Montag 06.01.2025 – Alte Bekannte
Neue Boote treffe ich in der Marina der V&A Waterfront auch heute nicht an. Dafür herrscht aber auf mir bereits bekannten Booten endlich leben. War ich bisher vorranging mit den Seglern der „World ARC“ in Kontakt gewesen, traf ich heute endlich auf einigen der bereits seit Wochen hier im Hafen liegenden Yachten der „Oyster World Rally“ Menschen an und lande direkt einen Glücksgriff. „Klopf mal beim letzten Boot auf der rechten Seite … die suchen glaube ich noch nach Crew“ rät mir ein Segler der mir auf dem Steg entgegenkommt. Auf der besagten Yacht treffe ich einen jungen Kapitän an, der tatsächlich noch nach Unterstützung sucht. Wir tauschen uns aus und verbleiben dabei, dass ich ihm meine Nummer gebe und ihm später meinen Lebenslauf schicken würde. Mein Abstecher in den Yachtclub ist weniger ergiebig. Gerade als ich diesen wieder verlassen möchte spricht mich einer der Security-Guards an: Im Gespräch hatte ich ihm erzählt dass ich „online“ arbeitete – er hatte daraus scheinbar geschlussfolgert, dass ich mich mit Computern auskenne und bat mich nun ihm bei einem Problem mit seinem Laptop zu helfen – ich solle für ihn YouTube und TikTok – was auch sonst – darauf installieren. Die Bitte ist schnell erfüllt und so verabschiede ich mich von dem freudestrahlenden Sicherheitsmann – ein guter Draht zu dem Security schadet bestimmt nicht. Bis der Bus zurück fährt verbleiben mir noch einige Minuten und so laufe ich schnell in einen Copy-Shop, lasse meinen Lebenslauf ausdrucken und bringe ihn persönlich zu der Oyster-Yacht, deren Kapitän mich bisher nicht wie versprochen angeschrieben hatte. Als ich am Nachmittag wieder zuhause bis, packe ich meine Sachen. Simon, der Südafrikaner den ich in Grootfontein in Namibia auf einem Campingplatz getroffen hatte, wohnte in einem kleinen Ort außerhalb Kapstadts und hatte mich eingeladen ihn und seine Familie für ein paar Tage besuchen zu kommen. Nachdem ich noch eine Nachhilfestunde gegeben habe, holt mich ein Freund von Simon ab und bringt mich auf zu der kleinen Farm, auf der Simon mit seiner Familie und sieben Hunden lebt. Es gibt viel zu erzählen, doch da es als ich ankomme bereits kurz nach zehn ist, vertagen wir die vielen Geschichten auf den morgigen Tag …
Dienstag 07.01.2025 – Stellenbosch
Mein Morgen startet mit einer Überraschung: Jemand hatte mich auf Facebook angeschrieben: „Hi Felix, ich segle Mitte Februar mit einem nagelneuen Katamaran nach Grenada. Hast du Interesse?“ Nach einem anfänglichen Freudenschrei reagiere ich ziemlich gelassen auf die Nachricht – die letzten Anfragen dieser Art waren bisher immer im Sande verlaufen. Nach der morgendlichen Aufregung steige ich mit Simon ins Auto – er wolle mir Stellenbosch und die Umgebung zeigen. Die Region ist bekannt für ihre Weinfarmen und gilt zugleich als Paradies für Aktivurlauber. Stellenbosch selbst ist eine kleine Universitätsstadt und beherbergt eine der renommiertesten Hochschulen Südafrikas. Abseits der Weinfarmen und Studentenpubs gibt es aber auch einige unberührte Fleckchen Natur. Auf einem 4×4-Track fahren wir über Stock und Stein und kommen schlussendlich in einem kleinen Bach zum stehen – „Lust eine Runde schwimmen zu gehen?“ Nach der erfrischenden Abkühlung machen wir uns wieder zurück auf den Weg zu Simons Farm. Anderes als die meisten Farmen farmt Simon hier keine Tiere oder Lebensmittel sondern Stahl – In einer Halle stehen mehrere CNC-Fräsmaschinen, ein Waterjet-Schneidegerät und Drehbänke mit denen sich so ziemlich alles herstellen lässt, was aus Metall ist. Am Nachmittag besuchen wir gemeinsam mit Simons Frau und seinen zwei erwachsenen Kindern, ein Restaurant auf einer nahegelegenen Weinfarm und essen dort mit hervorragender Aussicht über die umliegenden Weinberge Pizza und belgische Waffeln.
Mittwoch 08.01.2025 – Pizzanight
Nach dem Frühstück verabschiede ich mich von Simon und seiner Familie und mache mich mit einem Uber wieder auf den Weg nach Hause. Dort gilt es schnell eine Ladung Schmutzwäsche in die Waschmaschine zu verfrachten und kurz unter die Dusche zu springen, bevor ich mich direkt weiter in die Stadt – zum Hafen – fahre. Auch der Skipper, der mich gestern angeschrieben hatte, hatte sich noch einmal gemeldet. Er klang durchaus interessiert daran mich mitzunehmen und wollte sich mit mir treffen sobald er übernächste Woche in Kapstadt ankäme. So zuversichtlich Ich in Bezug auf die Nachricht war – solange ich keine feste Zusage hatte, würde ich dennoch weiter die Docks hoch unter runter laufen. Doch heute gibt es im Hafen nicht viel Neues und so mache ich mich, nachdem ich eine Runde über die Stege der Marinas von Waterfront und Yachtclub gedreht habe, wieder auf den Heimweg. Wieder zuhause nehme ich meine inzwischen trockene Wäsche von der Leine und packe diese direkt ein – denn auch die heutige Nacht würde ich nicht hier verbringen. Gemeinsam mit einigen Leuten aus dem Jungen-Erwachsenen-Kreis der Stadtmission würden wir heute Abend Pizza und dann morgen einen Ausflug nach Yzerfontein – einem kleinen Strand-Ort an der Westküste – machen. Am frühen Abend holt mich Josua ab und wir fahren zu Stefanie und Tristan, wo die anderen bereits warten. Gemeinsam machen wir Pizza und spielen im Anschluss noch einige Spiele, bevor es ins Bett geht.
Donnerstag 09.01.2025 – Yzerfontein
Strandmuschel, Volleyball, Spikeball-Set – das Auto ist voll beladen, als wir uns am Morgen zu sechst auf den Weg nach Yzerfontein machen. Der eine knappe Stunde von Kapstadt entfernte Küstenort, lockt mir traumhaften Ständen – noch dazu ist das Wetter einfach perfekt! Wer die Kontrolle über die Musik hat wechselt alle zehn Minuten, so dass ein wilder Mix zwischen Heavy Metal, Radioklassikern und deutscher Worship-Musik entsteht. Nach einem kurzem an einem Foto-Stopp an einem „Yzerfontein“-Schriftzug, widmen wir unseren ersten Halt einer kleinen Bäckerei. Der Pinterest-inspiriert eingerichtete Laden bietet neben „richtigem“ Brot – das ist außerhalb Deutscher Grenzen eine tatsächliche Rarität – guten Kaffee und leckeres Gebäck an. Nächster Halt: Strand. Volleyball, Spikeball und Frisbee heizen einen in der brutzelnden Sonne ganz schön auf und so dauert es nicht lange, bis es die Ersten von uns in den kühlen Atlantik verschlägt, bevor man dann wieder einige Zeit in der Sonne liegen kann. Den aufkommenden Hunger still Pizzareste vom gestrigen Abend und so verfliegt die Zeit wie im Flug. Als wir irgendwann alle mehr rot als braun sind, und sich die Sonne nicht mehr aushalten lässt, packen wir unsere Sachen. Etwas außerhalb von Yzerfontein stoppen wir ein weiteres Mal – hier soll es einen kleinen Rock-Pool geben. Kurz springen wir alle noch einmal in das Steinbecken und lassen uns auch die Chance für ein Gruppenfoto nicht entgehen, bevor wir dann von den Badesahen wieder unsere normalen Klamotten wechseln und uns auf den Heimweg machen. Müde – und zugleich dankbar für die schönen vergangenen Tage – komme ich am Abend zuhause an, gebe noch eine Nachhilfestunde und lege mich dann schlafen.
Freitag 10.01.2025 – Aufbruchstimmung
Schon um halb sechs klingelt mein Wecker und ich fahre mit dem ersten Bus des Tages ins Stadtzentrum und von dort weiter nach Hout Bay. Dort angekommen ist es fast noch zu früh – vor neun Uhr möchte ich an keinem Boot klopfen – und so trinke ich erstmal eine heiße Schokolade, bevor ich durch die Marina laufe. Da ich heute morgen vergessen hatte meine Guthaben-Karte für Stadtbussystem aufzuladen, muss ich mir für den Rückweg in die Stadt etwas anderes einfallen lassen. Ein Sammeltaxifahrer nimmt mich mit in eine „Township“ – informelle Blechhüttensiedlungen, die sich am Rande der meisten südafrikanischen Städte bilden. Ein bisschen bringt die Marginalsiedlung die Afrika-Vibes – die ich sonst hier in Kapstadt vollkommen vermisst hatte – in mir zurück. Oh ja, ich vermisse das primitive Westafrika – vom Senegal bis nach Benin – schon wirklich sehr – und das, obwohl ich den afrikanischen Kontinent noch nicht einmal verlassen hatte. Von der Township aus fahren dann Sammeltaxen in Zentrum von Kapstadt – nicht unbedingt billiger als der moderne myCiti-Stadtbus, aber wesentlich eindrucksreicher. In der Marina der V&A Waterfront herrscht Aufbruchstimmung. Sie hätten heute Morgen schon ausklariert, erzählt mir Thorsten, der deutsche Segler mit dem ich in Kontakt stand, morgen würden die meisten fahren. Auf der einen Seite war es Schade, so viele Yachten ohne mich lossegeln zu sehen. Auf der anderen Seite entstand so neuner Platz in der Marina – „Wenn die von der wARC jetzt Weg sind, kommen die ganzen Boote die über Weihnachten in Durban gelegen haben“ macht Theo, der Bootstamper eines französischen Bootes, mir Hoffnung. Auf dem Rückweg zum Busbahnhof laufe ich bei einem kleinen Fußballtrikots verkaufenden Straßenstand in der Innenstadt vorbei. Vor einigen Tagen hatte ich gesehen, dass dieser die pinken EM-Trikots des DFBs verkauft – höchstoriginal versteht sich ^^ – und den Verkäufer gebeten mir Größe XL zu organisieren. Und wenn Straßenhändler irgendeine Chance wittern Geld zu machen, dann kann man sich auf sie verlassen – mein Deutschland-Trikot liegt wie verspochen bereit.
Samstag 11.01.2025 – ParkRun
Gestern Abend hatte Monika mir von einem Lauf-Event erzählt, das jeden Samstagmorgen an hunderten Orten weltweit stattfindet – ParkRun. Da ich diese Woche sowieso noch meine fünf Kilometer laufen muss, stehe ich also gemeinsam mit 826 anderen Sportbegeisterten um kurz vor acht in Laufklamotten am Strand von „Big Bay“ an der Startlinie. Fünf Kilometer geht es – mit der imposanten Silhouette des Tafelbergs im Rücken – den Strand entlang, bevor ich 26 Minuten später vollkommen außer Atem als zweiter meiner Altersklasse und 39ster insgesamt keuchend die Ziellinie erreiche – so kann man auch in den Tag starten! Nachdem ich mich zuhause im Pool abgekühlt habe, widme ich mich dann einer weniger aktiven Tätigkeit – Blog schreiben! Nach einer vollen Woche bin ich damit nämlich wieder weit im Rückstand – hier und da machte sich der eine oder andere wohl schon sorgen, dass ich mit dem Schreiben aufgehört haben könnte. Am Nachmittag habe ich dann nicht nur den Beitrag der vorletzten Woche veröffentlicht, sondern auch den für die vergangene Woche bereits zur Hälfte fertig geschrieben.
Sonntag 12.01.2025 – Bring&Braai
Der Sonntag startet mit einem morgendlichen Gottesdienst in der deutschen Stadtmission – heute wieder mit anschließendem „Bring&Braai“-Buffet. Bei „Boereworst“ – typsicher südafrikanischer Grillwurst – und Salaten sitzen wir im herrlichsten Sonnenschein auf der Terrasse des am Fuße des Tafelbergs gelegenen Gemeindehauses. Als sich am Abend an den Wolken abzeichnet, dass der heutige Sonnenuntergang besonders schön werden könnte, steige ich mit Toni und Monika ins Auto und wir fahren auf eine nahegelegene Anhöhe von der aus wir beobachten wie die hinter dem Horizont verschwindende Sonne, die Wolken in ein rötliches Licht tüncht. Wieder zuhause gibt es für mich dann den allsonntäglichen Familien-FaceTime-Anruf. Bei einem Blick auf das Datum in der rechten unteren Ecke meines Bildschirms fällt mir noch etwas anderes auf … Konnte es sein, dass ich wirklich schon zwei ganze Monate hier in Kapstadt war?! Es wäre schleunigst Zeit, dass ich ein Segelboot fände!
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