Montag 09. Februar 2026
Unser Frühstückstisch kann sich sehen lassen: Selbstgemachter Joghurt mit selbstgemachtem Granola-Müsli, frisches Rührei, hauseigene – besser gesagt bootseigene – Fruchtmarmeladen und frisch gebackenes Brot – daran könnte ich mich gewöhnen! Nach dem Frühstück verschanze ich mich in meiner Kabine und gebe vier Nachhilfestunden – für den Panama-Kanal waren wir so oder so erst um 15 Uhr terminiert. Eine Stunde vor der uns gegebenen Traverse-Zeit, haben wir immer noch keine Bestätigung der Kanalverwaltung bekommen – normalerweise bestätigte diese am Vormittag noch einmal die vergebenen Timeslots. Wir nutzen die Wartezeit, um die Solarpaneele des Katamarans in Styropor-Platten einzukleiden – so wollten wir diese vor dem Affenfäusten, Knoten mit einem kleinen Stahlgewicht darin, schützen, die von den Linehandler in den Schleusen auf unser Boot warfen. Auch um 15 Uhr gibt es keine Neuigkeiten von der Kanalverwaltung, kein Lotsenboot ist in Sicht. Der Agent, mit welchem Paulo und Dilma die Kanalpassage organisiert hatten, schreibt uns derweil, dass es vermutlich erst gegen 16:30 Uhr losginge. Wir warten also weiter und fallen so lange über den Kuchen her, den Dilma gebacken hatte. Es ist kurz nach fünf als endlich ein Lotsenboot am Horizont auftaucht, geradewegs auf uns zusteuert und uns unseren Lotsen bringt. Mit tuckerndem Motor geht es durch die Bucht, unter der „Puente Atlántico“ hindurch in Richtung des ersten Schleusensets. Unmittelbar vor der Schleuse vertäuen wir unseren Katamaran mit einem weiteren Katamaran auf der Steuerbord- und einem kleineren Segelboot auf der Backbord-Seite. Dadurch das wir nun in der Mitte waren hält sich die Arbeit in der Schleuse für uns in sehr überschaubaren Grenzen – die Leinen, mit denen das „Paket“ aus den drei Booten in der Mitte der Schleusenkammer gehalten wurde, gingen nämlich immer zu den jeweils äußeren Booten. Einzig und allein Paulo als Skipper muss schwitzen – er war es, der nun die Verantwortung hatte, das gesamte Bootsbündel und nicht nur seinen eigenen Katamaran sicher durch die Schleusen zu manövrieren. Gegen halb neun machen wir schließlich an einer der Ankerbojen im Gatún-See fest, essen einen typisch portugiesischen Bacalhau-Auflauf, den Dilma gezaubert hatte und fallen schließlich müde ins Bett.
Dienstag 10. Februar 2026
Pünktlich um kurz nach acht, kommt unser Lotse wieder an Bord und wir können unsere Fahrt fortsetzen. Mit zügigen sieben Knoten (13 km/h) fahren wir durch die mit dichtem Dschungel bewachsene Insellandschaft des Stausees und schließlich in den zweiten Teil des Kanals. Sich auf einem der das Kanalufer befestigenden Felsen sonnend, entdecken wir hin und wieder das eine oder andere Krokodil. Plötzlich kommt Dilma zu mir und bittet mich in den Saloon „Felix, ich muss kurz mit dir reden!“ Ich befürchte schon das Schlimmste – hatte ich irgendetwas falsch gemacht?! – doch Dilma hat nur gute Neuigkeiten für mich: „Wenn du magst, darfst du nach der Kanaldurchfahrt auf dem Boot bleiben. My house, is your house!“ Ursprünglich hatte man mir gesagt, dass man mich – da man mich ja bisher kaum kannte – nicht allein auf dem Boot lassen wolle und ich daher erst wenige Tage vor Abfahrt final auf den Katamaran ziehen könne. Doch nach zwei gemeinsamen Tagen brachte Dilma es nicht mehr übers Herz, mich zurück in ein Hostel zu schicken. Um die Mittagszeit herum erreichen wir die nächste Schleuse und essen – nachdem wir sicher vertäut sind – zu Mittag, während hinter uns ein riesiges blau-weißes Containerschiff einparkt. Zum Dessert hat Dilma feinstes Mousse Chocolat gemacht – ein Gaumenschmaus! Eine halbe Stunde später folgen die letzten beiden Schleusenkammern, dann befinden wir uns wieder auf Meeresniveau und es ist nur noch eine Frage der Zeit bis wir unter der „Puente de las Américas“ in den Pazifik fahren. Mit unseren zwei leistungsstarken Motoren geht das dieses Mal deutlich schneller als mit dem winzigen Außenborder auf meiner letzten Fahrt durch Panamakanal und so erreichen wir bereits um kurz vor vier unseren Ankerplatz, neben der „La Playita“-Marina.
Mittwoch 11. Februar 2026
Am Morgen gebe ich eine vereinzelte Mathestunde, anschließend quetschen wir uns dann zu fünft ins Dinghy und fahren an Land. Victoria und Luan, die brasilianischen Freunde von Paulo und Dilma, verließen uns heute wieder. Während sie sich auf den Weg zu ihrem Hotel machen, brechen wir zu unserem ersten Shopping-Ausflug auf – es würden noch viele weitere folgen. DiscoveryCenter heißt der Laden, an dem unser Uber-Fahrer uns abliefert. Victoria hatte ihn empfohlen und gesagt, dass es hier wirklich alles gäbe – und damit hatte sie nicht übertrieben. In den hohen Lagerhausregalen sind Produkte aller Art verteilt: Lebensmittel, Motorenöl, Haushaltsprodukte, Kleidung, Kinderspielzeug, Camping- und Gartenbedarf, Angelequipment, Fahrräder, Schreibwaren und so vieles mehr. Doch obwohl wir anderthalb Stunden in dem Geschäft verbringen und einiges kaufen – wirklich etwas von der Einkaufsliste, die Dilma geschrieben hatte, streichen können wir nicht. Gegen Mittag fahren wir zu einem Sushi-Restaurant – Dilma sprach schon seit unserem ersten Treffen davon, endlich Sushi essen zu wollen – und treffen uns dort wieder mit Victoria und Luan. Des Weiteren kam unser viertes Crew-Mitglied, Alvaro, ein 23-jähriger Portugiese, zum Essen hinzu. Der Sushi-Restaurant allerdings geschlossen und so müssen wir uns mit dem gegenüberliegenden Restaurant zufriedengeben. Nach dem Essen setzen wir unseren Einkaufstrip fort und räumen bei PriceSmart, einer Bulk-Store-Kette, die Regale leer: Dutzende Kilo Mehl, Reis und Zucker, literweise Olivenöl und Essig, ein halber Einkaufswagen voll Tunfisch-Dosen. Paulo und Dilma kauften nicht nur für die Überfahrt, sondern vor allem auch für ihre anschließende Zeit in Französisch-Polynesien ein, denn viele Produkte wären auf den abgelegenen Südseeinseln nur schwer – und wenn, dann teuer – zu bekommen. In einem bis unters Dach gefüllten Uber machen wir uns auf den Rückweg zur Marina und transportieren von dort, in mehreren Fahrten, die Einkäufe mit dem Dinghy aufs Boot.
Donnerstag 12. Februar 2026
Gegen Mittag verlassen wir das Boot und machen uns ein erneutes Mal auf den Weg in die Stadt. Paulo und Dilma wollten weitere Einkäufe erledigen, hingegen ließ mich in der Innenstadt absetzen, wo ich noch eine Handvoll Erledigungen machen wollte – denn eigentlich hatte ich ja damit gerechnet nach der Fahrt durch den Panamakanal noch eine Woche Zeit zu haben, bevor ich auf das Boot zöge. Zuallererst hole ich zu einem traumhaften Wechselkurs bei einer WesternUnion-Filiale einen Vorrat an US-Dollar-Bargeld ab – die Geldautomaten in Französisch-Polynesien sollen nämlich rar gesät sein! Anschließend muss ich unbedingt noch meine Haare schneiden lassen. Eine ganze Stunde verausgabt sich der Friseur verträumt vor sich hin schibbelnd daran mir die Wolle vom Kopf zu nehmen. Als letztes geht es dann noch einmal zum Labor: Der Arzt hatte mich gebeten, dort noch eine Stuhlprobe auf Parasiten machen zu lassen. Am frühen Abend treffe ich mich mit Alvaro an einer Bushaltestelle am Rande des die Küste entlangführenden „Cinta Costera“, wenige Minuten später sammeln uns dort Paulo und Dilma auf dem Rückweg ihres Shopping-Trips ein und wir machen uns auf den Weg in die Marina. Zum ersten Mal ist unsere Crew an diesem Abend vollständig – sobald alle Einkäufe gemacht waren und der Wind günstig stand, könnte es losgehen!
Freitag 13. Februar 2026
Paulo macht sich am Morgen auf den Weg zu einigen Angel- & Speerfishing-Shops, Alvaro und ich begleiten Dilma nach Casco Viejo, dem Altstadt-Viertel von Panama City. Gemütlich schlendern wir dort durch die kleinen Kopfsteinpflasterstraßen, besuchen Souvenirshops, ein Geschäft das handgemachte traditionelle Masken verkauft und eine Chocolaterie, in der wir uns fleißig durch die Angebotenen Schokoladensorten probieren. Zum Abschluss trinken wir eine Cola in dem historischen Coca-Cola-Café, dem ältesten Café der Stadt und dem weltweit einzigen Café, das den Namen des Getränkegiganten legal tragen darf, und machen uns dann ein weiteres mal auf den Weg zu PriceSmart. Ganz am äußeren Rande der Stadt gelegen, ist der riesige Bulk-Store perfekt für unser Großeinkaufs-Vorhaben. Wir verfrachten kiloweise Fleisch, Nüsse, Kekse und alles andere, was auf Dilmas Einkaufsliste steht, von den Regalen in unsere Wägen. An den Enden jedes Ganges gibt es jeweils kleine Stände, an denen man verschiedene Dinge aus dem Sortiment probieren kann. Immer und immer wieder laufen Alvaro und ich an dort vorbei und bedienen uns an dem kostenlosen Essen – so macht Einkaufen Spaß! Mit zwei weit über den Rand gefüllten Einkaufswägen verlassen wir den Laden am frühen Abend und fahren mit einem Uber zurück in die Marina. Leider sind aufgrund des morgen beginnenden Karnevals jedoch bereits zahlreiche Straßen gesperrt und so kostet uns der Rückweg knappe zwei Stunden.
Samstag 14. Februar 2026
In der Stadt steppt der Bär im Kettenhemd. Nahezu alle Geschäfte waren über das Karnevalswochenende hinweg geschlossen, der Verkehr in diesen Tagen ein undurchdringliches Chaos. So beschließen wir die kommenden Tage auf dem Boot zu bleiben, unsere zahlreichen Einkäufe zu sortieren und zu verstauen und uns nicht zuletzt ein wenig auszuruhen. Am Morgen werden zudem 180 Liter Wasser, die wir als Notreserve für einen Ausfall der Entsalzungsanlage mitnehmen wollten, in die Marina geliefert. Doch nach einer langen Diskussion mit dem Fahrer stellt sich heraus das zusätzlich zu dem online ausgeschriebenen Preis des Wassers und den Lieferkosten nun noch insgesamt knappe 100 Euro als Pfand für die Kanister kämen und so schicken wir das Wasser wieder zurück. Blöd nur, dass ich derweil bereits alle Kanister zum Dinghy-Dock gekarrt hatte! Wieder zurück an Bord schneiden Alvaro und ich dutzende Maracujas auf und sieben in langwieriger Fleißarbeit die Kerne aus dem Fruchtfleisch heraus, aus welchem Dilma später leckere Maracuja-Marmelade kocht. Am Nachmittag kehrt Ruhe auf dem Boot ein und so nutze ich die Zeit mich ein wenig in meiner Kabine einzurichten. Noch immer blockierte mein Rucksack die einzige, vielleicht 40 mal 80 Zentimeter große Bodenfläche, vor meinem Bett. Den Rucksack und meine Campingausrüstung, die ich die nächsten fünf wohl eher nicht brauchen würde, verstaue ich unter dem Bett, meine Kleidung sortiere ich in den schmalen Kleiderschrank ein. Am Abend fahren wir in die Stadt und treffen uns dort mit Victoria und Luan, um gemeinsam Dilmas Wunsch nach traditionellem Sushi nachzukommen. Alvaro kommt nicht mit uns mit – er hatte an dem Tag, bevor er auf das Boot gezogen war eine deutsche Reisende im Hostel kennengelernt und diese spontan zum heutigen Valentinstag auf ein Date eingeladen. Auf diese Weise verdiente er sich für die weitere Zeit auf dem Boot den Spitznamen „Loverboy“. Das kleine Sushi-Restaurant bietet gerade einmal Platz für 12 Personen, ein einziger Koch kümmert sich um alle seine Gäste. Und das Sushi schmeckt hervorragend! Für mich ist es das erste Mal, dass ich Sushi esse – nach anfänglichen Schwierigkeiten damit, mit Stäbchen zu essen (das muss ich, bevor ich nach Asien kann, nochmal üben), bin ich hellauf begeistert. Mit vollem Bauch machen wir uns auf den Rückweg und sammeln dabei Alvaro ein, der noch tagelang von seinem romantischen Date schwärmen soll – ein „Loverboy“ eben!















Sonntag 15. Februar 2026
Paulo werkelt am Auspuff des Generators, Dilma backt ein frisches Brot, Alvaro liest ein Buch und ich nutze den Vormittag, um bei meinen Eltern anzurufen, zeige ihnen das Boot und seine Crew. Gerade als wir zum Ende des Anrufs kommen, klingelt bei ihnen im Hintergrund das Telefon – Oma ruft an! Kurzerhand schalten wir also meine Großmutter zu unserem FaceTime-Call dazu und telefonieren noch ein wenig gemeinsam weiter. Nach dem Mittagessen kehrt auf dem Katamaran Ruhe ein. Gelangweilt vergehe ich mich an dem ersten meiner heruntergeladenen Bücher – eigentlich hatte ich damit bis zur Abfahrt warten wollen – und tauche in die Abenteuer des kleinen Hobbits Bilbo Beutlin ab.