Doppelt hält besser! Doppelt hält besser!

Montag 13. Juli 2026

Tony und ich fahren am Morgen ein letztes Mal einkaufen. Langsam, aber sicher hatten wir alles besorgt, was wir in Fidschi besorgen wollten, alles an Bord erledigt, was es zu erledigen gab – einzig und allein auf den Rigger-Termin am Donnerstag mussten wir noch warten, dann könnten wir Fidschi den Rücken kehren. Doch als wir am späten Vormittag vom Einkauf zurückkommen, weiht Mike uns in einen Plan ein, den er – ohne uns davon zu erzählen – in den letzten Tagen geschmiedet hatte: Wir würden unsere frisch installierte Ankerwinsch wieder rausreißen, um wenige Zentimeter verschieben und schließlich an der neuen Position installieren. Oh, nein! Der Grund für Mikes Gedanken war, dass er bei der Installation der Winsch die Arbeiter gebeten hatte, diese etwas mittiger als eigentlich vorgesehen zu installieren, damit das Ganze optisch stimmiger aussieht. Dass infolgedessen die Ankerkette leicht schräg auf die Winsch trifft und so mehr Reibung erzeugt, hatte er erst gemerkt, als es schon zu spät war. Nach anfänglichem Protest müssen wir einsehen, dass Mike sich längst entschieden hatte, und so reißen wir die nagelneue Winsch – so blöd wir uns dabei vorkamen – wieder aus dem Deck. Die entstehenden Löcher flicken wir mit StarBoard, einer einfach zu verarbeitenden Fiberglas-Alternative, und Epoxidharz. Am Abend gehen wir in einem italienischen Restaurant auf dem Marina-Gelände essen, welches wir zu unserer Überraschung bisher übersehen hatten.

Dienstag 14. Juli 2026

Am frühen Morgen geben Tony und ich den Mietwagen ab, bevor wir anschließend unserer Boot dann von der Mooring-Boje, an der wir die letzten zwei Nächte verbracht hatten, zurück in die Marina verholen. Das Epoxidharz war inzwischen ausgehärtet und so können wir, nachdem wir an unserem Liegeplatz vertäut sind, die Winsch nun an ihrer finalen Position fixieren. Schließlich nur noch verkabeln (das Rausreißen der Kabel war irgendwie einfacher) und dann läuft die Winsch schon wieder. Wir sind alle fast überrascht, wie einfach das nun ging – als Mike gestern mit der Idee ankam, die Winsch rauszureißen, hatte ich mir das deutlich aufwendiger vorgestellt! Am Nachmittag bekommt das Deck im Bereich der Bugspitze noch einen neuen Anstrich – eine äußerst befriedigende Tätigkeit! All der Schmutz, den man – egal wie hart man schrubbte – nicht wegbekam, verschwindet einfach unter Farbe. Tony verabschiedet sich am späten Nachmittag – er hatte sich für die kommenden drei Nächte gemeinsam mit seiner Romanze ein Hotelzimmer gebucht. So sind Mike und ich wieder mal allein an Bord und verbringen den Abend damit, einen der „Mission Impossible“-Filme zu gucken.

Mittwoch 15. Juli 2026

Pünktlich um zehn erscheint Tony, wir legen ab und tuckern die knapp sechs Meilen auf die gegenüberliegende Seite der Bucht von Nadi. Der Rigger hatte seine Werkstatt in der anderen der zwei Marinas der Stadt und so mussten wir für die anstehenden Arbeiten an unserem Fockstag dorthin wechseln. Da wir unseren Liegeplatz dort allerdings erst ab morgen haben, ankern wir vorerst außerhalb der Marina – eine gute Möglichkeit, die neue Ankerwinsch unter Realbedingungen zu testen. Als wir zum Mittagessen mit dem Dinghy in die neue Marina fahren, fällt uns schnell auf, dass diese Marina das komplette Gegenteil der anderen Marina ist: Anstatt luxuriöser Yachten und Charterboote, liegen hier hauptsächlich kleinere Segelboote, überall sieht man Leute vor sich hin werkeln und wir können uns auf dem Gelände frei bewegen, ohne für jede Tür eine Schlüsselkarte zu brauchen. Es wirkt fast, als hätte man die Marinas absichtlich so gegensätzlich wie möglich konzipiert. Nach dem Mittag verabschiedet sich Tony in sein Hotelzimmer, ich bastele den Nachmittag über an ein paar kleinen Projekten herum, bevor Mike und ich am Abend in einem nahegelegenen Resort essen gehen und anschließend wieder einen Film schauen.

Donnerstag 16. Juli 2026

Am späten Vormittag erhalten wir das Go, in die Marina zu kommen. Dort wartet bereits der Rigger auf uns und macht sich sogleich an die Arbeit. Ohne jegliche Spur von Höhenangst klettert der routinierte Profi wie ein kleines Äffchen auf unseren Mast, wenig später liegt das Fockstag inklusive des Furlers auf dem Dock. Am frühen Nachmittag ist das neue Fockstag schon wieder installiert und wir können unser Vorsegel wieder daran fixieren. Mike und ich gehen am Abend wieder in dem benachbarten Resort essen, anschließend gönne ich mir noch eine ausgiebige Dusche, bevor es ins Bett geht.

Freitag 17. Juli 2026

Mit den abgeschlossenen Arbeiten am Rigg war unser Boot nun bereit für die Weiterreise – morgen früh würden wir Fidschi verlassen! Den verbleibenden Tag in der Marina nutzen wir, um das Boot Klarschiff zu machen: Deck schrubben, Edelstahl polieren, Fenster putzen, die Luft aus dem Dinghy lassen und dieses an Deck verstauen. Am Abend gehen wir schließlich im Restaurant der Marina essen und teilen uns zu dritt ein Tomahawk-Steak und eine Pizza.

Samstag 18. Juli 2026

Es wäre an der Zeit, Fidschi zu verlassen. Sechs Wochen hatten wir in dem Inselstaat verbracht und eine ziemlich gute Zeit gehabt, doch nach zwei Wochen in der Marina hatten wir schließlich alle die Nase voll. Wir wollten nur noch eins: Raus hier, auf den Ozean und endlich wieder unter Segeln sein. Den ganzen Morgen warten wir geduldig darauf, dass irgendwann einer der bestellten Zollbeamten kommt und uns ausstempelt. Es dauert bis elf, bis tatsächlich jemand auftaucht und sich unser annimmt. Bevor man unsere Leinen löst, sammelt sich die gesamte Mannschaft der Marina auf dem Dock vor unserem Boot und singt uns noch ein Abschiedsständchen, dann heißt es endlich: Auf Wiedersehen, Fidschi! Mit tuckerndem Motor verlassen wir die Bucht, Wind ist kaum – auf den sollten wir erst weiter draußen treffen. Wir haben es etwa sechs Seemeilen weit geschafft, als es aus unserem Motorraum plötzlich raucht. Sofort wird der Motor ausgestellt und die Bodenpanele, unter denen der Motor liegt, werden entfernt. Die Ursache für den Rauch ist schnell erkenntlich: Irgendwo gibt es ein Leck mit heißem Diesel. Ein relativ leicht zu reparierender Schaden, wenn das Leck nicht genau hinter einem anderen Bauteil des Motors liegen würde. Der Kraftstoffverlust ist so massiv, dass wir nicht einfach weiterfahren können. Wahrscheinlich könnten wir das Leck zwar selbstständig reparieren, doch in Anbetracht dessen, dass wir Fidschi kaum verlassen haben, ergab es mehr Sinn auf Nummer sicher zu gehen und dorthin zurückzukehren. Und so wenden wir zähneknirschend das Boot und machen uns zurück auf den Weg nach Fidschi. Die Marina in Denerau hat glücklicherweise direkt einen freien Liegeplatz für uns und auch die Behörden nehmen unsere Notfall-bedingte Rückkehr gelassen – man streicht einfach die Ausreise-Stempel in unseren Pässen durch und vernichtet unsere Ausreise-Formulare. So finden wir uns am Abend, anstatt auf dem Meer, erneut in der Marina wieder, in der wir die letzten zwei Wochen verbracht hatten, gehen in unser Lieblingsrestaurant und leeren dort einen der Bier-Eimer nach dem anderen.

Sonntag 19. Juli 2026

Der Tag verläuft ruhig. Mike hatte beschlossen das Problem mit dem Motor nicht selbst anzugehen, sondern für morgen einen Yanmar-Servicemechaniker einbestellt. Tony lässt sich kaum auf dem Boot blicken: Hannah crewte seit gestern auf einer der Oyster-World-Rally Yachten – und die waren zufällig auch hier in der Marina. Ich schreibe an meinem Blog, mit dem ich bereits einen Tag hinterherhing. Währenddessen kreisen in meinem Kopf Gedanken des Zeitdrucks: Wir hinkten unserem ursprünglichen Zeitplan bereits zwei Wochen hinterher. Nun verzögerte sich unsere Weiterreise nochmal um eine halbe Woche – vorausgesetzt das Leck war bis dahin behoben, bot sich am Mittwoch das nächste Wetterfenster, um Fidschi zu verlassen. Ein wenig besorgt gucke ich auf unser Itinerary – noch hatten wir genug Zeit, doch Raum für weitere Verzögerungen gab es nicht mehr!

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