Die Hermits: Abgeschiedenes Paradies! Die Hermits: Abgeschiedenes Paradies!

Montag 31. August 2026

Am Vormittag fahren wir in die Stadt. Tony geht zur Immigrationsbehörde und erledigt den zum Ausklarieren nötigen Papierkram, Mike und ich gehen einkaufen. Morgen wollten wir Papua-Neuguinea den Rücken kehren – zumindest offiziell. Noch immer warteten wir auf unsere Visa für Indonesien und so planten wir auf dem Weg dorthin noch einen weiteren Stopp an den Hermits, einem zu Papua-Neuguinea gehörenden Atoll, einzulegen. Um die Mittagszeit herum gehen wir erneut in dem Resort neben unserem Ankerplatz essen, den Nachmittag verbringen Tony und ich dann wieder mit Harpunen bewaffnet im Wasser auf der Jagd nach Fisch.

Dienstag 01. September 2026

Am Morgen verabschieden wir uns von Doris und Wulf, dann setzen wir die Segel. Das Wetter ist herrlich, der Wind kommt von hinten und ist stark genug, damit wir zuverlässig mit um die fünf Knoten segeln können. Der weitere Tag könnte nicht ruhiger verlaufen. Ich vertiefe mich in ein Buch und genieße die Ruhe.

Mittwoch 02. September 2026

Meine Nachtschicht könnte traumhafter nicht sein: Stabiler leichter Wind und ein glasklarer Sternenhimmel. Um fünf überrascht mich Mike im Cockpit – er hatte seine Uhr verstellt und war deswegen eine Stunde zu früh. Mike verschwindet nochmal ins Bett und ich genieße eine weitere Stunde die perfekten Bedingungen, bis – pünktlich zum Sonnenaufgang – meine Schicht dann tatsächlich endet. Im Laufe des Morgens dreht der Wind und kommt statt von hinten nun in einem perfekten 90 Grad Winkel auf unsere Backbord-Seite, was uns noch einen knappen Knoten Geschwindigkeit mehr einbringt. Den ganzen Tag bleibt der Wind stabil, und ich vertreibe mir meine Zeit damit, ein Buch zu lesen.

Donnerstag 03. September 2026

Auch heute sind wir den ganzen Tag unter Segeln unterwegs. Am Morgen tummeln sich dutzende Delfine um unser Boot und liefern eine akrobatische Show ab. Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich die Hermit Islands. Die Sonne steht bereits tief und nimmt uns die Sicht, als wir den schmalen Pass ins Innere des Atolls durchqueren. Einen Ankerplatz an der Inselgruppe zu finden, stellt sich als schwieriger heraus als gedacht. Der Grund um die Insel fällt steil ab. Es braucht zwei Versuche, bis unser Anker endlich sicheren Halt findet. Es ploppen gerade die ersten Bierdosen auf, als sich uns ein Motorboot nähert. In dem Boot stehen etwa fünf Männer. Wortlos und mit eisernen Mienen kommen sie immer näher und ziehen seitlich neben unser Boot. Erst als sie sich an diesem festhalten können, beginnen sie zu sprechen und stellen sich als Bewohner des am Ufer befindlichen Dorfes heraus, die uns einladen, morgen ihr Dorf zu besuchen. Einen kurzen Moment lang war uns das Herz in die Hose gerutscht und wir hatten geglaubt, wir würden nun ausgeraubt werden – immerhin gab es zahlreiche Berichte über solche Vorfälle in Papua-Neuguinea.

Freitag 04. September 2026

Der gestrigen Einladung der Dorfbewohner folgend, machen Tony und ich uns am Morgen auf den Weg ins Dorf. Ein älterer Dorfbewohner führt uns herum und lädt uns ein in dem Pass direkt vor dem Dorf zu schnorcheln – dort solle es von Mantas wimmeln. Sehen tun wir allerdings keine. Als wir wieder aus dem Wasser kommen, zeigt man uns noch die Schule, die sich auf der anderen Seite der Insel befindet. Überrascht stellen wir dort fest, dass es sich bei der Schule nicht um eine kleine Inselschule, sondern um ein ziemlich großes Internat handelt. Um die 200 Schüler aus der ganzen Provinz kommen für ihre weiterführende Bildung auf die Hermit Islands. Unterricht mit Meerblick! So hätte ich auch gerne gelernt! Zurück auf dem Boot widmen wir uns dem Watermaker. Dieser hatte auf der Fahrt hierher seinen Geist aufgegeben. Das Problem ist ein nicht benötigtes Kabel, das Mike einfach ungeschützt an dem Gerät hängen lassen hatte. Im Laufe der Zeit war es korrodiert und hatte einen Kurzschluss verursacht, wodurch die Sicherung rausflog. Blöderweise befindet sich die Sicherung auf der Rückseite des Watermaker und so müssen wir das ganze Gerät ausbauen und anschließend wieder einbauen. Ein halber Tag Arbeit, um eine Sicherung auszutauschen! Am Nachmittag gehen Tony und ich tauchen. Direkt neben unserem Boot führt ein Riff einen Abhang entlang bis auf 45 Meter Tiefe. Besonders beeindrucken mich bei dem Tauchgang die Riesenmuscheln, die hier ihrem Namen alle Ehre machen. Einige Exemplare der bunten Muscheln messen einen halben Meter in ihrer Länge – dort will man seine Finger nicht dazwischen bekommen, wenn die Muschel zuklappt!

Samstag 05. September 2026

Der Watermaker funktioniert nun zwar wieder, die Flush-Funktion, mit der man das Gerät nach jeder Nutzung mit Frischwasser spült, aber nicht mehr. Also bauen wir das komplexe System ein weiteres Mal auseinander. Anders als gestern ist das Problem diesmal weniger offensichtlich, wir verbringen Stunden mit der Fehlersuche. Schlussendlich scheint einfach nur der Knopf auf dem Bedienpanel defekt zu sein – wenn man die Spülung direkt über einen kleinen Schalter auf dem Motherboard auslöst, funktioniert sie. Den Nachmittag verbringen Tony und ich am Strand. So einsam die Strände hier aussehen, so schwer ist es einen Strand ohne Menschen zu finden: Am ersten Strand, an dem wir anlanden, steht eine kleine Hütte, beim nächsten sehen wir schon beim Paddeln über das Riff eine Person und auch der dritte Versuch unser eigenes Paradies zu finden geht nicht auf. Kaum sind wir aus dem Dinghy gestiegen, kommt eine Person aus dem Dickicht hervor. Die Strände dienen auf den Inseln als Verkehrswege, erklärt uns der junge Local. Er laufe seit zwei Stunden den Strand entlang, um zum nächsten Dorf zu kommen, wo es Zigaretten gibt. Wo er schon mal da ist, ist er uns zumindest noch behilflich und klettert für uns auf eine der Palmen, um an deren Kokosnüsse zu kommen. Als wir nach dem Strandnachmittag zurück zum Boot kommen, liegt ein lokales Motorboot neben dem unseren. In ihm sitzt eine Gruppe Menschen, alle auf ihr Handy fixiert. „Ich habe ein Internetcafé aufgemacht!“ erklärt uns Mike. Internet ist auf den abgelegenen Inseln Papua-Neuguineas rar gesät – unter anderem auch, weil Starlink hier noch bis Anfang des Jahres verboten war. Und so bieten vorbeikommende Yachten für die Bewohner oft die einzige Möglichkeit an Internet zu gelangen.

Sonntag 06. September 2026

Den Vormittag über schreibe ich an meinem Blog, wir füllen Diesel aus unseren Kanistern an Deck in die Tanks und ich schrubbe unseren Ofen – der hatte es nötig! Nachdem mein Blog schließlich online ist, springen Tony und ich für einen weiteren Tauchgang ins Wasser. Das Korallenriff um unser Boot herum, ist eines der lebendigsten das wir seit Monaten gesehen hatten. Am späten Nachmittag kommt Mike schließlich auf die Idee, dass wir für die kommende Passage unser Stagsegel nutzen könnten. Damit sollen wir näher am Wind segeln können als mit unserer Genua, denn die Windprognose für die kommende Woche sagte – wenn auch leichten – fast exakten Gegenwind voraus. Es ist das erste Mal – selbst für Tony –, dass wir das Stagsegel aus seinem Platz in der Vorpiek hervorkramen und so machen wir am frühen Abend schonmal einen Trockenlauf. Nach dem Abendessen stellen wir unsere Uhren dann schon auf indonesische Zeit vor. Morgen früh geht es los und damit – nach acht Monaten auf dem größten Ozean der Welt – endlich raus aus dem Pazifik und nach Asien!

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