Montag 15. Dezember 2025
Nachdem das Hotelfrühstück gestern ewig gebraucht hatte, lassen wir es heute von vornherein bleiben und gehen stattdessen in einem Café direkt neben der Tauchbasis frühstücken. Pünktlich um viertel vor neun stehen wir dann an der Tauchbasis und probieren das Leihequipment an. Neben uns ist noch eine junge Litauerin vor Ort, die ebenfalls tauchen möchte. Des Weiteren teilen wir uns das Boot mit einer großen Touristengruppe, die die Insel zu Fuß erkunden würde. Nach einer Stunde Fahrt taucht die „Isla de la Plata“ am Horizont auf. Wir setzen kurz die Touristengruppe ab und fahren dann zum ersten Tauchspot. Mit einer Rückwärtsrolle geht es ins kühle Nass und auf 20 Meter Tiefe. In den Felsen am Grund verstecken sich zahlreiches Getier: Unzählige Muränen, gut getarnte Steinfische, ein Flötenfisch und sogar einem Oktopus begegnen wir. Mitten im Tauchgang zieht auf einmal, wie ein fliegender Teppich, ein großer Schatten vor uns entlang: Ein Manta-Rochen! Leider ist die Sicht nicht optimal und so bleibt es eine Frage der Vorstellungskraft, in dem Schatten einen Manta zu sehen. Als wir auf dem Rückweg über eine große Sandfläche schwimmen, entdecken wir dort zwei riesige Stachelrochen mit einem meterlangen Schwanz. Auch beim zweiten Tauchgang treffen wir auf einige große Stachelrochen und dutzende Muränen – eine nähere Begegnung mit dem Manta bleibt aus. Als wir den Hafen von Puerto Lopez erreichen, ist es bereits später Nachmittag. Für ein Stück Kuchen und einen Kaffee setzen wir uns in ein kleines Café und ruhen uns anschließend ein wenig in den Hängematten vor unserem Bungalow aus. Am Abend sind wir mit der Litauerin, Kortyna, zum Essen verabredet. Bei Pizza und Cocktails tauschen wir unsere Geschichten aus und lassen den Abend ausklingen.
Dienstag 16. Dezember 2025
Die letzten zwei Tage ging es jeweils früh aus dem Bett und so ist am heutigen Morgen erstmal Ausruhen angesagt. Das heißt allerdings nicht, dass wir heute nicht tauchen gehen würden – einen dritten sehenswert klingenden Tauchspot hat Puerto Lopez noch zu bieten! Gegen Mittag bestellen wir uns in einer der zahlreichen Strandbars zwei Crêpes und machen uns dann auf den Weg zur Tauchbasis. Mit einem Tuk-Tuk werden wir und unsere Ausrüstung zum Hafen befördert, auf dem Weg hält man noch kurz und kauft ein paar Bananenchips als Snack für die Tour. Das Boot des heutigen Anbieters unterscheidet sich grundlegend von denen der letzten zwei Tage. Kein Ausflugsboot mit Tauchleiter und Flaschenhaltern, stattdessen ein kleiner Fischerkahn mit Außenborder. Obwohl unser Tauchplatz mit dem Namen „Los Ahorcados“ deutlich näher gelegen ist als die Isla de la Plata, brauchen wir mit dem lahmen Bötchen, das sich mit dem kleinen Motor gegen die Wellen ankämpft, fast genauso lange dorthin – die Bootsfahrt war ein Abenteuer für sich! Aber als wir uns wenig später in absoluter Schwerelosigkeit von der Strömung durch ein mit bunten Weichkorallen bewachsenes Riff treiben lassen, ist das wieder vergessen. Der Tauchplatz unterscheidet sich deutlich von den anderen beiden: Viele bunte Korallen, dafür wenig Fisch! Der zweite Tauchgang ist der dreihundertste meines Vaters. Zum Jubiläum wünscht er sich eine Schildkröte – und er bekommt sie! Mühelos durch die Strömung gleitend begegnen wir dem Tier im Blauwasser am Rande des Riffs. Als ich meinen Kopf wieder über die Wasseroberfläche hebe, beginnt es bereits zu dämmern. Die Rückfahrt mit dem Boot dauert wieder eine gefühlte Ewigkeit, zumal der Fahrwind einen in dem nassen Neopren schnell auskühlen lässt – da freut man sich auf die warme Dusche im Hotel.
Mittwoch 17. Dezember 2025
Gemütlich frühstücken wir am Morgen im Hotel. Bei unserer Reiseplanung hatte es sich nur schwer umgehen lassen, dass wir heute nach Quito fahren: Ich verbringe meinen Geburtstag also mit einer zehnstündigen Busfahrt. Naja, immerhin kann ich die Zeit produktiv nutzen und meinen Blog weiterschreiben – dazu war ich in den letzten Tagen nicht gekommen. An dieser Stelle entschuldige ich mich für die vielen Rechtschreibfehler in dem entsprechenden Post – ich hatte bei „den Blog schreib ich einfach auf der Busfahrt“ nicht mit einkalkuliert, wie schlecht die Straßen in Ecuador sind. Um halb neun am Abend erreicht der Bus endlich den Busbahnhof von Quito – zweieinhalb Stunden später als geplant, elf Stunden später, als es mir lieb gewesen wäre! Ich hasse lange Busfahrten! Ein Taxi bringt uns zu unserem Hotel – zu Ehren meines Geburtstags hängen Luftballons an der Decke unseres Zimmers und es steht ein kleiner Kuchen auf dem Tisch. Zum Abendessen gehen wir in eine direkt neben unserem Hotel gelegene Rooftop-Bar. Lecker, aber kalt! Waren in Puerto Lopez noch an die 30 °C, sind im hoch gelegenen Quito nun nur noch 15 °C.
Donnerstag 18. Dezember 2025
Quitos Altstadt zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe – und unser Hotel befindet sich mitten darin. So haben wir es am Morgen nicht weit zu den ersten Sehenswürdigkeiten. Durch hügelige Kopfsteinpflastergassen laufen wir am Plaza de la Independencia zu einer großen, uns ins Auge stechenden Kirche, die auf einer Erhebung über der Stadt thront. In dem Altstadt-Itinerary, das ich mir zur Übersicht hatte generieren lassen, listet ChatGPT unzählige weitere Kirchen, die sehenswert sein sollen, auf, doch wir sind uns glücklicherweise beide einig, dass wir nicht jede davon sehen müssten. Stattdessen machen wir uns, nachdem wir einen guten Eindruck von der Altstadt bekommen, auf den Weg zur „Mitad del Mundo“. Quito liegt nahezu exakt auf dem Äquator. Inzwischen ist es das vierte Mal auf meiner Reise, dass ich am Erdmittellinie vorbeikomme. Nach ein paar Fotos mit dem Denkmal fahren wir, mit Mittags-Stopp im Foodcourt einer auf dem Weg gelegenen Shoppingmall, weiter zum „TelefériQo“. Die Seilbahn führt vom westlichen Stadtrand Quitos auf den 4000 Meter hohen Vulkan „Pichincha“ hinauf. Leider macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung – als wir an der Bergstation ankommen, sehen wir nicht den versprochenen Panoramablick, sondern lediglich eine Wand aus dichtem Nebel. Am Abend spazieren wir noch eine Runde durch die touristische „Calle La Ronda“ und gehen dann in einem Burgerrestaurant essen.
Freitag 19. Dezember 2025
Unser letzter gemeinsamer Tag brach an. Von einem Uber lassen wir uns nach dem Frühstück zu einem Aussichtspunkt bringen, der uns gestern ins Auge gefallen war. Leider ist die Sicht auch heute noch etwas diesig, so kann man zwar auf die riesige Metropole herunterschauen, sieht aber leider nichts von den Vulkanen um sie herum. Da wir auf dem Berg keinen Empfang haben, fahren wir mit einem Stadtbus wieder herunter und laufen im Anschluss quer durch einen Straßenmarkt zurück ins historische Zentrum. Zum Mittag gehen wir noch gemeinsam in einem schicken Restaurant mit Blick über den „Plaza de San Francisco“ essen, bevor es dann an der Zeit ist Abschied zu nehmen. Der Flughafen-Shuttle wartet bereits in der Hoteleinfahrt. Fest drücke ich meinen Vater in die Arme und winke dann dem im Stadtverkehr verschwindenden Auto hinterher. Wo wir uns das nächste Mal wiedersehen würden? Vielleicht in Tahiti? Indonesien? Kuala-Lumpur? Wehmütig kehre ich ins Hotelzimmer zurück, wo ich den restlichen Tag damit verbringe, mit dem Blogschreiben wieder etwas aufzuholen.
Samstag 20. Dezember 2025
Rechtzeitig checke ich aus dem Hotel aus und fahre mit einem Stadtbus auf die Nordseite Quitos. Ecuador hätte definitiv noch einiges zu bieten gehabt – zahlreiche Vulkane, die Amazonas-Regionen, schöne Kolonialstädte – doch ich wollte zur „Feira de Cali“, dem weltgrößten Salsa-Festival, in Cali und so machte ich mich auf den Weg nach Kolumbien! Da ein Bus bis zur 200 Kilometer entfernten Grenze nicht wesentlich mehr kostet als ein Uber zum Stadtrand, lasse ich das Trampen bleiben. Im Endeffekt ist der Bus sogar ganz umsonst, denn als ich am Schalter ein Ticket kaufen will, drückt man mir dieses einfach so in die Hand und rät mir zu rennen – der Bus fahre jede Sekunde los. Sechs Stunden vergehen bis wir in Tulcán, der letzten ecuadorianischen Stadt ankommen. Von dort geht es in einem kleinen Sammeltaxi weiter an die Grenze. Man sollte meinen, dass am Grenzübergang zwischen Ecuador und Kolumbien, zwei Ländern, die für Drogenhandel bekannt sind, streng kontrolliert wird, doch das Gegenteil ist der Fall. Das Collectivo fährt einfach über die Grenze rüber und lässt mich direkt auf der kolumbianischen Seite raus. Es liegt in meiner Verantwortung noch einmal zurückzulaufen und mir ordnungsgemäß meinen Ein- und Ausreisestempel abzuholen. Nur wenige hundert Meter von der Grenze entfernt, gibt es einen Campingplatz, auf dem ich heute Nacht mein Lager aufzuschlagen plante. Allerdings sehe ich, während ich in einem Restaurant an der Grenze zu Abend esse, dass ich im nur wenige Kilometer entfernten Ipiales, für denselben Preis auch in einem Hostel schlafen könne – da muss ich nicht lange überlegen!
Sonntag 21. Dezember 2025
Unentschlossen sitze ich am Morgen im Hostel und schmiere mir Erdbeermarmelade auf mein Brötchen. Ich hatte soeben ein wenig recherchieren wollen, wie geeignet es hier zum Trampen war, und war auf fatale Ergebnisse gestoßen. In der zwischen mir und meinem Zielort Cali liegenden Cauca-Region herrschte seit Jahrzehnten ein Konflikt zwischen der Regierung und Guerilla-Gruppierungen – vom Trampen wird stark abgeraten, zahlreiche Quellen raten sogar dazu, nicht einmal mit dem Bus dort durchzufahren, sondern besser zu fliegen. Dazu kam Cali selbst: Die Stadt soll – abseits der touristischen Viertel – eine der gefährlichsten Kolumbiens sein. Das Hostel, was ich für dort bereits vor zwei Wochen reserviert hatte, lag weit außerhalb dieser Touristenviertel – und die 3-von-10-Sterne-Bewertung sprach auch nicht unbedingt für dessen Sicherheit. Alle zentralen Hostels waren aufgrund des Salsa-Festivals jedoch bis aufs letzte Bett ausgebucht. Nach langem Abwägen gebe ich meine ursprünglichen Pläne auf und entscheide ich mich dazu, noch einige Nächte in Ipiales zu bleiben, Cali nicht zu besuchen und im Norden Kolumbiens auf Busse anstelle meines Daumens zu setzen. Nachdem die Entscheidung getroffen ist, bleibt mir viel Zeit in Ipiales und so mache ich mich, der Empfehlung eines Amerikaners, mit dem ich mir das Dormitory teile, folgend, auf dem Weg zum Santuario Las Lajas. Auf die Beschreibung des Amerikaners bauend hatte ich eine kleine, abgelegene Kirche, die in einer imposanten Schlucht sitzt, erwartet. Als das Collectivo 20 Minuten später in Las Lajas ankommt, finde ich jene auch. Allerdings ist sie keineswegs abgelegen – sie scheint die Hauptattraktion der Region zu sein und ist ohne Ende von Touristen überlaufen. Ein groß angelegter Spazierweg, mit Restaurants und Souvenirshops rechts und links führt zu dem über der Schlucht thronenden Gotteshaus, in dem gerade eine Messe stattfindet. Einige Zeit erkunde ich die verschiedenen Aussichtspunkte rund um die Kirche, bevor ich mich am Nachmittag auf den Rückweg mache und im Hostel noch den nächsten Blogpost fertigstelle.



























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