Montag 12. Oktober 2026
Nachdem ich zum Frühstück eine Portion Cornflakes mit Milch direkt aus der Tüte gelöffelt habe – mein Topf ist dreckig – packe ich meinen Rucksack, checke aus der kleinen Unterkunft aus und bestelle mir einen Gojek – die indonesische Version von Uber. Am Hafen herrscht bereits geschäftiges Treiben. Dutzende Ticketverkäufer ringen sich um mich, als ich aus dem Auto steige, und versuchen mir noch Last-Minute-Fährtickets anzudrehen: „I can give you good price, my friend! The ferry is going right now!“ Erst als ich erwähne, dass ich bereits ein Ticket habe, lässt man von mir ab und deutet mir den Weg zum Büro des Anbieters. Während ich im Warteraum der Reederei sitze, mustere ich die Leute: Größtenteils junge Backpacker, nur vereinzelt ein paar Locals – das überrascht mich aber wenig. Viel mehr wundere ich mich, warum alle so wenig Gepäck haben – ich steche mit meinem schwerbeladenen 85L Rucksack ziemlich heraus. Die Antwort lässt sich lange auf sich warten: Nach einiger Zeit hält ein Reisebus vor dem Gebäude, Dreiviertel der mit mir im Wartesaal sitzenden Leute stehen auf und steigen ein. Ahh! Wie ich aus der Einweisung des Guides heraushöre, geht es für die Gruppe auf einen Bootstrip durch den Komodo Nationalpark. Irgendwann bin auch ich an der Reihe und wir bahnen uns durch das Gewusel im Hafen den Weg zum Anleger. Die Fähre ist groß, modern und klimatisiert. Während der zweistündigen Überfahrt döse ich vor mich hin, das Mädchen neben mir kämpft sichtlich mit der Übelkeit. Nicht jeder war für das Meer geschaffen! In Padang Bai, unserem Zielhafen, angekommen, heißt es dann noch einmal, sich durch die Menge aufdringlicher Taxifahrer drängen, bevor ich am Büro der Reederei in einen Shuttlebus steige, der mich nach Denpasar bringt. Drei Stunden dauert die Fahrt durch den dichten und chaotischen Rollerverkehr auf Balis Straßen. Um kurz vor fünf setzt der Shuttle mich schließlich vorm Flughafen ab und ich laufe das letzte Stück zum Hotel. Dort ruhe ich mich noch ein wenig aus, bevor ich wieder zurück zum Flughafen laufe und dort geduldig darauf warte, dass der Flieger mit meiner Familie darin landet. Um zwanzig nach neun kommen sie schließlich in die Empfangshalle spaziert und wir fallen uns in die Arme. Ein Jahr lang hatte ich meinen Vater nicht gesehen, bei meiner Mutter und meiner Schwester sind es sogar anderthalb Jahre. Und bei meiner Tante … konnte das wirklich schon 2,5 Jahre her sein?! Nachdem wir am Hotel angekommen sind und die anderen sich kurz frisch gemacht haben, setzen wir uns noch auf einen obligatorischen Welcome-Drink an die Bar. Bei der Gelegenheit erzähle ich meinen Eltern dann auch gleich, warum ich die letzten Tage im Hotel und nicht auf dem Boot verbracht hatte – das ahnten sie zwar schon, wussten es jedoch noch nicht.
Dienstag 13. Oktober 2026
Wer denkt, dass man im Familienurlaub lange ausschlafen kann, irrt sich! Um 04:30 Uhr klingelt der Wecker, eine halbe Stunde später wartet der Fahrer vor der Tür. Es geht zurück nach Padang Bai – die ersten Tage unserer gemeinsamen Zeit wollten wir nämlich auf Lombok verbringen. Am frühen Morgen sind die Straßen noch frei, so dauert die Fahrt nur halb so lang wie gestern. Die Fährfahrt ist – wie schon gestern – unspektakulär und läuft reibungslos. Am Hafen wartet bereits der nächste Fahrer auf uns und es geht weiter zu unserem Hotel nach Kuta, dem Tourismushotspot Lomboks. Anders als in dem kleinen Ort, in dem ich die letzten Tage verbracht hatte, wimmelt es hier nur so von Ausländern, hippen Coffeeshops, Surfschulen und Hostels. Während wir durch die Straßen von Kuta laufen, fällt auf, dass ein großer Teil der Reisenden in ein ganz bestimmtes Profil passt: Fast alle sind Anfang zwanzig, die deutliche Mehrheit weiblich – die Internetkultur hat für diesen Typus längst einen Namen: „Lisas“. Dem Angebot in den Cafés nach zu urteilen sind Matcha Latte und sämtliche Formen von „Bowls“ hoch im Kurs, der Laptop natürlich immer auf dem Tisch – irgendwo zwischen Surf- und Yogasessions muss das eigene Life-Coaching-Business ja am Laufen gehalten werden! Es ist schon witzig, wie präzise ein Ort ein Klischee bedienen kann!
Doch hinter der fast schon amüsanten Fassade steckt eine bittere Realität: Während die Lisas in dem Co-working-Café ihrer Wahl einen Iced Pumpkin Spiced Latte mit Hafermilch aus dem Glasstrohhalm schlürfen und nebenbei einen Instagram-Post über Political Correctness, Sustainability und bewussten Konsum verfassen, sieht die Welt der Menschen, die sie bedienen, ganz anders aus. Der Kellner, der ihnen den nächsten Matcha serviert, verdient im Monat kaum das, was sie für eine einzige Stunde ihres neusten „Find your inner self!“-Seminar verlangen.
Schaut man in die schmalen Gassen zwischen den fancy Cafés, so sieht man die einfachen Blechbehausungen, in denen der Großteil der lokalen Bevölkerung lebt. Gleichzeitig kann man zwei Straßen weiter für unter 100 Euro pro Nacht luxuriöse Airbnb-Villen mit Infinity-Pool und Regendusche buchen. In den Hinterhöfen wird der Plastikmüll verbrannt – aber Hauptsache wir trinken unsere Matchas mit einem Bambus-Strohhalm! Es ist eine merkwürdige Doppelmoral: Man reist ans andere Ende der Welt, um bewusster, nachhaltiger und irgendwie näher an sich selbst zu leben und profitiert dort von einem touristischen System, das auf seiner Schattenseite genau die Verhältnisse schafft, die man eigentlich kritisiert. Nur passen die halt nicht in die Instagram-Ästhetik und lassen sich erstaunlich leicht ausblenden! Work-Life-Balance eben: Die Locals arbeiten, du lebst!
Auf meiner Reise versuche ich, so nah am lokalen Leben wie möglich zu reisen. Deswegen trampe ich, deswegen schlafe ich im Zelt, deswegen esse ich in Straßenküchen und mache große Bögen um Orte wie Kuta – die zwei Wochen mit meiner Familie sind hier die absolute Ausnahme. Trotzdem macht mich das keineswegs zu einem besseren Touristen. Auch ich trage massig Lisa-DNA in mir. Auch ich verdiene mein Geld online in Deutschland und profitiere anschließend von dem Kaufkraftunterschied – nur deswegen kann ich mir diese Reise überhaupt leisten. Sich über die Lisas lustig zu machen, ist einfach. Aber auch meine Reise hat ihre moralischen Widersprüche und blinden Flecken. Vielleicht fallen sie bei mir nur etwas anders aus …
Nachdem wir unseren Iced Latte – ohne Matcha – nun jedenfalls leergeschlürft haben, geht es zum Abendessen in eine Pizzeria, die – gemessen daran wie voll sie ist – vielleicht eines der besten Restaurants in Kuta ist. Die Pizza ist auf jeden Fall nicht schlecht! Anschließend gibt es noch eine Young Coconut, bevor es dann zurück ins Hotel geht – der Tag war lang und die letzte Nacht kurz.
Mittwoch 14. Oktober 2026
Heute wird ausgeschlafen. Um neun Uhr muss man dann allerdings doch mal aufstehen – sonst verpasst man das Hotelfrühstück. Am späten Vormittag machen meine Schwester und ich mich uns auf den Weg zu einer Surfschule, bei welcher wir heute eine Stunde gebucht hatten. Mit einem kleinen Van geht es von der Surfschule zum Strand. Von den sieben Leuten, die mit uns im Auto sitzen, sind doch tatsächlich alle Deutsch. „Sollen wir uns auf Spanisch unterhalten?“ schlage ich meiner Schwester vor, doch man hat uns schon enttarnt. Das Surfen klappt ziemlich gut. Die Wellen haben die optimale Größe, es gibt einen klar erkennbaren Channel, in dem man zurück zum Line-Up paddeln kann, ohne ständig durchgeschleudert zu werden oder Gefahr zu laufen, dass der nächsten Surfer einen überfährt. Bei knapp 80% der Wellen schaffe ich es aufzustehen und tatsächlich auch die Welle bis zum Ende zu fahren – eine deutliche Verbesserung zu meinen bisherigen Surfversuchen. Der einzige Haken dabei ist: Je mehr Wellen man bekommt, desto öfter muss man logischerweise auch zurückpaddeln. Ich bin nach Ablauf der zwei Stunden ganz schön fertig! Den Nachmittag verbringen wir am Strand; meine Tante und meine Eltern waren inzwischen auch hierhergekommen. Nach dem Sonnenuntergang fahren wir schließlich zurück nach Kuta und gehen dort in einem Argentinischen Woodfire Steakhouse essen. Das Fleisch schmeckt unglaublich gut – und ein 300g Tenderloin Steak kostet keine zwanzig Euro.
Donnerstag 15. Oktober 2026
Um neun Uhr holt uns ein Fahrer am Hotel ab. Über kleine Straßen geht es dann immer weiter ins Inland Lomboks. Links und rechts der Straße ziehen Reisfelder an uns vorbei, Roller mit einer ganzen Familie darauf überholen uns, die „Lisas“ waren einmal aus Kuta raus verschwunden. Nach anderthalb Stunden Fahrt erreichen wir unseren ersten Stopp, den Benang Stokel Wasserfall. Ein kurzer Spazierweg führt vom Parkplatz zu der Kaskade, die in der Regenzeit bestimmt ein bisschen beeindruckender wäre. So sehr ich noch immer für jede Wasserfall-Wanderung zu haben bin, haut mich inzwischen kein Wasserfall mehr so richtig um – zu viele hatte ich in den letzten drei Jahren besucht. Unser nächstes Ziel ist der kleine, am Rande des Mount Rinjani National Parks gelegene Ort Tetebatu. Hier essen wir erst zu Mittag, bevor wir dann mit einem Guide durch die Region wandern. Wir besuchen den in einer Höhle gelegenen Sarang Walet Wasserfall und laufen anschließend auf versteckten Pfaden durch die Reisterrassen zurück zum Auto. Unser Guide ist ortskundig und gesprächig. Er erklärt uns, wie der Reis geerntet wird, und zeigt uns zahlreiche andere Pflanzen, die wild am Rande der Reisfelder wachsen: Mangos, Papayas, Vanille, Drachenfrüchte, Thai-Basilikum, Nelken – die Natur hier ist ein regelrechter Garten! Auf dem Weg nach Hause halten wir noch an einem Aussichtspunkt, um auch den heutigen Sonnenuntergang nicht zu verpassen und machen uns dann müde auf den Rückweg nach Kuta, wo wir ein weiteres Mal in dem Steakhouse einkehren. Anschließend stöbern wir noch durch die T-Shirt-Stände am Straßenrand. Ich bekomme ein neues Deutschlandtrikot – das pinke, welches ich mir in Südafrika zugelegt hatte, sah inzwischen ziemlich abgewetzt aus. Es ist schon beeindruckend, dass man so ziemlich überall auf der Welt eine größere Auswahl an Deutschen Nationaltrikots findet als (außerhalb der WM-Saison) in Deutschland selbst.
Freitag 16. Oktober 2026
Am nächsten Vormittag verlassen wir Kuta. Unser Fahrer holt uns am Hotel ab und bringt uns von dort mit einigen Stopps an netten Aussichtspunkten zu dem Fährhafen, von welchem ich am Montagmorgen gestartet war. Die drei Gili-Inseln sind am Horizont schon sichtbar. Die Fähre zu den Gillis ist das einzige Transportmittel in unserem Urlaub, das wir nicht im Voraus gebucht hatten – die Fahrt dauert nur 10 Minuten und Fähren gehen permanent. Als wir am Hafen ankommen, betraue ich also unseren Guide mit der Organisation eines Bootes. Er zückt sein Handy ruft jemanden an und fährt uns schließlich zu einer kleinen Lagerhalle, etwas abseits des eigentlichen Hafens. Dort liegt am Strand ein kleines Motorboot. Zügig haben ein paar junge Männer unsere Koffer durch das knietiefe Wasser in das Speedboot verladen und wir sind unterwegs. Meine Schwester ist nicht sonderlich begeistert von der lokalen Fähre – sie hat dort etwas andere Ansprüche als ich. Dabei hat das private Speedboot einige Vorteile: Es kostet das gleiche, wie die öffentliche Fähre, ist schneller, man spart sich die Wartezeit sowie das Chaos am Hafen – dafür kann man schon mal in Kauf nehmen, dass durch die undichten Scheiben ein wenig Wasser ins Boot läuft 😉 Keine 300 Meter vom Fähranleger entfernt, befindet sich unser Hotel, das im gleichen Zuge auch Tauchbasis ist. Gili Trawangan könnte touristischer nicht sein. Die gerade einmal 3,5 km² große Insel lässt sich joggend in unter einer Stunde umrunden, die Uferpromenade wird dabei auf ihrer gesamten Länge von Beachclubs, Restaurants, Resorts, Tauchbasen und Shops gesäumt. Motorisierte Fahrzeuge sind auf der Insel verboten, stattdessen bewegt man sich mit Fahrrädern, Kutschen oder E-Rollern fort. Nachdem wir uns ein wenig im Hotel ausgeruht haben, spazieren wir am späten Nachmittag um die Südspitze herum bis zu einer komplett in pink gestalteten Beachbar, von wo aus wir uns den Sonnenuntergang angucken.
Samstag 17. Oktober 2026
Um halb neun stehen wir bei der Tauchbasis auf der Matte und bereiten uns auf den ersten Tauchgang vor. Mit der Pferdekutsche wird unser Equipment zum Hafen gebracht, dort geht es dann aufs Boot. Die Tauchplätze sind alle unmittelbar um die Gilis gelegen und so dauert die Bootsfahrt nur wenige Minuten. Der erste Tauchgang findet an einem Steilhang statt, dem Halik Reef. Eine Strömung treibt uns zügig über das Riff, von dem leider nicht mehr viel übrig ist. In meinem Logbuch steht später „Drifttauchgang über abgestorbene Korallenflächen“ – das trifft es ziemlich gut. Immerhin Schildkröten, die auf den toten Flächen, nach Futter suchen, gibt es zahlreiche. Wieder an der Oberfläche bin ich zugegebenermaßen etwas enttäuscht – vor allem weil man uns erzählt hatte, dass das einer der Top-Tauchplätze auf den Gilis sei. War ich nach den zahlreichen Weltklasse-Tauchplätzen im Pazifik vielleicht einfach verwöhnt?! Der zweite Tauchgang bietet schon ein wenig mehr Korallen – dafür ist der Tauchplatz aber vollkommen überlaufen. Es sind mindestens zehn Tauchboote dort – jedes mit um die 20 Tauchern. Unterwasser sieht man ein regelrechter Vorhang aus Blasen. Der Boden ist mit lilafarbenen Korallen in Trichterform bedeckt, eine leichte Strömung treibt uns gemächlich um einen Pinnacle herum. Nachdem wir etwas essen waren, verbringen wir den Nachmittag in einem der Beachclubs auf der Nordostseite der Insel. Am Abend kehren wir dann in einem der zahlreichen Restaurants an der Promenade ein.
Sonntag 18. Oktober 2026
Auch heute geht es wieder Tauchen. Als erster Tauchspot steht „Turtle Heaven“ auf dem Plan. Die Strömung dort ist sich nicht so sicher, was sie will – mal geht sie in die eine, mal in andere Richtung. So treiben wir den ganzen Tauchgang über mehr oder weniger auf demselben 200m langen Abschnitt des Riffs hin und her. Das ist dafür bunt und sehenswert – zumindest oberhalb der Sechs-Meter-Linie. Kleine Clownfische verstecken sich in ihren Anemonen, Ein gelber Trompetenfisch jagt zwischen den Korallenblöcken hindurch und auch an Schildkröten mangelt es am „Turtle Heaven“ nicht. Da wir heute den 2. und 3. und nicht wie gestern den 1. und 2. Tauchgang des Tages machen, haben wir zwischen den Tauchgängen eine längere Mittagspause. Nachdem wir etwas gegessen haben, ruhen wir uns ein wenig auf unseren Zimmern aus. Ich will die Zeit nutzen, um kurz den neuen Blogpost hochzuladen, den ich gestern Abend noch fertig geschrieben hatte, doch meine Website macht erneut Probleme – ich kann mich nicht ins Backend einloggen. Verursacher des Problems (und der Probleme in der letzten Woche) ist, wie sich später zeigt, eine fehlerhafte .htaccess-Datei. Der zweite Tauchgang ist traumhaft: Das Wasser ist glasklar, es ist zur Abwechslung mal keine Strömung. Innerhalb der ersten fünf Minuten sehen wir gleich zwei Mantis Shrimps – und natürlich ist ausgerechnet das der einzige Tauchgang, bei dem wir die Kamera nicht dabeihaben. Fische sind in großen Schwärmen unterwegs. In 15 Meter Tiefe liegen hier zudem die Überreste eines alten Pontons, der einst als Steg für eines der Resorts diente und nun zum künstlichen Riff geworden ist. Am Nachmittag lassen wir uns in einem netten Café am Strand nieder und ruhen uns dann noch einmal kurz im Hotel aus, bevor wir uns am Abend mit einer der Kutschen auf den Weg auf die Westseite der Insel machen. Dorf befindet sich ein Resort, welches jeden Abend in einem Open-Air-Kino am Strand Hollywood-Klassiker zeigt. Heute Abend auf dem Programm: Coco. Bei leckerem Popcorn gucken wir den berührenden Disney-Film.



























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