Im Land der Resorts Im Land der Resorts

Montag 22. Juni 2026

Die beiden Tauchgänge gestern hatten uns so sehr begeistert, dass wir heute unbedingt noch zwei weitere Tauchgänge machen wollten. Doch wie immer gilt: Erst die Arbeit, dann der Spaß und so verbringe ich meinen Vormittag damit unsere Waterline (die war inzwischen schon wieder ziemlich grün) zu schrubben, während Tony Mike den Mast hochzieht, um unser Rigg zu begutachten. Am späten Vormittag geht es dann endlich tauchen und wir erkunden den Abschnitt des Riffs, der zwischen den beiden Bereichen lag, die wir gestern erkundet hatten. Zu unserer Enttäuschung finden wir hier nicht so viele Höhlen und Tunnel wie erhofft. Nach nur 30 Minuten haben wir das ganze Gebiet schon ausgekundschaftet und beenden unseren Tauchgang. Trotzdem springen wir nach einer Mittagspause noch einmal ins Wasser – nun am südlichen Abschnitt des Riffs. Es ist hier gerade mal fünf Meter tief, doch was wir finden, begeistert uns: Höhlen, Höhlen und noch mehr Höhlen! Einige Tunnel schlängeln sich bis zu fünfzig Meter quer durch das Riff, bevor sie an anderer Stelle wieder rauskommen. Ein kleines Stück weiter sinkt der Sandboden schlagartig in die Tiefe ab und wir finden eine große Kaverne. Da der Tauchgang recht flach ist, hält unsere Luft ewig – erst nach über einer Stunde entscheiden wir uns, dass es mal an der Zeit wäre umzudrehen und zum Dinghy zurückzukehren, welches wir am Einstiegspunkt geankert hatten. Am Abend grillen wir, Tony und Mike gucken anschließend einen Film, ich bin müde und lege mich schlafen.

Dienstag 23. Juni 2026

Am Morgen lichten wir unseren Anker und ziehen weiter zu einer anderen Bucht ein Stück weiter südlich, noch immer an der gleichen Insel. Anstatt direkt dorthin zu segeln, segeln wir jedoch erst ein Stück aufs Meer hinaus, um dort Müll loszuwerden. Ja, du hast das richtig gehört! Seit wir vor zwei Wochen Savusavu verlassen hatten, hatten wir keinerlei Möglichkeit mehr gehabt, Müll loszuwerden. In den abgelegenen Dörfern wollte den keiner haben, schließlich gibt es dort kein Abfallsystem – jeder verbrennt seinen Müll einfach. So lagerte sich der Müll langsam, aber sicher an, der Stauraum, in dem wir diesen aufbewahrten, lief über und stank bestialisch. Der auf unserem Boot anfallende Müll besteht zum größten Teil aus Bierdosen und -flaschen. Am Morgen hatten wir also alle unsere Müllsäcke aufgerissen und das Plastik aussortiert, so dass wir diese nun „bedenkenlos“ ins Wasser entleeren konnten. Ein schlechtes Gewissen habe ich dennoch, als ich auf die glitzernde Spur aus Bierdosen hinter unserem Boot schaue. Auch wenn Metall und Glas vielleicht keinen unmittelbaren Schaden anrichten – verrotten werden sie nicht! Unser neuer Ankerspot könnte sich landschaftlicher nicht stärker vom letzten unterscheiden: Statt neben hohen Felsklippen, finden wir uns in einer Landschaft aus seichten grasbedeckten Hügeln wieder, die mehr an eine afrikanische Savanne oder Irland erinnern als an eine tropische Pazifikinsel. Am Nachmittag schlagen Tony und ich uns querfeldein durch das mannshohe Gras und erklimmen den höchsten der Hügel, von welchem man einen perfekten Rundumblick auf Yasawa Island hat. Als wir nach unserer Wanderung am Strand sitzen und Kokosnüsse knacken, diskutieren wir über unsere Überlebenschancen, wenn wir auf einer einsamen Insel stranden würden. Ich gebe mir optimistisch sechs Monate, Tony ist überzeugt, dass ich mich unterschätze. „Warum solltest du nach sechs Monaten sterben, wenn du es schon so lange geschafft hast?“ Mir fällt ‘ne Kokosnuss auf den Kopf oder irgendeine kleine Wunde entzündet sich blöd, irgendwas Penibles“, antworte ich überzeugt davon, dass die kleinsten Gefahren eigentlich die Größten sind. „Klar dir fällt ‘ne Kokosnuss auf den Kopf“ lacht Tony und zieht mich den restlichen Abend damit auf.

Mittwoch 24. Juni 2026

Am Vormittag fahren wir mit dem Dinghy zu einer kleinen Felsinsel nahe unserem Ankerplatz, um dort tauchen zu gehen. Tony fällt, als er ins Wasser steigt, auf, dass seine Maske kaputt ist und so tauchen nur Mike und ich ab, während Tony auf uns wartet. Viel verpasst er nicht – die Sicht ist miserabel, das Korallenriff ausgeblichen. Gegen Mittag ziehen wir weiter und fahren um das südliche Ende der Insel herum zu einem Ankerplatz auf der dem Wind zugewandten Seite. Wieder könnte sich die Landschaft auf dem kleinen Stück nicht drastischer verändern: Statt der grasigen Hügel stoßen wir hier auf massive Felsformationen aus Kalkstein. Nachdem wir in den vergangenen 10 Tagen kaum ein anderes Segelboot gesehen und jeden unserer Ankerplätze ganz für uns allein gehabt hatten, treffen wir hier nun auch wieder auf zahlreiche andere Cruiser. Grund dafür könnten die aus dem Film „Blue Lagoon“ bekannten Sawa-I-Lau-Höhlen sein, die sich an diesem Ankerplatz befinden und zu den Top-Attraktionen der Region zählen. Generell seien wir von nun an im Land der Resorts. An jedem weiteren Ankerplatz in den Yasawas würden wir eines der traumhaften All-Inklusive-Paradiese finden, für die Fidschi weltweit bekannt ist. Unter dem Vorwand, den Halt unseres Ankers prüfen zu müssen, springen Tony und ich am Nachmittag für einen weiteren Tauchgang ins Wasser. Auch hier ist die Sicht nicht überragend, dafür sind die Korallen gesünder – und wir treffen eine Schildkröte. Am Abend gibt es Hähnchen.

Donnerstag 25. Juni 2026

Mike macht uns am Morgen Feuer unterm Hintern: Unmittelbar sobald die Höhlen öffnen würden, würden wir diese kurz besuchen und dann weitersegeln. Der Grund für seinen plötzlichen Zeitdruck: Das Bier war wieder mal alle und auf der übernächsten Insel soll es ein Resort mit einem kleinen Shop geben. Noch bevor die ersten Boote mit Touristengruppen auftauchen, fahren wir zu dem kleinen Strand, an dem sich der Eingang zu den Sawa-I-Lau-Höhlen befindet. Ein Guide führt uns dann als erste Gäste des Tages in die beeindruckende erste Kammer. Durch eine Öffnung in der Decke scheint Sonnenlicht ins Innere und beleuchtet das türkise Wasser in der Höhle. Unter einem Felsvorsprung hindurch tauchen wir anschließend in den zweiten, stockfinsteren Teil der Höhle. Als wir nach einiger Zeit wieder zurück in die erste Kammer tauchen, ist dort schon die erste Tourgruppe. Alles richtig gemacht! Anschließend lichten wir dann den Anker und fahren zu dem versprochenen Shop. Nach einem obligatorischen Piña Colada kauft Mike dem Barkeeper des Resorts vier Kartons voll Bier ab, in dem Shop stocken wir zudem Haferflocken, Mehl und Kekse auf. Dem Tipp anderer Cruiser folgend, machen Tony und ich uns am Nachmittag mit dem Dinghy auf die Suche nach einer Gemüsefarm, die sich in den Mangroven verstecken soll. Dort angekommen begrüßt uns ein junges Mädchen, und führt uns über die riesigen Felder zu ihrem Großvater, der uns direkt vom Feld Kassava-Wurzeln, Spinat, Kürbis und Taro-Blätter verkauft.

Freitag 26. Juni 2026

Am Vormittag wandern Tony und ich auf die andere Seite der Insel, wo sich ein kleines Café und einige Homestays befinden. Zu meiner Überraschung treffen wir dort und auch in den Resorts immer wieder auf zahlreiche junge Reisende. Eine Hostelworld-Suche ergibt, dass die meisten Resorts tatsächlich auch kostengünstige Dormitories anbieten. In Kombination mit einem Pass für die Fähren, kann man so Fidschi recht günstig bereisen, was das Land – anders als das hochpreisige Französisch-Polynesien – bei Backpackern beliebt macht. Australien und Neuseeland sind zudem recht nah. Wenn man eh schon dort ist, ist Fidschi also quasi um die Ecke und die teuren Flüge entfallen ebenfalls. Am Nachmittag nehmen wir den Kompressor auseinander – der Anlasser machte mal wieder Probleme – und füllen anschließend unsere Tauchflaschen. Es fehlen noch zwei der sechs Flaschen, als jemand uns vom Nachbarboot aus anschreit und wild mit den Armen fuchtelt – unser Kompressor sei zu laut! An der Lautstärke des benzinbetriebenen Kompressors besteht kein Zweifel, aber irgendwann müssen wir unsere Flaschen nun mal füllen. Nachdem schließlich alle Flaschen voll sind und der Kompressor ausgeht, wird die Diskussion mit dem Nachbarboot nochmal hitzig, man beleidigt uns und probt Aufstand. Am Abend haben wir ein Buffet am Strand gebucht, das eine dort lebende Familie als Get-together für Cruiser anbietet. Wir lernen viele interessante Cruiser kennen und freunden uns auch mit dem Skipper des Nachbarboots an, der ebenfalls dort und eigentlich ein ganz netter Kerl ist. Das Essen für das Buffet stammt aus einem Lovo, dem traditionellen Erdofen, den wir schon in einem der Dörfer kennengelernt hatten. Feierlich wird unsere Mahlzeit ausgebuddelt, während eine Traube von filmenden Menschen um den Lovo steht. Auch die Kava-Zeremonie, die es im Anschluss an das Essen gibt, wirkt – verglichen mit dem, was wir in den vergangenen Wochen in den abgelegenen Teilen Fidschis kennengelernt hatten – nach einem ziemlichen Touri-Abklatsch und hinterlässt einen faden Beigeschmack.

Samstag 27. Juni 2026

Nach dem langen Abend gestern ist der Morgen heute ruhig. Mir kommt das gelegen, so kann ich meinen nächsten Blogpost schreiben. Die Ruhe und Zeit dazu zu finden war im unplanbaren Bootsalltag nicht immer einfach. Gegen Mittag ziehen wir weiter zum nächsten Ankerplatz, einer kleinen idyllischen Bucht ohne Resort (das ist eine Bucht weiter). Tony und ich gehen eine Runde schnorcheln, doch das Riff enttäuscht. Der Nachmittag verläuft ähnlich ruhig wie der Morgen. Die Stille an Bord ist fast schon beunruhigend. Nachdem der Blog nun online ist, vertiefe ich mich in ein Buch. Noch immer war ich mit „Quo Vadis?“ beschäftigt – wenn wir nicht unter Segeln sind, komme ich einfach zu selten zum Lesen. Am Abend gucken wir gemeinsam einen Film.

Sonntag 28. Juni 2026

Auf der anderen Seite der Insel soll sich ein Flugzeugwrack aus dem zweiten Weltkrieg befinden, an dem man schnorcheln kann. Die Berichte über die genaue Position und darüber, wie viel von dem Wrack noch zu sehen ist, variieren, es gibt also nur einen Weg: Es selbst herauszufinden! Mit Schnorchel-Equipment und Machete ausgestattet fahren Tony und ich an den Strand und folgen von dort einem Trail durchs Unterholz, der uns auf die andere Seite des schmalen Eilandes führt. Mithilfe von GPS schätzen wir, wo sich das Wrack befinden müsste, und machen uns dann durchs flache Wasser schnorchelnd auf die Suche. Über eine Stunde lang suchen wir den gesamten in Frage kommenden Bereich der Bucht ab, doch finden absolut nichts. Enttäuscht geben wir die Suche auf – in Vanuatu, den Salomonen und Papua-Neuguinea dürften wir noch genug WWII-Wracks sehen! Bevor wir uns auf den Rückweg machen, knacken wir noch ein paar Kokosnüsse. Bei der letzten treffe ich anstelle der Kokosnuss mit der Machete meinen Finger. Glücklicherweise ist die Machete ziemlich stumpf und die Wunde so nicht allzu tief. Am Abend lädt uns ein australisches Pärchen, das neben uns ankert und das wir bereits an dem letzten Ankerplatz getroffen hatten, ein, auf ein paar Cocktails auf ihren Katamaran rüberzukommen.

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