Montag 29. Juni 2026
Am Morgen segeln wir weiter – oder besser gesagt wir “motoren”. Die Segel hatten wir seit unserer Ankunft auf den Yasawas nicht mehr in Benutzung gehabt – zu wenig Wind war hinter den Inseln, zu kurz die Strecken zwischen den Ankerplätzen. Nachdem wir in einer kleinen Bucht mit einem schönen Sandstrand geankert haben, entdecken wir auf dem Chartplotter ein Wrack, das einem Riff nicht weit von hier liegen soll. Der Beschreibung nach handelt es sich um ein chinesisches Long-Line-Fischerboot, welches vor einem Jahrzehnt von der fidschischen Regierung konfisziert und anschließend, als künstliches Riff versenkt wurde. Tonys und meine Begeisterung sind geweckt und so packen wir unsere Tauchausrüstung, ein VHF-Radio und mein GPS-Gerät ins Dinghy und machen uns auf die Suche nach den Koordinaten. Das Wrack liegt ein ganzes Stück weit draußen, und unser kleines Dinghy kämpft mit den großen Wellen. Als wir uns nach zwanzig Minuten schließlich den Koordinaten nähern, kommen Zweifel auf – es sind weit und breit keine Bojen in Sicht. Erst als wir uns 30 Meter neben dem Spot befinden, entdecken wir den kopfgroßen gelben Schwimmkörper. Schnell ist das Dinghy festgemacht und wir lassen uns der Leine folgend in die Tiefe gleiten. Als wir den unter uns auftauchenden Umrissen des Wracks dessen Größe entnehmen, jubeln wir in unsere Atemregler – das war kein kleines Fischerbötchen, sondern ein richtiges Schiff. Zwanzig Minuten verbringen wir in knapp 30 Metern Tiefe damit das Wrack zu erkunden, dann neigt sich unsere Nullzeit, die Zeit, die wir maximal auf dieser Tiefe verbringen können, ohne beim Auftauchen Dekompressionsstopps machen zu müssen, dem Ende zu. Begeistert kommen wir zurück an die Oberfläche und machen uns auf den Rückweg. Als wir nach einem langen Dinghy-Ride wieder in unser Bucht ankommen, treffen wir auf eine riesige Yacht – Koru, die Superyacht von Jeff Bezos, der wir schon in Papeete begegnet waren, teilte sich heute Nacht den Ankerplatz mit uns.
Dienstag 30. Juni 2026
Am frühen Morgen machen wir uns auf den Weg zur nächsten Bucht, einige Meilen weiter. Diese liegt direkt neben einem Pass, der bekannt dafür ist, dass sich dort Mantas aufhalten. Tatsächlich treffen wir, als wir mit dem Dinghy durch den Pass fahren, einige riesige Mantarochen mit bestimmt vier Metern Spannweite. Einzig und allein die schnorchelnden Touristengruppen, die sich alle auf die wenigen Mantas stürzen, verderben einem ein wenig den Spaß daran diesen atemberaubenden Tieren zuzugucken. Gegen Mittag besuchen wir das direkt am Pass gelegene „Barefoot Manta Island Resort“, doch die Stimmung in dem Resort gefällt uns nicht und auch auf unsere bestellten Piña Coladas warten wir nach fünfzehn Minuten immer noch, so fahren wir mit dem Dinghy zur nächsten Insel, lassen uns dort in einem Cruiser-freundlicheren Resort nieder, trinken unsere Piña Coladas und spielen einige Runden über Beachvolleyball. Am späteren Nachmittag springen Tony und ich für einen Tauchgang vom Boot aus ins Wasser, nachdem wir gesehen hatten, dass eine der Tauchtouren von dem Resort hier tauchen gegangen war, doch zu unserer Enttäuschung ist die Sicht recht schlecht und die Korallen wenig farbenfroh.
Mittwoch 01. Juli 2026
Wie schon die letzten Tage wechseln wir auch an diesem Morgen in die nächste Ankerbucht. Um diese soll es zahlreiche gute Tauchplätze geben und so machen Tony und ich uns am Vormittag mit dem Dinghy auf die Suche nach einem Ort der auf unserem Chart „Caves of Babylon“ heißt und als Labyrinth aus Swim-Throughs und Höhlen beschrieben wird. In der Hoffnung einen Shortcut zu nutzen, nähern wir uns dem Spot von der Innenseite des Riffs an. Beim Anblick der gewaltigen Wellen, die über dem Riff brechen, wird uns jedoch schnell klar, dass das nicht die beste Idee war, denn der Tauchspot müsste auf der Außenseite des Riffs liegen. Eine Zeitlang beobachten wir die Wellen und meinen schließlich eine Stelle gefunden zu haben, an der bisher noch keine Welle gebrochen ist – ein möglicher Pass. Vorsichtig tasten wir uns immer nur eine Handbreit Wasser unter dem Dinghy habend durch das Riff an dessen Kante, atmen noch einmal tief durch und wagen dann mit Vollspeed den Weg über die Riffkante. Nun auf der richtigen Seite, wartet die eigentliche Challenge auf uns: Das Finden des den Tauchspot markierenden Mooring-Balls. Dass das manchmal nicht so einfach ist, hatten wir ja schon vorgestern festgestellt – und die Wellen waren hier wesentlich größer! Dreimal fahren wir das Riff seiner Länge nach ab, doch bleiben ohne Erfolg. Mein GPS-Gerät zeigt den Tauchspot weiter im Riff an, genau dort wo die Wellen brechen. Schließlich geben wir auf und fahren stattdessen zu einem zweiten Wrack – baugleich dem, welches wir vorgestern erkundet hatten – und tauchen dort. Später erfahren wir, dass außer den Wracks keiner der Tauchspots eine Boje hat – das, wonach wir gesucht hatten, hatte also nie existiert!
Donnerstag 02. Juli 2026
Am frühen Morgen kommt ein lokales Motorboot an unserem Ankerplatz vorbei, und bietet uns Hummer zum Kauf an. Einige der Tiere, die man uns präsentiert, sind riesig – bestimmt 30 Zentimeter Körperlänge! Nach einer kurzen Verhandlung kauft Mike sechs Stück. Anschließend fahren wir an den Strand, um Holz zu machen – unser verbleibendes Feuerholz hatten wir soeben über Bord gekippt, da dieses mit Ameisen voll war, die nun langsam, aber sicher unser Boot eroberten. Auf dem Rückweg vom Strand gucken Tony und ich bei einem, unter norwegischer Flagge segelnden, Holzboot vorbei, das uns an dem Ankerplatz aufgefallen war. Ein hölzernes Segelboot zu sehen, war im heutigen Zeitalter eher die Ausnahme. Es dauert nicht lange und wir sitzen mit dem norwegischen Kapitän und seiner aus zwei jungen Frauen bestehenden Crew im Cockpit. Wir unterhalten uns großartig und so kommen die drei anschließend auch noch zu uns aufs Boot rüber und gucken sich unser Boot an. Gegen Mittag lichten wir schließlich den Anker und machen uns auf den Weg nach Kuata Island, eine Insel, die für ihre Tauchspots bekannt ist. Riesige Felsen zieren die paradiesische Insel-Landschaft rund um das gleichnamige „Barefoot Kuata Island Resort“ in welchem wir uns am späten Nachmittag auf einen Piña Colada niederlassen. Am Abend grillen wir auf dem Boot einige unserer Hummer.
Freitag 03. Juli 2026
Tony macht sich am Morgen allein auf den Weg zum Resort. Er hatte für den Vormittag einen Bullenhai-Tauchgang gebucht. Fidschi ist als eine der wenigen Destinationen weltweit bekannt, an der man mit diesen Prädatoren tauchen gehen kann. Was mir an den Tauchgang widerstrebte, war die Art und Weise auf die dieser durchgeführt wurde: Alle Taucher würden in 10 Metern Tiefe hinter einer hüfthohen Steinmauer aufgereiht, die Bullenhaie dann angefüttert. Während man den Haien dann beim Fressen zugucken kann, bewachen einen Guides mit Metallstangen in der Hand, die sicherstellen, dass keiner der nicht ganz ungefährlichen Haie, sich weiter als die Mauer wagt. Theoretisch konnte man diesen Tauchgang so sogar als seinen ersten Tauchgang machen. Die Vorstellung mit dutzenden Leuten in Reihe und Glied hinter einer Mauer zu sitzen, die Tatsache, dass die Haie angefüttert wurden, all das nahm für mich den Reiz an der sonst so erstrebenswerten Begebung mit einem Bullenhai. In seinem Versuch, mich zum Mitkommen zu überzeugen, hatten Tony und ich in den letzten Tagen immer wieder über die Ethik hinter solchen Tauchgängen diskutiert: Stand das Bewusstsein für Haie und dafür, dass diese schützenswert sind, welches man bei den Teilnehmern potenziell schuf, im Verhältnis zu dem Schaden, den man dem Ökosystem hier zufügte, indem man die Haie zweimal täglich fütterte?! Gelungen, mich zu überzeugen, war es Tony nicht, und so gehe ich, während er an der Tour teilnimmt, stattdessen mit Mike vom Boot aus eine Runde tauchen. Am Abend gehen wir im Restaurant des Resorts essen. Wir sitzen gemeinsam mit einer Backpacker-Gruppe am Tisch und haben viel Spaß. Das Highlight des Abends ist dabei mit Abstand die Polonaise, die Mike startet, und der sich binnen kürzester Zeit das halbe Resort anschließt.
Samstag 04. Juli 2026
Auf der dem Resort gegenüberliegenden Insel gab es einen großen, markanten Felsen, der förmlich dazu einlud, ihn zu erklimmen. Und so hatten Tony und ich uns den Wecker auf vier Uhr gestellt, um den Gipfel zu Sonnenaufgang zu erklimmen. Mit dem Dinghy landen wir am Strand an und folgen von da im Lichte unserer Stirnlampen einem schmalen Trampelpfad. Die Panoramaaussicht, die sich oben auf dem Felsen bietet, macht die Strapazen des frühen Aufstehens schnell vergessen – man kann über die ganze Inselgruppe gucken! Eine ganze Weile genießen wir die Ruhe des Morgens und das wunderbare Naturschauspiel, mit dem sich die Sonnenscheibe über den Horizont hebt. Zurück auf dem Boot machen wir alles fertig, um zu segeln. Unsere heutige Etappe war mit knapp 20 Seemeilen die längste, die wir seit über zwei Wochen gemacht hatten und wir hofften tatsächlich ein wenig Segeln zu kommen. Es ist nur wenig Wind, doch wir haben keinen Zeitdruck und so segeln wir im Zickzack mit lächerlich langsamer Geschwindigkeit zu unserem nächsten Ziel. Das kleine Atoll, in dem wir am Nachmittag schließlich ankern, ist – das lesen wir, als wir dort ankommen – berühmt als Drehort der amerikanischen TV-Serie „Survivor“ – Tonys und Mikes Beschreibung nach muss es sich dabei um in etwa um so etwas wie das „Dschungelcamp“ handeln. Mich interessiert die amerikanische Trash-TV-Serie recht wenig, stattdessen ärgere ich mich, den Drehort einer weitaus bekannteren Produktion verpasst zu haben: Wir waren heute Morgen gerade einmal zwei Meilen entfernt an der Insel Monuriki vorbeigesegelt – dem Drehort von „Cast Away“!
Sonntag 05. Juli 2026
Ohne die Insel, vor der wir vor Anker liegen, auch nur betreten zu haben, lichten wir am Morgen wieder den Anker und machen uns auf den Weg zu unseren letzten Stopps in den Yasawas – Musket Cove. Die große geschützte Bucht ist unter Cruisern ein beliebter Stopp. Sie bietet den klassischen Inselvibe, beherbergt zahlreiche gute Bars und Restaurants und lässt sich vom Festland (bzw. der Hauptinsel Fidschis) aus mit einer Fähre erreichen. Wie beliebt dieser Ort tatsächlich ist, fällt uns beim Ankern auf – hier sind bestimmt 200 Boote! Es dauert so eine ganze Weile, bis wir in dem Labyrinth aus geankerten Booten einen freien Platz für das unsere gefunden haben. Am Nachmittag lassen wir uns in einem der Restaurants nieder, trinken dort erst einen Piña Colada und essen dort schließlich auch zu Abend.













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