Montag 22. Dezember 2025
Während die allermeisten meiner Schüler über die Weihnachtszeit pausierten, nahmen dennoch ein paar wenige ihre wöchentlichen Einheiten. Und so gebe ich am Morgen erst einmal zwei Mathe-Stunden. Darüber hinaus nutze ich den Vormittag für ein paar Erledigungen, kaufe mir eine kolumbianische SIM-Karte und lasse meine Haare schneiden. Mein Dorm teile ich mir derweil mit einem Amerikaner, der dem Geburtsdatum auf seinem Ausweis zufolge zwar inzwischen über siebzig ist, im Kopf aber so unglaublich jung geblieben war, dass es dennoch perfekt in ein „Youth Hostel“ passte. Gemeinsam gehen wir später am Tag etwas essen und erkunden die Stadt.
Dienstag 23. Dezember 2025
Langsam packe ich am Morgen meine Sachen zusammen und mache mich gegen zehn schließlich auf den Weg zum „Terminal Terrestre de Ipiales“. Ich habe Glück: Der nächste Bus in Richtung Popayan soll bereits in einer halben Stunde abfahren. Obwohl Popayan nur etwa 330 Kilometer entfernt ist, fährt man dorthin ganze acht Stunden! Aber selbst diese Zeitangabe ist optimistisch gerechnet: Aufgrund von Sicherheitsproblemen entlang der Hauptstraße müssen wir für einen Großteil der Route auf eine kleinere, kurvige Nebenstraße ausweichen – so kommen wir noch langsamer voran. Als wir um 21:30 Uhr schließlich Popayan erreichen, ist es bereits stockdunkel. Auf dem Weg zum Hostel, das Mal wieder nicht in der besten Gegend der Stadt lag, wechsle ich, den in düsteren Ecken sitzenden und mir hinterher grölenden Gestalten ausweichend, immer wieder die Straßenseite. Schweißgebadet erreiche ich schließlich meine Unterkunft und bin froh, dass um diese Stunde noch jemand aufmacht.
Mittwoch 24. Dezember 2025
Während ich frühstücke, finde ich in einer der Schubladen der Gemeinschaftsküche eine elektronische Waage – danach hatte ich lange gesucht! Seit Uruguay stand es auf meiner ToDo-Liste alle meine Ausrüstungsgegenstände einmal zu wiegen, doch bisher war es immer am Mangel einer geeigneten Waage gescheitert. Frohen Mutes verbringe ich den Vormittag also damit, das reale Gewicht meines Equipments herauszufinden. Große Überraschungen bleiben allerdings aus. Davon, dass heute Weihnachten ist, merke ich nicht viel: Abgesehen von den Unmengen an glitzernder und blinkender Weihnachtsdekoration geht das Leben hier an Heiligabend ohne große Einschränkungen weiter. Supermärkte haben offen und auch auf dem Straßenmarkt im Stadtzentrum wird fleißig gehandelt und um Ware gefeilscht. Gegen Mittag telefoniere ich mit meinen Eltern und laufe anschließend ein wenig durch die, von weißen Kolonialgebäuden geprägte Altstadt von Popayan. Am späten Nachmittag beginnt es dann wie aus Eimern zu schütten – ausgerechnet in dem Moment, in dem ich gerade zurück zum Hostel laufe. Bis auf die Unterhose durchnässt komme ich dort an, lege mich trocken und verbringe den restlichen Abend in meinem Bett.
Donnerstag 25. Dezember 2025
Während ich am Morgen meine Sachen packe, gucke ich mir die Videoaufnahme des gestrigen Weihnachtsgottesdienstes an, den mein Vater für mich aufgenommen hatte, und mache mich anschließend auf den Weg zum Busbahnhof. Von dort geht es nach Cali. Zwischen Cali, Bogotá und Medellín spannt sich das kolumbianische Kaffeedreieck auf – eine immergrüne Hügellandschaft, in der sich die Kaffeeanbaugebiete des Landes befinden. Mit dem Express-Bus geht es nach Armenia, einer der größeren Städte der Region, und von dort mit dem öffentlichen Nahverkehr weiter in den kleinen Ort Salento. Als ich nach insgesamt knappen neun Stunden Busfahrt schließlich am Ortseingang von Salento aussteige, ist es bereits am Dämmern. Auf einem Hügel nur wenige Straßen vom Zentrum des Ortes entfernt finde ich mein Hostel. Als ich später am Abend noch einmal rausgehe, um etwas zu essen, stelle ich schnell fest, wie unglaublich touristisch Salento ist – es wirkt fast als bestünde der Ort nur aus Hotels und Restaurants. Lebt hier auch tatsächlich jemand? Ein preiswertes Cena-Menü, wie ich es sonst oft aß, zu finden stellt sich jedenfalls als schwierig heraus.
Freitag 26. Dezember 2025
Die Hauptattraktionen in Salento sind das „Valle de Cocora“, ein Tal voller Wachspalmen, sowie die um den Ort herumliegenden Kaffee-Fincas. Um zu beidem zu gelangen, gibt es vom zentralen Platz des Ortes aus einen Shuttle-Service in Form klassischer alter Jeeps. Als ich um neun Uhr auf dem Platz ankomme, ist die Schlange für die kultigen Transportmittel aber bereits so lang, dass ich mich dort nicht mehr anstellen möchte, und ich entscheide mich, die genannten Ausflugsziele auf morgen zu vertagen. Stattdessen mache ich mich auf den Weg zu einem fußläufig erreichbaren Aussichtspunkt und kehre anschließend ins Hostel zurück, wo ich einen Großteil des Tages an einem Webentwicklungsprojekt arbeite, das zwischen den Feiertagen das Defizit an Nachhilfestunden ausglich. Der gegen Mittag beginnende Regen bestätigt mich in der Entscheidung.
Samstag 27. Dezember 2025
Pünktlich um halb acht stehe ich heute auf dem Plaza de Bolívar und verlasse wenig später mit einem der ersten Jeeps des Tages den Ort. Zwanzig Minuten dauert die Fahrt zum „Valle de Cocora“. Als wir ankommen, herrscht dort bereits großer Trubel, dutzende Busse mit Touristengruppen stehen auf dem Parkplatz. Doch die Masse an Besuchern verteilt sich hinter dem Kassenhäuschen auf den verschiedenen Wanderwegen. Drei Stunden lang wandere ich durch die grüne Hügellandschaft mit ihren Palmen. Die „Quíndio-Wachspalmen“ sind für die Region einzigartig und zählen mit bis zu 60 Metern Höhe als die am höchsten wachsende Palmenart der Welt. Gegen Mittag steige ich wieder in einen der Shuttle-Jeeps, fahre allerdings nicht bis nach Salento, sondern lasse mich nach wenigen Kilometern mitten im Nirgendwo absetzen. Auf dem Hinweg hatte ich dort einen Wasserfall gesehen, zu dem ich nun hinzugelangen versuchen wollte. Nach einer Stunde Wanderung über Kuhwiesen und matschige Trampelpfade erreiche ich tatsächlich die wunderschöne Kaskade, die sich in einen kleinen Pool ergießt. Anders als im „Valle de Cocora“ bin ich hier komplett allein und so kann ich eine Runde im Wasserfall duschen gehen, bevor ich mich auf den Rückweg mache.
Sonntag 28. Dezember 2025
Nachdem ich diese Woche bereits zwei volle Tage damit verbracht hatte im Bus zu sitzen, wollte ich nun wieder auf das Trampen umsteigen – durch den „gefährlichen“ Süden Kolumbiens war ich nun nämlich durch! Da Salento allerdings noch mitten im Hügelland liegt, fahre ich mit einem Bus erstmal wieder zurück nach Armenia, um von dort dann per Anhalter mein Glück zu versuchen. Als ich am frühen Morgen zum Terminal am Ortseingang laufe, entdecke ich dort eine rothaarige Niederländerin – bereits auf dem Hinweg hatten wir im selben Bus gesessen und drei Tage später verließen wir Salento nun wieder im selben Bus. Von Armenia aus fahre ich mit einem Stadtbus weiter in den Nachbarort Calarcá, wo ich mich an einer Tankstelle an der Panamericana positioniere. Lange warten muss ich nicht! Bereits nach fünf Minuten hält eine rote Mazda-Limousine mit einem Mann und einer älteren Dame darin und ich nehme auf dem Rücksitz Platz. Die beiden sind wie ich auf dem Weg nach Bogota und so rollen wir die nächsten sechs Stunden gemeinsam die kurvigen Bergstraßen entlang in Richtung der kolumbianischen Hauptstadt. Kurz vor Sonnenuntergang werde ich an einer Shoppingmall abgesetzt und laufe von dort zu meinem im historischen Zentrum gelegenen Hostel. Der Dormitory-Raum erinnert ein wenig an die in Asien üblichen Schlafkapseln: Zehn Kojen mit einer Matratze und einem Rollo an der Stirnseite füllen den Raum. Später am Abend gehe ich noch ein wenig durch die umliegenden Straßen spazieren. Wie in den meisten südamerikanischen Großstädten herrscht hier rund um die Uhr Leben.























Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!