Tahiti II: Probleme über Probleme Tahiti II: Probleme über Probleme

Montag 04. Mai 2026

Wir haben gerade unser Airbnb leergeräumt und sind im Begriff, die letzten Dinge ins Auto zu bringen, als plötzlich Mikes Handy klingelt. Am anderen Ende der Leitung ist der Boatyard und hat schlechte Neuigkeiten: Das Boot könne heute doch noch nicht zurück ins Wasser, man müsse die ausgetauschten Through-Hulls erst noch mit einer letzten Schicht Epoxidharz abdichten. Enttäuscht bringen wir unsere Sachen zurück in das Apartment, welches wir glücklicherweise so oder so noch bis Mitte der Woche gebucht hatten, und fahren anschließend zur Werft, um dort sicherzustellen, dass man zeitnah mit den Arbeiten beginnen würde und unser Boot dann zumindest morgen gleich als Allererstes zurück ins Wasser käme. Den nun unfreiwillig gewonnenen, freien Tag nutzten wir zum Shoppen. Erst geht es zu Decathlon, dann zu Carrefour und anschließend nochmal in einige Marine-Shops. Nach zweieinhalb Monaten auf See und auf kleinen Inseln fühlt sich die Auswahl, die die großen Hypermarchés in Papeete bieten, fast ein wenig erschlagend an. Am Nachmittag kehren wir in unsere Unterkunft zurück und gammeln dort den restlichen Tag vor uns hin. Tony und ich unternehmen auf der Suche nach einem Ladekabel für seinen Rasierer und dem Merch-Store der lokalen Brauerei Hinano Tahiti noch einen kurzen Trip ins Stadtzentrum, doch wirklich Lust auf Shoppen hat keiner von uns mehr – zu viel Zeit hatten wir in den letzten Tagen damit verschwendet, zahllose Geschäfte nach irgendwelchen Dingen abzusuchen.

Dienstag 05. Mai 2026

Nun aber! Pünktlich um 7:30 Uhr hebt uns der Travellift von unseren Stelzen und lässt uns ins Wasser. Langsam tuckern wir dann einmal um den gesamten Industriehafen herum in Richtung der Marina, in welcher wir die restlichen Tage in Papeete verbringen wollten. Vor der Einfahrt in den entsprechenden Bereich des Hafens müssen wir warten: Zeitgleich mit uns war niemand Geringeres als die Segelyacht Koru des Amazon-Gründers Jeff Bezos angekommen und hatte – selbstverständlich – Vorfahrt. Die Koru war nicht die einzige Superyacht, die gerade in Tahiti war. Bereits gestern hatten wir in einem der Marine-Stores die Crew der SuRi, einem zur Motoryacht umgebauten Offshore-Spezialschiff, getroffen und gleich am ersten Tag in Papeete war mir die von Lürssen Yachts in Schacht-Audorf gebaute, 126 Meter lange Megayacht Octopus ins Auge gefallen. Nachdem wir erfolgreich in unserem Slip in der Marina angekommen sind, lassen die ersten Probleme nicht lange auf sich warten: Unser Kabel für den Landstrom ist defekt! Da unser Auto noch bei der Werft steht, jogge ich also zum zwanzig Minuten entfernten Marine-Shop. Gerade noch rechtzeitig, bevor dieser zur Mittagspause schließt, falle ich schnaufend durch die automatische Tür in das kleine Geschäft. Doch man muss mich enttäuschen – man hat kein entsprechendes Kabel. Mist! Nachdem ich mir das Auto geholt habe, organisiere ich stattdessen ein einfaches Standard-Stromkabel, das wir dann selbst mit den Steckern des alten, defekten Kabels verdrahten. Der Nachmittag verläuft ruhig. Am Abend verabschiedet Tony sich dann – seine Eltern waren zu Besuch gekommen, daher würde er sich in der kommenden Woche nur hin und wieder auf dem Boot sehen lassen.

Mittwoch 06. Mai 2026

Neben dem Erneuern der Through-Hulls und der Reparatur des Watermakers war die dritte große Sache, die es in Papeete zu erledigen galt, die gesamten Holzelemente des Boots neu mit Klarlack zu versiegeln. Am liebsten wollte Mike das machen lassen und so sollte am Morgen ein professioneller Lackierer kommen, um ein Angebot zu machen – doch auch eine Stunde nach der vereinbarten Zeit taucht der gute Herr nicht auf. Die Wartezeit nutzten wir, um das Boot schon mal dafür vorzubereiten: Das gesamte Deck muss freigeräumt, ein Großteil des Riggs – zahlreiche Umlenkrollen & Leinen – müssen demontiert werden. Tauchflaschen und Dieselkanister lagern wir in das Dinghy aus und lassen dieses neben unserem Boot treiben. Alle Bauteile, die wir demontieren, werden gesammelt, gesäubert, poliert, bis sie glänzen, und schließlich – sofern nötig – geölt. Nach einem Mittagessen im Marina-Restaurant wird das nun ziemlich nackt aussehende Deck dann geschrubbt, was das Zeug hält, kleine Ecken und besonders dreckige Stellen werden mit einer Zahnbürste nachgearbeitet. Am frühen Abend taucht dann schließlich doch noch der einbestellte Lackierer auf. Auf Mikes Frage nach Referenzen erwähnt der angebliche Profi dann jedoch, dass dies das erste Boot wäre, an welchem er solche Arbeiten macht – damit streichen wir ihn dann direkt wieder von der so oder so lediglich zweizeiligen Liste. Am Abend gehen Mike und ich in einem kleinen hippen Restaurant essen und philosophieren bei Lasagne und einem Mojito über meine Pläne nach der Weltreise.

Donnerstag 07. Mai 2026

Tony kam heute zum Helfen vorbei. Gestern Abend hatten wir die Nachricht bekommen, dass unser Watermaker wohl bereits fertig sei. Zuversichtlich holen wir die sensible Maschine ab und schließen sie zum Testen an die entsprechenden Leitungen im Boot an. Was wir dann sehen, ist alles andere als befriedigend: An allen Ecken und Kanten spritzt Wasser aus dem Gerät, und auch Druck kann es nach wie vor nicht aufbauen. Mist! Eine Nachfrage bei der Reparaturfirma ergibt, dass man, um den Watermaker vollständig dicht zu bekommen, ein neues Dichtungsset bräuchte – Lieferzeit vier bis sechs Wochen! Während wir noch am Testen sind, kommt der zweite Lackierer vorbei. Er scheint deutlich mehr Ahnung zu haben, und diskutiert mit Mike eine ganze Weile über die verfügbaren Lacke und die nötige Anzahl an Schichten. Ganz zum Schluss erwähnt er dann ein entscheidendes Detail: Die nächsten drei Monate sei er ausgebucht! Hätte er das nicht gleich sagen können?! Was das für uns heißt, ist uns allen klar: Wenn niemand unser Boot lackieren könne, dann müssten wir es eben selbst machen. Und so legen wir direkt los, kleben die Ränder aller Holzelemente mit Malerkrepp ab und beginnen damit, diese abzuschleifen. Am späten Nachmittag kommen Tonys Eltern vorbei und erlösen uns von der schweißtreibenden Arbeit. Auf ein Bier gucken sie sich das Boot an, später am Abend gehen wir dann gemeinsam Essen.

Freitag 08. Mai 2026

Den gesamten Vormittag verbringen wir damit weiter zu schleifen und abzukleben. Wie bei den meisten Streich- und Lackierarbeiten ist die Vorbereitung fast mehr Aufwand als das eigentliche Lackieren selbst. Ein wenig neidisch gucke ich auf all die modernen Boote um uns herum, die keinerlei Holz und damit auch kaum Arbeit haben – naja, dafür ist unser Boot in jeder Ankerbucht das schönste. Immerhin hatte Mike sich für einen Lack entschieden, bei welchem man nur am Anfang einmal und nicht nach jeder einzelnen Lage schleifen muss. Nach einem Mittagessen bei Burger King können wir dann endlich mit der ersten Schicht Lack beginnen – die dauert uns gerad einmal eine dreiviertel Stunde. Da der Lack knapp sechs Stunden trocknen muss, ist anschließend Feierabend.

Samstag 09. Mai 2026

Direkt nach dem Aufstehen tragen wir die zweite Schicht Lack auf. Anschließend gilt es ein paar Dinge zu erledigen: Wir müssen unsere Gasflaschen, die gefüllt worden waren, abholen und einkaufen. Doch als wir am Eingang der Tiefgarage stehen, in der unser Mietwagen geparkt ist, stoßen wir auf ein Problem – die Tür ist verschlossen! Ein Schild weist auf die Öffnungszeiten hin: Samedi & Dimanche: Fermé. Ernsthaft? Seit wann haben Parkhäuser Öffnungszeiten?! So ärgerlich es ist, uns bleibt schließlich nichts anderes übrig als ein Taxi zu nehmen. Den gesamten Nachmittag regnet es in Strömen und so verziehen wir uns unter Deck. Eine knappe Stunde, bevor die Sonne untergeht, klart es plötzlich auf. Unmittelbar beginnen wir damit alles trocken zu wischen, warten noch ein wenig und holen dann die Pinsel raus. Wir haben gut zwei Drittel des Bootes geschafft, als es plötzlich wieder zu schütten beginnt. Mist! Nicht nur konnten wir so nicht weiterarbeiten, vor allem entstanden nun Wasserflecken auf dem noch nicht getrockneten Lack. Glücklicherweise lassen die sich mit ein wenig schleifen entfernen. Schleifen! Yippee! Nachdem der gröbste Schaden behoben ist, gehen wir in einem kleinen sehr leckeren Restaurant essen.

Sonntag 10. Mai 2026

Noch immer schüttet es wie aus Eimern – und nicht nur das: Es regnet sogar in meinem Bett. An der Stelle, an welcher der Mast durch das Deck ging, war es undicht und tröpfelte hin und wieder mal rein – ein bereits bekanntes Problem. Doch durch die immensen Wassermengen des gestiegenen Tages lief das Wasser nun über der Deckenverkleidung entlang, bis zu deren niedrigsten Punkt – einem Schraubenloch direkt über meinem Kopfkissen. Mein Bett war klitschnass, meine Nacht entsprechend miserabel. Doch nichts deutet darauf hin, dass das Wetter sich bald ändern würde. Lebt man auf einem Boot, so schränkt Regen den eigenen Bewegungsradius ziemlich ein und so gammele ich die meiste Zeit in meinem Bett vor mich hin. Später am Vormittag machen Mike und ich einen Spaziergang durch die regnerische Marina – ein bisschen frische Luft schnappen – anschließend schlägt Mike vor, uns in eine Bar zu setzten und ein Bier zu trinken. Auf meinen Kommentar, dass es erst 11 Uhr ist, erwidert er nur „Was soll man bei dem Wetter sonst machen?“. Nachdem das Bier leer ist, bestellen wir uns eine Pizza und verziehen uns mit dieser wieder ins Boot, wo wir gemeinsam einen Film gucken. Am späten Nachmittag stoppt der Regen plötzlich und wir nutzten die Gelegenheit für eine letzte Schicht Lack. Aus unseren Fehlern gelernt hatten wir dabei nicht wirklich: Dreißig Minuten nachdem wir fertig sind, beginnt es erneut zu regnen und Wasserflecken zerstören unsere Arbeit ein weiteres Mal. Am Abend treffe ich mich mit Tony und seinen Eltern zum Bowlen, Mike ist fertig und bleibt auf dem Boot.

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