Montag 27. Juli 2026
Nachdem wir das Cockpit geschrubbt haben, machen Tony und ich uns am Vormittag erneut auf den Weg in das kleine Dorf. Man hatte uns gestern angeboten, dass man heute Abend eine Kava-Zeremonie veranstalten könne, damit wir die Chance bekämen, den lokalen Kava, der hier deutlich stärker sein soll als auf Fidschi, zu probieren. Wir unsererseits hatten angeboten, den Kindern im Dorf einen Fußball vorbeizubringen. Doch als wir am Nakamal, einem Platz aus sauber gefegter Erde umrandet von hohen Banyan-Bäumen, ankommen, treffen wir niemanden an. Ein Mann, dem wir auf dem Rückweg begegnen, erzählt uns, dass alle zu den Feierlichkeiten des vanuatuischen Unabhängigkeitstages, der am 30.07. ist, auf eine Nachbarinsel gefahren seien. Gegen Mittag fahren wir, auf der Suche nach einer Höhle, die sich dort befinden soll, zu dritt mit dem Dinghy einige Meilen die Küste hinauf. Delfine schwimmen um unser kleines Gummiboot. Als wir schließlich die angeblichen Koordinaten der Höhle erreichen, sehen wir nicht viel. Lediglich ein kleiner Spalt unter der Felswand am Ufer fällt auf. „Das muss sie sein!“, freue ich mich. Tony und Mike sind eher skeptisch: „Wie willst du da denn reinkommen?“. Immer wieder rollen große Wellen gegen die Felswand und lassen den scheinbaren Eingang vollständig unter Wasser versinken. Schließlich bekomme ich aber doch zumindest Tony überzeugt; wir steigen ins Wasser und nähern uns schwimmend vorsichtig der Felswand. Nachdem eine Reihe großer Wellen durch ist, nutzen wir unsere Chance und schwimmen auf die kleine Öffnung zu. Auf der anderen Seite kommen wir aus dem Staunen nicht heraus: Wir befinden uns plötzlich in einer ca. 15 Meter hohen Kaverne, in die durch eine nahezu kreisrunde Öffnung in der Decke Lichtstrahlen hineinglitzern. Wow! Wie cool ist das denn bitte?! Nachdem wir die spektakuläre Höhle einige Zeit erkundet haben, machen wir uns schließlich auf den Rückweg – Mike wartet draußen bestimmt schon! Zurück auf dem Boot hieven wir das Dinghy an Deck, lichten den Anker und setzen die Segel. Etwas mehr als 100 Seemeilen sind es nach Port Vila, der Hauptstadt Vanuatus und unserem nächsten Ziel. Die Segelbedingungen an diesem Nachmittag sind traumhaft: Stabiler Wind, sonniges Wetter und wenig Wellengang. So macht das richtig Spaß! Die Kirsche auf der Torte folgt schließlich noch in Form eines erstklassigen Sonnenuntergangs.
Dienstag 28. Juli 2026
Mit dem Morgengrauen taucht Port Vila auf. Wir ankern, lassen anschließend direkt das Dinghy zu Wasser und machen uns auf den Weg in die Stadt. Mike geht mit einer Hautinfektion in seinem Gesicht, die ihn seit einigen Wochen plagte, zum Arzt, Tony und ich erkunden die Stadt, die überraschend gut bestückte Supermärkte und sogar eine Reihe Duty-Free Shops bietet. Kein Wunder! Australien, von wo die meisten Produkte in Melanesien importiert werden, ist nur noch einen Katzensprung – 1800 Kilometer – entfernt. Mike müsste noch bis Freitag auf seine Laborergebnisse warten, und so widmen wir uns in den nächsten Tagen einigen Arbeiten auf dem Boot. Ich schraube den Falttisch in unserem Cockpit auseinander, schleife ihn ab und lackiere ihn anschließend neu. Kaum habe ich den letzten Pinselstrich getätigt, beginnt es zu regnen. Was hätte auch sonst passieren sollen?! Am Abend machen wir uns mit einer besonderen Mission auf den Weg in die Stadt: Wir wollen eines der Nationalgerichte probieren – Flughund! Ja, die überdimensionierten Fledermäuse gelten in zahlreichen Inselstaaten im Pazifik tatsächlich als Delikatesse. In dem französisch angehauchten Restaurant L’Houstalet werden wir auf der Speisekarte fündig: In Rotweinsauce marinierter Flughund mit Kartoffelgratin und Reis. Drei Mal, bitte! Und ein Glas Wein dazu! Entgegen aller Skepsis schmeckt der Flughund ziemlich lecker. Das Fleisch ist unglaublich zart und erinnert in puncto Geschmack und Konsistenz an Wild. Einzig und allein die vielen kleinen Knochen stören beim Essen.
Mittwoch 29. Juli 2026
Der Tag vergeht ohne besondere Ereignisse: Tony repariert eine der Winschen am Mast, Mike tauscht den Motor des Autopiloten aus, ich gebe dem Tisch erst eine zweite Schicht Lack und bessere dann einige ausgefressene Schraubenlöcher mit Epoxidharz aus. Wieder beginnt es pünktlich nach dem Lackieren zu regnen. Am Nachmittag gehen wir einkaufen und am Abend grillen wir ein Hähnchen.
Donnerstag 30. Juli 2026
Am Morgen legen wir wieder einen produktiven Start hin, lackieren den Tisch ein letztes Mal und bringen in mehreren Runden kanisterweise Diesel aufs Boot. Gegen Mittag machen wir uns schließlich auf den Weg in die Stadt, in der heute die große Party steigt: 46 Jahre Unabhängigkeit! Ja, tatsächlich nur 46 Jahre. Erst 1980 wurde das britisch-französische Kolonial-Kondominium Neue Hebriden aufgelöst und Vanuatu seine Unabhängigkeit garantiert. Umso mehr feiern die Locals ihre Unabhängigkeit: Die Straßen sind rammelvoll, jedermann trägt bunte Kleidung mit Vanuatu-Flaggen darauf, Frauen haben zusätzlich ein kleines Fähnchen im Haar stecken. An den Buden auf der Festmeile fließt der Kava in Strömen, auf dem zentralen Platz haben sich tausende Menschen zum Picknicken zusammengefunden. Gerne hätten Tony und ich uns das Spektakel noch ein wenig länger angesehen, doch nachdem wir es einmal über die Festmeile geschafft haben, drängt Mike, dem das zu viel Trubel ist, uns, zum Boot zurückzukehren.
Freitag 31. Juli 2026
Mike geht am Morgen zu seinem Arzttermin, Tony und ich erledigen währenddessen noch ein paar letzte Einkäufe. Unter anderem besorgen wir Malaria-Prophylaxe-Pillen. In den Salomonen und Papua-Neuguinea soll das Tropenfieber weit verbreitet sein. Anders als auf meiner Afrika-Etappe, kann man sich für einen solch begrenzten Expositionszeitraum gut mit der täglichen Einnahme von Tabletten vor einer Infektion schützen. Nachdem wir im Yachtclub zu Mittag gegessen haben, machen wir dann das Boot startklar und verlassen Port Vila. Die Insel Espiritu Santo, die unser letzter Stopp in Vanuatu sein soll, ist weitere 160 Seemeilen entfernt. Das Wetter ist bewölkt, hin und wieder regnet es, sonderlich viel Wind weht nicht. Mit gemächlichen fünf Knoten gleiten wir durch das Wasser. Ich bin als erstes mit Schicht dran. Der Tag vergeht langsam.
Samstag 01. August 2026
Durch unser langsames Tempo verschiebt sich unsere ursprünglich um den Mittag geplante Ankunftszeit immer weiter nach hinten. Mich stört das wenig: Den Vormittag über kann ich so fleißig an meinem nächsten Blogpost schreiben. Um 14 Uhr beginnt dann wieder meine Schicht. Unser Ziel ist noch immer weit entfernt, im Cockpit ist es kühl, nass und ungemütlich. Ich vertiefe mich in ein Buch. Am Abend nähern wir uns schließlich Luganville. Nur noch eine kleine Straße zwischen zwei Inseln müssten wir durchqueren, dann wären wir dort. Was wir allerdings nicht mit einberechnet haben, ist die Strömung in dieser Meerenge. Mit fünf Knoten kommt uns das Wasser entgegen, bei sieben Knoten, die unser Boot unter Motor schafft, bleibt uns also noch eine reelle Geschwindigkeit von lächerlichen zwei Knoten – so würde das ewig dauern! Kurzerhand entscheiden wir heute Nacht auf dieser Seite der Straße zu ankern und diese morgen Vormittag bei umgekehrter Strömung zu durchqueren.
Sonntag 02. August 2026
Gegen 10 Uhr ist Hochwasser, anschließend läuft die Strömung nicht mehr gegen, sondern mit uns und wir können die Straße durchqueren. Wir ankern schließlich gegenüber der Stadt Luganville. Den Nachmittag über putzen wir ein wenig das Boot. Anschließend gehen Tony und ich eine Runde schnorcheln und erkunden ein wenig die Insel. Am Abend gucken wir gemeinsam einen Film.









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