Montag 21.07.2025
Mit dem Sonnenaufgang stehe Ich auf, baue mein Zelt ab, schultere meinen Rucksack und laufe in Richtung Ortsausgang. Auf dem Weg dorthin halte Ich bei einem Supermarkt an: Zwar hatte Ich noch immer einiges an in Paraguay gekauften Vorräten, doch nachdem mir gestern das Gas ausgegangen war, bräuchte Ich nun Verpflegung, die sich auch ungekocht verzehren ließe. Zu meinem Glück hat der Supermarkt gerade 1kg-Säcke mit Haferflocken im Angebot – mit denen lässt sich mein Kalorienbedarf recht einfach – wenn auch nicht gerade abwechslungsreich – decken. Am späten Vormittag erreiche Ich die Autobahnauffahrt von der Ich mir weiterzukommen erhoffe, der Verkehr hält sich in Grenzen, die meisten Autos rasen einem Affenzahn von Geschwindigkeit an mir vorbei. Doch Ich habe alle Zeit der Welt: Ich will es heute so oder so nur an einen 130 Kilometer entfernten Campingplatz am Ufer eines Stausees schaffen. Nach anderthalb Stunden sammelt mich der Fahrer eines roten Pick-Ups ein. Während Ich ihm von meiner Reise erzähle, entscheidet Er sich nicht auf direktem Weg zu seinem Zielort zu fahren, sondern eine alternative Strecke zu nehmen, um mich den gesamten Weg bis zu dem erwähnten Campingplatz mitnehmen zu können. Im Laufe des Nachmittags erreichen wir das liebevoll gestaltete Gelände mit Blick über den spiegelglatten See; die Sonne scheint, es ist angenehm warm. Gut gelaunt baue Ich mein Zelt auf, mache mir eine Schüssel Haferflocken, sitze ein wenig auf einer Bank in der Sonne und lese ein Buch. Auch meinen Fahrer schien der schöne Ort zur Entspannung verleitet haben – er war auf dem Fahrersitz seines Wagens eingenickt. Mit dem instabilen Internet des Campingplatzes rufe Ich noch zuhause an – dazu war Ich gestern nicht gekommen – bevor Ich einige der am See entlangführenden Wege erkunde. Die Sonne geht gerade über dem Stausee unter, als Ich mir zum Abendessen erneut eine Portion Haferflocken in die Schüssel fülle und mich dann langsam, aber sicher in mein Zelt zurückziehe. Am späten Abend gucke Ich auf einen beeindruckenden Sternenhimmel, die Milchstraße ist mit bloßem Auge klar zu erkennen. Aus ein paar Betonklötzen, die Ich einer Sitzbank stehle, baue Ich mir kurzerhand ein Stativ, um das Beste aus der Kamera meines in die Jahre gekommenen Smartphones rauszuholen. Die Ergebnisse werden zu meinem Erstaunen ganz ansehnlich – wenn auch keineswegs so beeindruckend wie in echt!
Dienstag 22.07.2025
Dichter grauer Nebel hängt über der Wiese, auf der Ich gecampt hatte, ein kalter Wind weht. Eigentlich hatte Ich gestern noch mit dem Gedanken gespielt eine weitere Nacht zu bleiben – aber nicht bei solchem Wetter! Frierend packe Ich mein triefend nasses Zelt zusammen und laufe an die Straße. Schon nach zehn Minuten hält ein moderner LKW und nimmt mich ein ganzes Stück bis zu einer Kreuzung, die nur noch etwa 60 Kilometer von Montevideo entfernt ist, mit. Auch dort muss Ich nicht lange warten und sitze schon wenig später auf dem Beifahrersitz eines alten weißen Mercedes-Lastwagens mit langer Schnauze. Gegen halb vier rollt der Truck auf das nicht allzu weit von der Innenstadt entfernte Hafengelände der uruguayischen Hauptstadt. Ich mache mich als aller Erstes auf die Suche nach der nächsten Schule, um mit deren freiem WLAN nach der Adresse meines Hostels und einer dort hinfahrenden Buslinie zu googeln – denn noch immer nieselt es. In dem Hostel verbringe Ich dann auch den restlichen Tag, arbeite wenig an meinem Laptop, sortiere mich und plane die nächsten Tage. Heute Morgen hatte Ich die Information bekommen das mein Stundensatz für ein Webentwicklungsprojekt, an dem Ich momentan arbeite, um satte 2/3 erhöht wurde. Noch besser war, dass die Gehaltserhöhung auch rückwirkend für sämtliche Stunden, die Ich in den letzten zwei Monaten geleistet hatte, galt. Damit katapultiert sich der Betrag in meiner Reisekasse schlagartig auf den höchsten Stand seit langem – und das mitten in den Sommerferien.
Mittwoch 23.07.2025
Als Ich am Morgen aus der Tür komme, stehe Ich mitten im Trubel eines Obst- und Gemüsemarktes, welcher in der Straße direkt vor dem Hostel stattfindet. Ich bin auf dem Weg ins örtliche Krankenhaus. Acht Monate waren inzwischen vergangen seit man bei mir eine Bilharziose, einen Befall mit tropischen Parasiten, diagnostiziert hatte. Damals hatte man mir empfohlen nach entsprechender Zeit einen erneuten Test zu machen, um den Erfolg der Behandlung zu kontrollieren – denn von dem Parasiten etwas gespürt hatte Ich weder vor noch nach der Behandlung. Das Gesundheitssystem in Uruguay gilt als eines der besten in Südamerika – hier sollte so ein Urintest problemlos möglich sein, oder? In dem luxuriösen Privatkrankenhaus, dass mir der Kooperationsarzt der deutschen Botschaft empfohlen hatte, soll ein Urintest knapp 500 US-Dollar kosten. Zwar zahle das am Ende nicht Ich, sondern meine Krankenversicherung und doch kommt mir das ziemlich teuer vor. Die freundlichen Angestellten der Klinik, empfehlen mir stattdessen ein nahegelegenes Labor weiter – dort koste die Behandlung nur ein Fünfzigstel. In dem Labor warte Ich erstmal eine ganze Weile, bis man mir schlussendlich verrät, dass der benötigte Test zu spezifisch sei – den hat man hier nicht. Nachdem Ich inzwischen einem kompletten halben Tag damit vergeudet habe Krankenhäuser abzulaufen, gebe Ich genervt auf – vielleicht hat man den Test ja in Buenos Aires. Wieder zurück kaufe Ich mir auf dem Markt ein wenig frisches Gemüse und koche mir daraus etwas zu essen – eine willkommene Abwechslung zu den Haferflocken der letzten Tage. Am Nachmittag erkunde Ich den Küstenabschnitt nahe des Hostels, mache ein obligatorisches Touri-Selfie vor dem auf der Promenade stehendem Montevideo-Schriftzug und besuche zu Sonnenuntergang einen kleinen historischen Leuchtturm auf einer der Stadt vorgelagerten Landspitze.
Donnerstag 24.07.2025
Blauer Himmel und Sonnenschein – perfekt um die Altstadt von Montevideo zu erkunden. Zu Fuß laufe Ich entlang der Rambla zum „Plaza Independencia“, einem markanten zentral gelegenen Platz. Die Altstadt wirkt sehr europäisch, architektonische Werke aus den verschiedensten Zeitepochen zeugen von der vielfältigen Geschichte der Metropole. Vom „Tetro Solis“ aus laufe Ich durch einige schmale Gassen hindurch weiter zu einem kleinen touristischen Markt am Hafen. Auf meinem Rückweg stoppe Ich am „Museo Andes 1972“ für einen Besuch. Das Museum erzählt die inzwischen zweimal verfilmte Geschichte des Absturzes eines uruguayischen Flugzeuges, die als „Wunder der Anden“ bekannt wurde. Nach dem Absturz überlebten einige Passagiere 72 Tage lang bei -20° in dem verschneiten Gebirge in Patagonien – unter anderem, weil sie sich von dem Fleisch der bei dem Absturz ums Leben gekommenen Mitpassagiere ernährten. Die Geschichte beeindruckt und wirft zugleich eine Handvoll emotionaler und moralischer Fragen auf. In dem Museum sind sämtliche Überbleibsel der Schneegesellschaft ausgestellt. Zudem gibt es eine Kältekammer, in welcher man die eisige Temperatur, der die Passagiere ausgesetzt waren, am eigenen Körper erleben kann.
Freitag 25.07.2025
Da das Wetter wieder einmal alles andere als berauschend ist, verlängere Ich meinen Aufenthalt in dem Hostel um eine zusätzliche Nacht und nutze den Tag, um an meinem Blog zu schreiben. Immerhin ist schon wieder Freitag und Ich hatte mit dem nächsten Blog-Beitrag noch nicht einmal angefangen. Um zwischendurch ein wenig Abwechslung hineinzubringen, recherchiere Ich ein wenig zu Wanderrouten in Patagonien. Patagonien ist riesig entsprechend auch die Anzahl an Trails, die durch das Wander-Mekka führen. Unterscheiden tun sie sich nicht nur in ihrem Schwierigkeitsgrad und ihrer Länge, sondern auch in puncto Erreichbarkeit, etwaiger Gebühren und benötigter Ausrüstung. Gerade zu der Begehbarkeit in den Wintermonaten ist es extrem schwierig Informationen finden – auch weil jene extrem wetterabhängig ist. Aller Vorausplanungen zum Trotz stehen alle meine Wünsche also weiterhin auf der Kippe.
Samstag 26.07.2025
Pünktlich zum Check-Out um 11 Uhr verlasse Ich das Hostel und laufe zu einer Shoppingmall im Stadtzentrum – dort soll es eine Filiale des Geldtransferservices „WesternUnion“ geben. An den Geldautomaten in Argentinien – meinem nächsten Zielland – Bargeld zu bekommen, soll schwierig sein und auch in Bolivien soll es – so hatte Ich gehört – vorteilhaft sein US-Dollar in die lokale Währung umzutauschen, anstatt Geld am Automaten abzuheben. Da kommt es praktisch, dass man bei WesternUnion in Montevideo sogar US-Dollar bekommt – so kann Ich meine Bargeldreserven für die nächsten Länder noch einmal aufstocken. Auf dem Weg zu der Shoppingmall kaufe Ich mir spontan noch ein Paar Handschuhe, denn es ist eisig kalt. Wieder mit genügend Geld zum Wechseln ausgestattet fahre Ich mit einem Bus an den Rand der Stadt und trampe von dort weiter. Nach etwas Zeit hält ein junger Mann man in einem mit Zigarettenstummeln voll liegenden „BYD“ – meine erste Fahrt in einem Elektroauto des chinesischen Herstellers – und nimmt mich einige Kilometer mit aus der Stadt heraus. Bis in die nächste große Stadt, Colonia del Sacramento, sind es nur etwa zwei Stunden, dennoch hatte Ich mich entschieden die Strecke in zwei Etappen aufzuteilen und über Nacht auf einem Campingplatz am Strand zu Zelten. Ein nächster Lift bringt mich dort hin. Direkt an der Küste ist es extrem windig – das sorgt dafür, dass sich die so schon kühle Temperatur, noch kälter anfühlt. Gleichzeitig sehe Ich das ganze als Chance die Windbeständigkeit meines Zeltes zu testen – denn Ich befürchtete, dass mich in Patagonien noch deutlich stärkere Winde erwarten dürften, als hier der Fall war. Ich sichere mein also die dem Wind zugewandte Seite meines Zeltes also mit einer zusätzlichen Leine und verkrieche mich dann darin vor dem Wind.
Sonntag 27.07.2025
Mein Zelt hatte die windige Nacht ohne Probleme überstanden. Der Wind hatte sogar einen Vorteil: Die Plane meines Zeltes war trotz hoher Luftfeuchtigkeit und kalter Temperaturen trocken. Relativ zügig finde Ich jemanden der mich aus der kleinen an der Küste gelegenen Ortschaft wieder zurück mit an die Hauptstraße nimmt. Dort setzte Ich mich in eine Tankstelle und telefoniere erstmal mit meiner Familie, bevor Ich dann ein zweites Mal meinen Daumen ausstrecke, um eine Mitfahrgelegenheit nach Colonia del Sacramento zu ergattern. Nach einer Weile sammeln mich zwei Frauen ein. Colonia del Sacramento ist bekannt für seine alten Kolonialbauten und die charmevolle Innenstadt. Profitieren tut die Stadt zudem von einer Fährverbindung mit der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires, die haufenweise Tagestouristen in die historischen Straßen spült. Nachdem man mich im Stadtzentrum abgesetzt hatte, muss Ich mich allerdings erstmal um einen Schlafplatz kümmern: In der Stadt gibt es nur einen Campingplatz – den hatte Ich aufgrund seiner grauenvollen Bewertungen und ungerechtfertigten Preise aber bereits kategorisch ausgeschlossen. Eine Alternative könnte ein großer Parkplatz im Zentrum sein, auf welchem einige Wohnmobile und Camper-Vans die Nacht verbringen. Freundlich frage Ich eine Mitarbeiterin der Stadt, die dort zugange ist, ob Ich dort auch mein Zelt aufschlagen dürfe, doch sie verneint meine Bitte. Auch an der Tourist Information hat man keine besseren Ideen, sodass Ich schlussendlich eingeknickt in eines der Hostels einkehre. Das ist zwar europäisch bepreist, bietet dafür die aber auch europäische Hostel-Standards. Mein Dormitory teile Ich mir mit Dan, einem Amerikaner in seinen Mitfünfzigern – nicht gerade der typische Gast eines Hostels. Dennoch verstehen wir uns großartig und kommen schnell ins Gespräch. Den Ganzen restlichen Abend unterhalte Ich mich mit ihm über Gott und die Welt.
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