Montag 28.07.2025
Dan, der Amerikaner aus meinem Zimmer, hatte noch ein paar Eier sowie Mehl, dass er mir vermachte. So beschließe Ich zum Frühstück Pancakes zu machen. In der Hostel-Küche stelle Ich dann betrübt fest, dass es weder eine Pfanne noch Zucker gibt – doch das hindert mich nicht am Pfannkuchen machen, auch wenn die so eher so Kaiserschmarren werden. Nach dem Frühstück packe Ich meine Sachen – Ich würde heute schon weiterziehen. Mein nächstes Ziel, Buenos Aires, ließ sich theoretisch mit einer Fährverbindung in weniger als zwei Stunden erreichen, doch die Fähre war nicht ganz billig und so hatte Ich mich entschieden, stattdessen die 500 Kilometer lange Straßenverbindung entlangzutrampen. Mein Rucksack lasse Ich an der Rezeption stehen, um bevor Ich mich auf den Weg mache, noch ein wenig die Stadt zu erkunden, Dan begleitet mich. Historische Kolonialgebäude, kopfsteingepflasterte Gässchen, kleine Cafés und Lädchen, eine Handvoll Touristen – Colonia del Sacramento macht wirklich einen idyllischen Eindruck. Sonderlich groß ist die Stadt nicht und so haben wir schon nach einer knappen Stunde, die wir in herrlichstem Sonnenschein durch die Altstadt spaziert waren, alles gesehen. „Wenn Ich dir das Fährticket zahlen würde, würdest du es annehmen?“ fragt mich Dan auf einmal als wir an einem Aussichtspunkt auf das Meer blicken. Ich zögere. Klar wäre die Fähre schneller und komfortabler, doch was brachte es mir zwei Tage früher in Buenos Aires zu sein? War nicht der Weg das Ziel? Dennoch war mir klar, dass Ich die Fähre einzig und allein ihres Preises wegen nicht nahm. Dan hatte mein Zögern bereits als „Ja!“ gewertet „Komm! Lass uns ins Hostel gehen, deine Sachen holen und dann zahl Ich dir das Ticket!“. Da die nächste Fähre, wie sich herausstellt, erst um 16 Uhr fährt haben wir noch einig Stunden Zeit. Gemeinsam setzten wir uns in ein Restaurant und bestellen ein Bier. Die Zeit vergeht wie im Flug, aus einem Bier werden zwei – und Ich muss feststellen, dass mein Körper es einfach nicht gewohnt ist, zwei Liter Bier auf leeren Margen zu trinken. Rechtzeitig zum Check-In holen wir meinen Rucksack im Hostel ab und torkeln dann zum Fährterminal – hier verabschiede Ich mich von Dan. Die Fähre ist groß und modern, die Passkontrollen werden direkt beim Check-In erledigt, auf der Fähre selbst gibt selbst es freies WLAN und einen Duty-Free-Shop. Anderthalb Stunden dauert die Fahrt über die Breite Bucht, mit welcher der „Rio de la Plata“ ins Meer mündet. In Buenos Aires mache Ich mich auf den direkten Weg ins Hostel – das hatte Ich von der Fähre aus noch schnell gebucht. Wie schon in Colonia del Sacramento handelt es sich dabei um ein großes Hostel im westlichen durchkommerzialisierten Stil: 24h Rezeption, ein Schlafsaal neben dem nächsten, alle Gemeinschaftsräume sind kameraüberwacht, die Ausstattung ist modern. Während Ich mir in der Küche etwas zum Abendessen koche, lerne Ich Tomás kennen. Er ist nur wenig älter als Ich, stammt aus Portugal, lebt aber in Deutschland. Hier in Buenos Aires macht er Auslandssemester Studium und lebt derweil im Hostel – das sei günstiger als eine Wohnung in der Stadt. Wir unterhalten uns noch ein wenig, bevor Ich müde ins Bett falle.
Dienstag 29.07.2025
Beim Check-In der Fähre hatte man mir gestern nicht nur mein Taschenmesser, sondern sogar die Verbandsschere aus meinem Erste-Hilfe-Kit abgenommen. Durch die vorherigen Biere noch etwas angetrunken, hatte Ich dann vergessen die Gegenstände nach der Fahrt wieder am Schalter abzuholen – das mache Ich also heute gleich als Erstes. Als Nächstes bemühe Ich mich darum meine verbliebenden uruguayischen Pesos zu wechseln – da Ich davon ausgegangen war noch mindestens einen weiteren Tag im Land zu bleiben, hatte Ich davon noch einige. Zu meiner Überraschung ist der Wechselkurs absolut grauenhaft: Man bietet mir nicht einmal 50% des Wertes – und das, obwohl die uruguayische Währung eigentlich die Höherbewertete war. Der nächste Punkt auf meiner ToDo-Liste ist es mir neue Gaskartuschen für meinen Kocher zu organisieren – Haferflocken kann Ich inzwischen nämlich nicht mehr sehen. Glücklicherweise sind passende Kartuschen in Buenos Aires sehr leicht zu finden – sicherheitshalber kaufe Ich gleich drei Stück. Den restlichen Tag über verbringe Ich an meinem Laptop in der Lobby des Hostels, organisiere und plane ein wenig. Unter anderem stehe Ich im Mailkontakt mit der Kooperationsärztin der deutschen Botschaft, um endlich den Bilharzia-Test machen zu können.
Mittwoch 30.07.2025
Nachdem Ich gestern eine Handvoll ToDos hatte abhaken können, wollte Ich heute nun endlich etwas von der Stadt sehen. Laut Tomás gab es wenig spezifische Sehenswürdigkeiten, die Stadt als gesamtes war die Attraktion. „Lauf am besten einfach ein wenig durch die Gegend!“ hatte er mir empfohlen. Der Straße vor dem Hostel folgend gelange Ich zum Plaza de Mayo, dem zentralen Platz der Stadt. Von dort mache Ich mich auf dem Weg zum imposanten Kuppelbau des argentinischen Parlaments und komme dabei am Palacio Barolo, einem markanten reich verzierten Hochhaus vorbei. Als Ich dort ankomme, erhalte Ich von der deutschen Ärztin die Adresse des Labors, welches sie mir empfahl, und beschließe mich direkt auf den Weg dorthin zu machen. Auf halber Strecke werfe Ich einen Blick in das Ateneo Grand Splendid, ein ehemaliges Theater, in dem sich nun eine Buchhandlung befindet. Am Labor angekommen, erzählt man mir, dass man auch hier den spezifischen Schnelltest-Streifen nicht vorrätig habe. Alternativ könne man mir aber anbieten meinen Urin mithilfe einer mikroskopischen Untersuchung auf etwaige Parasitenrückstände zu untersuchen. In einer Apotheke soll Ich mir Probenbehältnisse kaufen, dann über drei Tage eigenständig Urinproben nehmen und diese schlussendlich hier abgeben – klingt machbar! Auf dem Rückweg zum Hostel statte Ich dem Teatro Colón, dem bedeuteten Opernhaus Lateinamerikas, noch einen kurzen Besuch ab und ruhe mich dann ein wenig im Hostel aus.
Donnerstag 31.07.2025
Mein weniges argentinisches Geld, dass Ich mit ins Land gebracht hatte, ging langsam zur Neige – es war an der Zeit von meinen Wechselgeld-Reserven Gebrauch zu machen. Als Ich den Dokumentenbeutel aus meinem Rucksack hole, fühlt dieser sich sehr dünn an. Tatsächlich befinden sich, als Ich ihn aufmache, nur noch mein internationaler Führerschein und ein AirTag darin – das gesamte Geld fehlt! Kurz zweifle Ich an meinem Verstand – Hatte Ich das Geld irgendwo anders hingesteckt? – doch als auch das Ersatzhandy, welches sich im selben Fach meines Rucksacks befand, nicht auffindbar ist, habe Ich keinen Zweifel mehr: Ich wurde bestohlen! Mir fehlten 700 US-Dollar und ein altes iPhone. Ich brauche ein bisschen, um den Schock sacken zu lassen. Es hatte mich am denkbar schlechtesten Zeitpunkt erwischt: Nie hatte Ich so viel Bargeld dabei – nur jetzt gerade, wo Ich mich extra für die schlechte Bargeldversorgung in den nächsten Ländern bevorratet hatte. Ein wenig muss Ich mir aber auch an die eigene Nase fassen: Ich hatte meine Sachen nicht in einer der abschließbaren Spinde geräumt, sondern einfach unters Bett geschoben. Frustriert, enttäuscht, wütend und hilflos zugleich sitze Ich dort und rufe als Erstes einmal bei meinen Eltern an. An der Rezeption, an der Ich anschließend Bescheid gebe, zuckt man nur mit den Schultern. Zwar hängen überall Kameras, doch diese filmen selbstverständlich nur die Flure und Gemeinschaftsräume und nicht die einzelnen Zimmer – man könne mir nicht helfen. Meine Motivation zur Polizei zu gehen, hält sich in Grenzen – was sollten die schon tun – doch in Anbetracht dessen, dass Ich keine anderen Möglichkeiten habe und meine Gedanken auf nichts anderes richten kann, entscheide Ich mich dennoch dazu. Gelangweilt tippt eine Beamtin meine Aussagen in einen alten Computer ein und druckt mir den Bericht aus – „Danke, das wars! Wir kümmern uns darum!“ Ich bin noch nicht lange zurück im Hostel, als das gestohlene Ersatzhandy auf einmal seinen Standort sendet – nur ein paar Blocks entfernt. Hektisch renne Ich zurück zum Kommissariat und zeige der Beamtin aufgeregt die Adresse, doch die Beamtin entgegnet mir nur ein nüchternes „Ich füge das deinem Bericht hinzu“ und schickt mich dann wieder nach Hause. Ich bin frustriert, aufgebracht, überlege kurz selbst zu der Adresse zu laufen, doch der Standort des Geräts wird in einer großen Einkaufsstraße angezeigt – selbst, wenn Ich dort wäre, wäre das eine Suche nach einer Nadel im Heuhaufen. Inzwischen hatte sich im Hostel eine weitere Geschädigte gefunden – einer jungen Frau aus meinem Raum fehlten 800 Dollar, die sie sogar in ihrem Spind eingeschlossen hatte. Auch das half also nicht! Der Täter schien zu wissen, was er tat. Ich musste mich damit abfinden, dass mein Geld unwiederbringlich weg war. Zwar tut die Vorstellung – was man sich von dieser Summe alles hätte kaufen können – weh, doch andererseits war es nur Geld. Schlagartig wird mir bewusst wie reich Ich eigentlich war: Man konnte mir hunderte Euro stehlen und doch war das nicht mein finanzieller Ruin. Ich konnte einfach zum nächsten Bankautomaten laufen und mir neues Geld abheben. Und das iPhone … das war eh mein „Ersatzhandy“ gewesen – eine Absicherung für den Fall, dass mein eigentliches Smartphone gestohlen werden sollte.
Freitag 01.08.2025
Wie? Es ist schon wieder ein Monat rum? Die Zeit vergeht so unglaublich schnell! Mit dem Monatsersten ploppen auf meinem Handy sämtliche automatisierte Erinnerungen auf – „Rechnungen schreiben“, „Backup erstellen“, „Polarsteps-Route sichern“, der Blog will auch wieder geschrieben werden. Naja, draußen regnet und gewittert es den gesamten Tag – Ich verpasse also nichts. Gegen Mittag brauche Ich ein wenig Abwechslung und mache Ich mich auf den Weg, um mir neues Bargeld zu organisieren. Geld am Automaten abzuheben ist dabei keine Option: In Argentinien sind Bargeldabhebungen der heftigen Inflation wegen auf maximal 15.000 Pesos (9,87€) begrenzt – bei einer Automatengebühr von 7.000 Pesos (4,61€). Die einzige praktikable Lösung ist somit wieder mir über WesternUnion Geld zu senden – dort bekommt man deutlich höhere Summen, wenn auch leider keine US-Dollar wie noch in Montevideo. Um erneut vom Willkommensbonus des Geldtransferservices profitieren zu können erstelle Ich mir einen neuen Account und zahle so „nur noch“ eine zehnprozentige Gebühr auf meinen Transfer – das tut weh! Am Abend gehe Ich mit Tomás und einigen anderen aus dem Hostel zu einer Bar. Die dort angekündigte Party stellt sich allerdings als ziemlicher Flop heraus und so bin Ich schon kurz nach Mitternacht wieder zurück im Hostel.
Samstag 02.08.2025
Gleich nach dem Aufstehen mache Ich mich mit den im Laufe der letzten drei Tage gesammelten Urinproben auf dem Weg zum Labor und gebe diese ab. Eine Woche später erhalte Ich per Mail die Nachricht, dass in den Proben keine parasitären Rückstände mehr entdeckt werden konnten. Bevor Ich mich mit einem Bus auf den Rückweg zum Hostel mache, streife Ich noch kurz durch die zu dieser Zeit leeren Gassen des Ausgehviertels „Palermo“. Gegen Mittag besuche Ich den für seine bunten Wellblechsiedlungen bekannten Stadtteil „La Boca“. Einst ein armes Einwandererquartier, ist das Viertel heute eines der touristischsten in ganz Buenos Aires und zum Hotspot der lokalen Kunstszene geworden. Hunderte Touristen drängen sich durch die schmalen Gassen zwischen den farbenfroh gestrichenen Häusern, in denen sich zu großen Teilen Souvenirshops und Restaurants befinden. Dazwischen performen Straßenkünstler und fliegende Händler versuchen ihre Ware loszuwerden. In Rahmen einer Promo-Veranstaltung für die hierzulande gefeierte Netflix-Serie „Merlina“ ist eine der Gassen in tiefstem schwarz angestrichen und mit dichtem künstlich erzeugtem Nebel eingehüllt. Eigentlich möchte Ich am Abend noch meine Wäsche waschen, doch im Waschsalon weißt man mich ab – alle Trockner seien für den Rest des Tages belegt, Ich solle morgen Vormittag wiederkommen. Stattdessen sitze Ich also in den Abend über in der Lobby des Hostels und erhalte mich mit den anderen Reisenden.
Sonntag 03.08.2025
Morgen wollte Ich Buenos Aires verlassen. Nachdem Ich das gestern nicht hatte machen können, muss Ich heute also dringend noch meine Wäsche waschen. Der Waschsalon ist nur zwei Blocks entfernt und so kann Ich, während die Maschine läuft, in das Hostel zurückkehren und meinen Blog fertigschreiben. Im Anschluss telefoniere Ich mit meiner Familie, die gerade bei meinen Großeltern in Süddeutschland zu Besuch war. Am späten Nachmittag mache Ich mich auf den Weg zum Teatro Avenida. Das historische Opernhaus gehört sonntags der lokalen Hillsong Church – was für ein schöner Ort für einen Gottesdienst! Vor dem Gebäude steht bereits eine mehrere hundert Meter lange Schlange, auf den Einlass wartender Menschen. Ich bekomme einen Audio-Empfänger für die englische Übersetzung und ein in Plastikbechern verpacktes Abendmahl in die Hand gedrückt, dann geht es in den Gottesdienst. Als Ich zurück im Hostel bin, heißt es für mich dann: Sachen packen! Während Ich all meine Habseligkeiten in meinen Rucksack verstaue, unterhalte Ich mich einer schwedischen Reisenden und ihrer argentinischen Freundin, mit denen Ich mir seit einigen Tagen das Zimmer teilte.
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