direkt von vorne kommt – nicht sonderlich wünschenswert ist. Mit dem stärkeren Gegenwind kommt nun auch Seegang. Wir fahren mit dem Bug direkt in die Wellen. Das macht das Leben an Bord ungemütlich und reduziert unsere Geschwindigkeit noch weiter – die meiste Zeit sind wir nur noch mit um die 4,5 Knoten (8,3 km/h) unterwegs. Die Langeweile nimmt langsam, aber sicher Überhand – am Vormittag mache ich sogar meine Steuererklärung. Und ich habe ein weiteres Buch begonnen.
Donnerstag 10. August 2026
Der Tag könnte unspektakulärer nicht sein. Die Segelbedingungen sind katastrophal. Wind, Wellen, Strömung – alles von vorne! Mir ist so langweilig, dass ich mit dem Buch, das ich erst gestern begonnen hatte, heute Abend schon durch bin.
Freitag 11.09.2026
Als ich zu meiner Nachtschicht an Deck komme, läuft der Motor ausnahmsweise mal nicht – wir segeln! Für insgesamt acht Stunden beschert uns der Wind zügige sieben Knoten Geschwindigkeit, dann dreht der Wind und wir verlieren ihn wieder. Als Mike mich am Morgen von meiner Schicht ablöst, drückt er den Gashebel ein Stück nach vorne. Bisher hatten wir, um Diesel zu sparen, die Drehzahl bei 2200 Umdrehungen pro Minute gehalten, nun, da wir uns auf der Zielgeraden befanden, konnten wir uns ein wenig mehr Power erlauben. Am Nachmittag kommt schließlich Land in Sicht. Mitten in einem alles durchnässenden Platzregenschauer laufen wir in die Bucht von Biak ein und vertäuen unser Boot mit einer der Mooring-Bojen des dortigen Yachtclubs. Um uns herum liegen typisch asiatisch aussehende Holz-Fischkutter, vom Land weht der Geruch indonesischen Street-Foods herüber, man hört die Rufe eines Muezzins. Wir waren endlich in Asien! Der Pazifik lag ein für alle Mal hinter uns! Für meine Reise ist dieser Moment von großer Bedeutung: Biak ist der erste Ort, von dem ich ausschließlich mit öffentlichen Fähren und Überland wieder nach Hause reisen könnte – ich war nun nicht mehr auf eine weitere Segelpassage angewiesen! Am Abend lassen wir uns Essen aufs Boot liefern. Die Mitarbeiter des Yachtclubs bringen uns nicht nur drei Teller mit feinstem indonesischem Essen, sondern auch eine riesige Platte mit allerlei lokalen Snacks und Eiscreme – so lässt es sich leben!
Samstag 12.09.2026
Den Vormittag über warten wir geduldig auf die Beamten. Gegen zehn Uhr tauchen schließlich drei freundliche Frauen auf, die für das Gesundheitsamt arbeiten. Nachdem wir ein paar Formulare ausgefüllt haben, nehmen sie unseren Medikamentenschrank auseinander und listen alles auf, was wir an Medizinprodukten dabeihaben. Eine Stunde später kommt dann der Zoll zu uns aufs Boot. Sie scheinen weniger akribisch, fragen nur einmal, ob die halbleere Rum-Flasche in unserem Kühlschrank der einzige Alkohol ist, den wir an Bord haben, und geben sich dann zufrieden. Anschließend dürfen wir endlich an Land. Ein Fahrer bringt uns zur Immigrationsbehörde, wo wir unsere Visa – winzige Sticker mit einem QR-Code darauf – in unseren Pass geklebt bekommen. Es ist fast ein wenig schade, dass die Beamten dort nicht so lange brauchen, denn in dem Büro der Behörde steht eine Kühltruhe mit kostenloser Eiscreme. Können wir das bitte in jedem Land einführen?! Den Nachmittag verbringen wir auf dem Boot, bevor wir uns am Abend dann – auf der Suche nach einer Bar – noch einmal in die Stadt fahren lassen. Eine Bar ist in Indonesien allerdings gar nicht so einfach zu finden – 87% der Bevölkerung des Landes sind Muslime. So müssen wir schließlich in ein großes internationales 4-Sterne-Hotel einkehren, damit Mike sein Bier bekommt. Nicht nur das Bier, auch das Buffet des Hotels sieht verlockend aus und ist mit knapp acht Euro so überraschend günstig, dass wir uns nicht sicher sind, ob wir bei der Währungsumrechnung nicht eine Null vergessen haben. Da das Buffet erst in einer Stunde startet, wechseln wir vorerst nochmal die Straßenseite und geben der Versuchung des dortigen KFCs nach. Anschließend geht es dann zurück ins Hotel und wir bedienen uns am Dessert-Bereich des Buffets. Es gibt einen Schokobrunnen, frisch gemachte Crêpes und Rolled Ice Cream, sowie eine großzügige Auswahl an Käsekuchen und sonstigen Süßspeisen. Ich bin im Schlaraffenland! So ein Buffet ist auch einfach viel besser, wenn man vorher schon was gegessen hat und sich gleich auf die Desserts stürzen kann …
Sonntag 13. August 2026
Am Morgen lassen Tony und ich uns in die Stadt fahren, um Einkäufe zu erledigen. Da die Geschäfte hier sonntags erst spät öffnen, nutzen wir die ersten zwei Stunden, um die Innenstadt zu erkunden. Wir schlendern durch die noch ruhigen Straßen, probieren uns durch das Streetfood-Angebot und verklönen uns anschließend mit der Betreiberin eines kleinen Saftstandes, die Tony – nachdem sie gehört hat, dass er Amerikaner ist – ihre Tochter zur Heirat anbietet. Das Einkaufen ist eine wahre Freude: Seit Port Vila hatten wir keinen solch modernen und gut bestückten Supermarkt mehr gesehen. Gleichzeitig fallen uns aber auch eine Handvoll Dinge auf, die man in Poly- & Melanesien überall bekommen hatte und die man hier – und wahrscheinlich nirgends in Asien – nun nicht mehr fand. Zurück am Yachtclub stehen an Land bereits Dieselkanister bereit, die uns anschließend aufs Boot geliefert werden. Nachdem 500 Liter Diesel von den Kanistern in unsere Tanks geflossen sind, läuten wir schließlich den Feierabend ein. Als wir am frühen Abend wieder an Land fahren, um etwas zu essen, steppt auf dem Gelände der Bär im Kettenhemd. Eine große Gruppe Frauen macht vor einer Bühne Zumba. Als man uns entdeckt, werden Tony und ich auf die Bühne geholt und finden uns wenig später dabei wieder, die nächsten Tanzschritte vorzumachen. Eine lustige Erfahrung!











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