Montag 06. Juli 2026
Früh am Morgen verlassen wir die geschützte Bucht von Musket Cove und fahren die letzten fünfzehn Seemeilen nach Nadi. Nadi, ausgesprochen Nandi, ist eine der größten Städte Fidschis und liegt am westlichen Rand der Hauptinsel Viti Levu, die mit 10.531 Quadratkilometern etwa zwei Drittel der Fläche Schleswig-Holsteins misst. Da wir unseren Marina-Slip erst von Mittwoch an gebucht hatten, ankern wir zuerst noch vor der Marina. Als wir gegen Mittag schließlich mit dem Dinghy dort anlanden, verschlägt es uns die Sprache: Im Hafen reihen sich westliche Restaurants, Eiscreme-Shops und Souvenirlädchen aneinander. Im Trubel zwischen den Touristen verlieren Tony und ich sogleich Mike, den wir beim Büro der Marina abgesetzt hatten. Nachdem wir den halben Hafen abgesucht haben, kommen wir auf die Idee auch in den Bars zu gucken – und tatsächlich: In der dem Büro nächstgelegenen Bar sitzt Mike mit einem Piña Colada in der Hand. Wo wart ihr denn solange? Zum Mittag lassen wir uns in einem der zahlreichen Restaurants nieder und verbringen anschließend den Nachmittag auf dem Boot, bevor wir am frühen Abend, pünktlich zum Achtelfinalspiel Mexiko gegen England, in dasselbe Restaurant zurückkehren. Das Spiel ist spannend, dazu gibt es Corona-Bier in Eimern von je fünf Flaschen und so nimmt der Abend einen feuchtfröhlichen Lauf.
Dienstag 07. Juli 2026
Von einem Taxifahrer lassen Tony und ich uns am Morgen zum Flughafen bringen und holen dort, nachdem wir bei Burger King gefrühstückt haben, einen Mietwagen ab. Zum Mittag treffen wir uns schließlich mit Mike in dem Restaurant, in dem wir schon gestern zweimal gewesen waren – die USA spielen gegen Belgien. Mike hat gute Nachrichten für uns – es war ihm gelungen, den Marina-Slip bis zum 18. Juli zu verlängern. Bisher hatten wir diesen nur bis Ende der Woche reserviert gehabt – das wäre mit allem, was getan werden musste, ziemlich knapp geworden. Den Nachmittag verbringen wir unter Wasser und schrubben bei einem halben Meter Sicht unseren inzwischen schon wieder ziemlich grünen Rumpf. Auf dem Rückweg vom Mittagessen waren wir der Crew von dem norwegischen Holzboot, mit dem wir uns vor einigen Tagen den Ankerplatz geteilt hatten, begegnet. Diese lud uns ein, am Abend auf einige Drinks, in eines der Restaurants in der Marina zu kommen, um den Abschied eines der Crewmitglieder zu feiern. So verbringen wir gemeinsam mit der Crew des Holzbootes und der mit ihnen befreundeten Crew einer anderen Yacht den Abend.
Mittwoch 08. Juli 2026
Sobald der Liegeplatz frei ist, manövrieren wir am Morgen unser Boot in die Marina. Keine Viertelstunde später stehen auch schon die Arbeiter der Werft auf dem Dock und beginnen mit den Arbeiten für die neue Ankerwinsch. Um nicht im Weg zu stehen, fahren Tony und ich mit dem Auto in die Stadt und kümmern uns dort darum, ein paar Dinge von unserer langen Shopping-Liste zu streichen. Der Kontrast zwischen der Stadt und der Marina könnte kaum stärker sein. Die gesamte Marina und alle Anlagen drumherum sind schick und modern, es gibt bewässerte Grünanlagen, Blumen am Straßenrand, luxuriöse Resorts, Apartments mit Meerblick, schicke Restaurants und einen ausgedehnten Golfplatz. Verlässt man das Gelände der Marina, so findet man sich schnell in einer lauten und bunten Welt wieder, die um ihren indischen Einfluss keinen Hehl macht. Für unser Shopping-Vorhaben ist das nicht unbedingt förderlich: Anstatt großer Super- und Baumärkte schlagen wir uns auf der Suche nach Dingen hauptsächlich durch kleine, indische Gemischtwarenlädchen. Inmitten der Innenstadt treffen wir auf einen großen Hindu-Tempel, dem wir einen kurzen Besuch abstatten. Als wir am Nachmittag in die Marina zurückkehren, ist unsere alte Ankerwinsch schon ausgebaut, die Löcher im Deck mit einer ersten Schicht Fiberglas geflickt – wenn die mit dem Tempo weiterarbeiten, wird das ja vielleicht doch schon bis Ende dieser Woche etwas! Nach über zwei Monaten, die vergangen waren, seit wir in Papeete zuletzt in der Marina waren, gönne ich mir am Nachmittag mal wieder eine richtige Dusche – was ein Luxus! Nach dem Abendessen sieht alles nach einem ruhigen Abend aus, bis plötzlich Angus, Crewmitglied auf einer Yacht, den wir gestern Abend kennengelernt hatten, anruft und Tony überzeugt, noch einmal loszuziehen. Auch Mike kommt mit, ich bleibe auf dem Boot – nachdem bereits die letzten zwei Abende lang und feuchtfröhlich waren, brauchte ich eine Pause.
Donnerstag 09. Juli 2026
Auch heute verbringen Tony und ich den Vormittag in der Stadt auf Shoppingtour, um auf dem Boot niemanden im Weg zu stehen. Wir hatten ein bisschen recherchiert, und so finden wir heute tatsächlich einige gut sortierte Fachgeschäfte – deren Existenz hier hatten wir gestern noch angezweifelt – und können eine ganze Reihe Dinge von unserer Liste streichen. Beim Mittagessen sitzen Mike und ich allein am Tisch, Tony war auf einem Date mit Hannah, einer der Crews von dem Holzboot, auf die er schon bei unserer ersten Begegnung mit diesem ein Auge geworfen hatte. Am Nachmittag kommen die beiden zusammen zum Boot und Tony schlägt vor, dass wir einen weiteren Einkauf machen – ein guter Vorwand, damit er dabei Hannah, die heute von Bord des Holzbootes gegangen war, zu ihrem Hostel fahren kann. Seine Intention sofort verstehend ziehe ich mir meine Schuhe an und wir fahren „einkaufen“.
Freitag 10. Juli 2026
Auch heute erledigen Tony und ich am Morgen noch ein paar Besorgungen. Das Team der Werft lackiert derweil, die inzwischen fertig gepatchten Löcher in unserem Deck – morgen könne die neue Winsch installiert werden. Gegen Mittag kommt zudem der Rigger zu Inspektion unseres Riggs, dem Aufbau aus Stahlseilen und Leinen, der den Mast stabil hält. Schnell gibt es schlechte Neuigkeiten: Unser Fockstag, das den Mast mit der Bugspitze verbindende Drahtseil ist beschädigt. Wir erhalten einen Termin Ende nächster Woche, um diesen neuzumachen, doch da der Rigger seine Werkstatt in der anderen Marina in Nadi hat, müssten wir dafür noch extra dorthin wechseln. Nervig, aber es hilft nichts. Am Nachmittag kommt Angus vorbei. Gemeinsam sitzen Mike, er und ich im Cockpit und warten darauf, dass Tony zurückkommt. Dieser hatte sich um 11 Uhr das Auto genommen, um Hannah zum Mittag auszuführen und war inzwischen seit über vier Stunden verschwunden. Nachdem Tony schließlich irgendwann wieder auftaucht, fahren wir gemeinsam zu einer an einem Fluss gelegenen Bar in der Innenstadt. Doch nicht nur schließt diese bereits um 20 Uhr, auch lässt dort ein ziemlich angetrunkener Local nicht von uns ab – besonders nicht von Mike, den er immer wieder mit „Chief!“ anspricht. So wechseln wir in einen Nachtclub namens „The White House“. Sonderlich viel ist hier auch nicht los. Abgesehen von uns und einer Gruppe Locals die von unserer Anwesenheit begeistert ist, ist der kleine Club leer. Eigentlich haben wir grade beschlossen, dass der Club ziemlich langweilig ist, und wir lieber in eine der Bars in der Marina zurückkehren würden, als Mike und Angus die Chance wittern irgendwo Kokain aufzutreiben. Ich bekomme davon nicht viel mit, doch höre später, dass die beiden wohl für 400 US-Dollar ein Gramm der Droge gekauft hatten. Was ich mitbekomme, ist, dass die Idee, in die Marina zurückzukehren, nun vom Tisch ist, stattdessen ziehen wir – nachdem die Diskothek schließt – gemeinsam mit den Locals weiter in einen anderen Club. Die Nacht wird lang, Spaß habe ich wenig.
Samstag 11. Juli 2026
Nach der langen Nacht gestern, ist es an Bord heute ruhig. Zum Glück müssen wir nicht arbeiten, das machen die Leute der Werft für uns. Den ganzen Tag schrauben sie an der neuen Ankerwinsch; pünktlich zum Feierabend ist sie schließlich fertig. Zwar nicht ganz so schick wie die alte Winsch, bietet die neue Winsch einen leistungsstärkeren Motor, eine Fernbedienung inklusive Display mit Angabe, wie viele Meter Ankerkette gerade draußen sind, und nicht zuletzt einen manuellen Modus, mit dem man die Kette wieder hochbekommt, falls der Motor kaputt gehen sollte. Den Vormittag über schreibe ich an meinem Blog. Nachdem dieser fertig ist, widmen wir uns dann gemeinsam einem neuen Blogpost für Mikes Blog. Am Abend gehen wir schließlich wieder in einem der Restaurants auf dem Marina-Gelände essen. Die Auswahl, die uns anfangs noch begeistert hatte, wirkt inzwischen ermüdend – wir können die Speisekarten der drei Restaurants, zu denen wir im Wechsel gehen, auswendig. Generell fühlt sich das Marina-Gelände mit seinen schicken Restaurants, der immer laufenden Musik und den ganzen Touristen fast schon nach Freizeitpark an – eine Parallelwelt zum echten Fidschi. Ob der durchschnittliche Tourist davon wohl etwas sieht?!
Sonntag 12. Juli 2026
Unseren Liegeplatz müssen wir heute verlassen, stattdessen bekommen wir eine Mooring-Boje gleich neben der Marina. Viel passiert den Tag über nicht: Die Winsch war fertig, der Großteil der Einkäufe erledigt. Tony ist gemeinsam mit Hannah unterwegs, ich bastele den Tag über an Stahlseilen herum, mit denen wir die Dieselkanister und Tauchflaschen an Deck auf den Solomonen und in Papua-Neuguinea vor Diebstahl schützen wollten. Am Abend rufe ich meine Eltern an, um meiner Mutter zum Geburtstag zu gratulieren. Auch ich feierte heute: 1000 Tage unterwegs! 500 weitere würden noch folgen. Dass erst zwei Drittel meiner Reise rum sind, macht mich nachdenklich, denn zuhause fühlte sich inzwischen gar nicht mehr so weit weg an: Immerhin würde ich noch auf demselben Boot bis Asien segeln – und Asien war doch schon dieselbe Kontinentalmasse wie Deutschland. Tatsächlich ist Nadi aber der am weitesten von zuhause entfernte Ort, den ich auf meiner Reise besuchen würde – 15.837 Kilometer trennen mich von Rendsburg.













Dann bist du jetzt auch entfernungsmaessig auf dem Rückweg